Gottesdienst am Sonntag, den 10.01.2021

Liebe Gemeinde,
am vergangenen Mittwoch war Epiphanias, das Dreikönigsfest. Die Geburt Jesu hatte damals Strahlkraft weit über den Stall in Bethlehem hinaus. Das Symbol dafür ist der Stern. Denn er erstrahlte hell am Himmel und wies die drei gelehrten Sterndeuter aus dem Morgenland auf dieses besondere Ereignis hin. Zudem war er ihr Wegweiser zur Krippe. Um den Stern soll es auch in diesem Gottesdienst zum Mitnehmen gehen. Er bekommt heute seinen besonderen Auftritt.

Meditation
Gott, du Licht der Welt, du Licht unseres Herzens. Damals stand dein Stern leuchtend am Himmel und wies den wissbegierigen den Weg zu deiner Geburt als Mensch. Heute im wolkenverhangenen Himmel sind die Sterne nicht zu sehen. Dunkel wirkt er. Doch senken wir unseren Blick, funkeln die weihnachtlichen Lichter um uns herum und weisen jedes Jahr wieder auf dein Fest, auf deine Geburt hin. Noch immer leuchten Lichter für dich. Doch wo leuchtet dein Licht für uns? Hilf uns dieser Frage heute nachzugehen und sei beim Lesen und in unseren Gedanken bei uns.
Amen

Lied: Wenn Sie mögen singen Sie doch zuhause das Lied „Stern über Bethlehem“:

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht,
Leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn
Und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
Das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel,
Denn dieser arme Stall birgt doch so viel!
Du hast uns Hergeführt, wir danken dir.
Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!

Stern über Bethlehem, kehrn wir zurück,
Steht noch dein heller Schein in unserm Blick,
Und was uns froh gemacht, teilen wir aus,
Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus!

Lesung
Das Evangelium steht bei Matthäus im zweiten Kapitel, die Verse 1-12.
Die Sterndeuter aus dem Osten 1 Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren zu der Zeit, als Herodes König war. Sieh doch: Es kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. 2 Sie fragten: »Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen. Wir sind gekommen, um ihn anzubeten.« 3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm alle in Jerusalem.
4 Er rief zu sich alle Priester und Schriftgelehrten des Volkes. Er fragte sie: »Wo soll der Christus geboren werden?« 5 Sie antworteten ihm: »In Bethlehem in Judäa! Denn im Buch des Propheten steht: 6 ›Du, Betlehem im Land Juda, du bist keineswegs die unbedeutendste unter den Städten in Juda. Denn aus dir wird der Herrscher kommen, der mein Volk Israel wie ein Hirte führen soll.‹« 7 Später rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich. Er erkundigte sich bei ihnen genau nach der Zeit, wann der Stern erschienen war. 8 Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: »Geht und sucht überall nach dem Kind! Wenn ihr es findet, gebt mir Bescheid! Dann will auch ich kommen und es anbeten.« 9 Nachdem die Sterndeuter den König gehört hatten, machten sie sich auf den Weg. Und sieh doch: Der Stern, den sie im Osten gesehen hatten, ging vor ihnen her. Dann blieb er stehen, genau über der Stelle, wo das Kind war. 10 Als sie den Stern sahen, waren sie außer sich vor Freude. 11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an. Dann öffneten sie die Kästen mit ihren Schätzen und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 Gott befahl ihnen im Traum: »Geht nicht wieder zu Herodes!« Deshalb kehrten sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

Die drei Weisen unterhalten sich auf ihrem Rückweg:
Caspar: Wie gut, dass wir dem Stern vertraut haben und losgegangen sind.
Melchior: Der Stern hat uns den weiten Weg aus unserer Heimat bis nach Bethlehem gezeigt.
Balthasar: Und so haben wir Jesus gefunden.
Caspar: Ein kleines Kind in einer armseligen Krippe. Wer hätte das gedacht.
Melchior: Das hatte ich mir auch anders vorgestellt. Ich dachte, wir finden ihn in einem Palast …
Balthasar: Caspar, Melchior, schaut doch mal!
Caspar: Was ist denn?
Balthasar: Unser Stern. Da ist er wieder – aber jetzt steht er an einer anderen Stelle. Schaut, da oben! (Zeigt auf den großen Stern)
Melchior: Wie eigenartig. Er müsste doch hinter uns stehen, über dem Stall in Bethlehem, wo wir herkommen.
Caspar: Was das wohl zu bedeuten hat?
Balthasar: Kommt, wir folgen dem Stern und schauen, wo er uns jetzt hinführen will.
Melchior: Wir wollten ja eh einen anderen Weg nach Hause nehmen.

Liebe Gemeinde,
die drei Weisen machen sich wieder auf den Weg. Sie folgen erneut dem Stern. Was mag er ihnen wohl zeigen? Im Stall in Bethlehem kam damals Gott als Mensch in unsere Welt. Auf dieses besondere Ereignis wies der Stern damals hin. Wer den Blick zum Himmel hob, der konnte ihm folgen und Gott finden. Doch dieses Ereignis ist lange her. Heute ist am wolkenverhangenen Himmel kein Leuchten zu sehen. Doch was wäre, wenn der Stern die Menschen auch weiterhin auf Gottes Anwesenheit und Wirken in der Welt hingewiesen hätte. Wenn er über die vergangenen 2000 Jahre hinweg immer wieder am Himmel erschienen wäre, um den Menschen Gottes
Wirken zu zeigen. Was wäre in seinem Licht alles passiert? Wer weiß, wo Gott überall so beteiligt war? Große Ereignisse wie die Verabschiedung der Menschenrechte 1948 vielleicht oder bei Martin Luther Kings berühmter Rede für die Rechte der schwarzen Bevölkerung 1968 in Washington. An vielen Ereignissen könnte Gott beteiligt gewesen sein. Vielleicht stand er Merkel zur Seite, als sie die Flüchtlinge im Sommer 2015 nach Deutschland einlud und sagte <> oder half mit, den Brexit zwischen der EU und Großbritannien auszuhandeln. Und was ist mit der Corona Krise? Wo mag Gott da wirken? Vielleicht hätte der Stern letzten Winter über Wuhan geleuchtet oder über den Leichenzügen der Verstorbenen in Italien auf dem Weg zu den Krematorien im Frühling. Sein sanfter Schein hätte allen gezeigt: Gott ist bei den Verstorbenen und Angehörigen. Im Leben und im Tod. Für jeden hat Gott einen Platz frei.
Und wo könnte der Sterne heute leuchten? Wen würde er in seinen Lichtschein hüllen? Ich glaube es sind nicht nur die großen Personen und Ereignisse, die der Stern in sein Licht taucht. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter euch. (Matthäus 18,20) Ich glaube, ja er würde uns heute einhüllen. Das zeigen mir diese Worte Jesu. Alle die einen Gottesdienst zum Mitnehmen lesen, die ihn im Fernsehen sehen oder im Internet auf YouTube anklicken. Wir alle versammeln uns, um Gottes Wort zu hören, auf die unterschiedlichste Weise und zu den unterschiedlichsten Zeiten. Trotzdem sind wir alle verbunden durch unseren Glauben und der Gewissheit, die uns Jesus in seinem Wort schenkt: Ich bin da, wo ihr seid. Da wo ihr euch zusammen tut und an mich denkt. Da bin ich bei euch!
Ein tröstlicher Gedanke in Zeiten wo Treffen und persönlicher Kontakt zwischen den Menschen immer weiter eingeschränkt wird. Während Sie diesen Gottesdienst lesen ist Gott bei Ihnen und Ihren Glaubensgeschwistern. Darauf dürfen wir vertrauen, sagt uns Jesus.
Amen.

Fürbittengebet
Gott, du Licht der Welt, wir bitten dich:
Erscheine, wo Menschen dich suchen und unruhig sind zu dir.
Erscheine, wo du vergessen bist und nicht mehr vermisst wirst.
Erscheine, wo Schwache geknechtet und Hilflose ausgebeutet werden.
Erscheine, wo das Recht gebeugt wird. Erscheine, wo gefoltert, getötet und gequält wird.
Erscheine, wo Menschen in Angst leben.
Scheine uns, Licht der Welt, auf unserem Weg zu dir, dass wir uns nicht verlieren, wo wir nicht weiterwissen, sondern dir vertrauen, bis dein Tag alles Dunkel klärt. Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:
Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen Pastorin Nina Junghans.

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Gottesdienst am Sonntag, den 03.01.2021

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Johannes 1, Vers 14b

Fürbittengebet

Barmherziger Gott-
Du bist jedem von uns nahe.
Im Alltag unseres Lebens bist du da, mitten unter uns.
Auch dort, wo wir dich vermissen und nach dir rufen.
Schenke uns immer wieder einen Glauben,
der dir vertraut.
Wir rufen zu dir:
Herr erbarme dich!
Wir danken dir für die Familie,
in der wir aufwachsen konnten,
für alle Liebe und Fürsorge,
die wir als Kinder und Jugendliche erfahren haben.
Schenke unseren Familien einen weiten Horizont.
Du weißt, was unsere Beziehungen auch belastet,
wodurch wir anderen zur Last werden.
Hilf, dass wir nicht zu viel voneinander verlangen.
Lass uns barmherzig sein – mit uns selbst
und mit unseren Nächsten!
Wir rufen zu dir:
Herr erbarme dich!
Wir danken dir für das gute Miteinander,
für die Aufmerksamkeit und Unterstützung,
die Menschen gerade in diesen Zeiten erfahren.
In den Familien. Unter Freunden und Freundinnen.
In der Nachbarschaft.
Lass uns nicht vergessen,
wie sehr wir alle aufeinander angewiesen sind,
wie sehr wir davon leben,
dass andere an uns denken und für uns beten.
Lass diesen Geist der Liebe
weiterhin unter uns wachsen und Früchte bringen.
Wir rufen zu dir:
Herr erbarme dich!
Wir denken an die Menschen und befehlen sie dir an,
die in dieser Krise alles verloren haben,
deren berufliche Existenz bedroht ist
und die jetzt dringend Hilfe brauchen.
Wir bringen vor dich die Menschen in der Nähe
und in der Ferne,
denen es buchstäblich an allem fehlt,
an Sicherheit, an Frieden, an Lebensmöglichkeiten.
Die Menschen in Kriegs- und Krisenländnern
und auf der Flucht.
Wir rufen zu dir:
Herr erbarme dich!
Wir bitten dich
für unsere Kranken und für die, die sie pflegen,
für die Sterbenden.
Für die Menschen, die um ihren Nächsten trauern.
Wir bitten dich für die Menschen,
die ihnen beistehen und sie begleiten.
Schenken ihnen die nötige Kraft und Geduld.
Lass sie und uns deine Nähe erfahren, die uns verbindet
als deine Schwestern und Brüder
und als Kinder des einen Vaters im Himmel.
Sei bei deiner Welt.
Sei bei denen, die nach dir rufen!
Erbarme dich unser!
Amen.
HDW

Bitte bleiben Sie gesund!

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Gottesdienst am Neujahrstag, 01.01.2021

Gottesdienst zum Neujahrstag 2021
Wie gewohnt finden Sie die Predigt am Ende der Seite zum Herunterladen und Ausdrucken und als Auslage im Küsterhaus.

Zu einem Taufgespräch bin ich verabredet. Ich stehe vor der Tür und drücke den Klingelknopf. Wenig später öffnet ein – wie ich später erfahre – Dreijähriger – die Tür. Mustert mich kurz, dreht sich um, läuft zu seiner Mutter, die mich weiter hinten im Flur erwartet, umklammert ein Bein und versteckt sein Gesicht in einem Rockzipfel. Beruhigend legt sie ihre Hand auf seinen Kopf: „Das ist doch Herr Berndt! Der wird deine Schwester taufen. Du brauchst keine Angst zu haben!“
Es dauert eine Weile, bis er mir vorsichtig sein Gesicht zuwendet. Aus seinen Augen spricht Unsicherheit: „Wie soll ich dem begegnen, den ich gar nicht kenne?“ Ein Arm reckt sich zu seiner Mutter hoch. Er sucht Halt.

Ich kann mich gut in ihn hineinversetzen. In einer Zeit, der ich längst entwachsen bin, habe ich auch so auf Fremde, Fremdes, Neues, Unbekanntes reagiert. Ein paar Fotos aus Kindertagen erzählen bis heute davon. Da habe ich mich in Arme geflüchtet von Menschen, die mir Halt und Schutz boten: Mutter, Vater, die älteren Geschwister, all jene, hinter die ich mich, wenn es sein musste, verstecken konnte.
„Hab‘ keine Angst, fürchte dich nicht“ – das musste dann nicht einmal gesagt werden. Es verstand sich in dieser Geste des Haltens und Gehalten werden von selbst.

Und ich konnte mich ja auch unsichtbar machen damals. Nur die Augen fest zu drücken oder den Blick abwenden. Dann sah ich nicht mehr das, was mir Angst machte. Und ich bildete mir ein, dass mir nichts und niemand etwas anhaben kann.
Eine Methode, die mitunter auch Erwachsene praktizieren, wenn sie nicht wahr haben wollen, was wahr ist.

Wie anders Jesaja. „Fürchte dich nicht!“ So lesen wir im Jesaja -Buch (Kap. 43, 1). Jesaja sagt es nicht zu Kindern. Das „Fürchte dich nicht!“ taugt eben nicht nur zum Taufspruch. Er sagt es Menschen, die um die Unabwägbarkeiten des Lebens wissen: „Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht überfluten soll; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht versengen.“ (Jes. 43, 2).
Sehr drastisch spricht der Prophet von der Gefährdung des Lebens. Und ich verstehe: ich komme um Situationen, die beängstigend, ja lebensbedrohend sind, nicht herum. Mein Leben, jedes Leben ist immer auch gefährdetes Leben.
Wir – von jung bis alt – haben das in den letzten Monaten erfahren, wie seit Jahrzehnten nicht mehr in unserem Land.

Jesaja verschließt vor solchen Gefährdungen die Augen nicht. Er sagt nicht: „Es wird dir nichts geschehen!“ Aber er sagt: ‚In allem, was dir geschehen wird, wirst du gehalten und getragen!‘
Vertrauen möchte Jesaja wecken, Zutrauen zu dem, dem wir unser Leben verdanken.

Manchmal tue ich mich schwer mit solchem Vertrauen. Möchte mich lieber als der sehen, der sein Leben fest im Griff hat. Möchte mich sehen als der, an den sich andere anlehnen können. Und doch bleibe ich angewiesen auf den, von dem ich im 23.Psalm lese: „Dein Stecken und Stab trösten mich!“ Das heißt: Du, Gott, hast Mittel und Möglichkeiten, mir Halt zu geben, mich zu halten, auch wenn mein Weg durch Ungewissheiten, Enttäuschungen, Krankheiten führt.

Das ist nicht viel angesichts weltweiter und ganz naheliegender Sorgen, Fragen und Ängste. Und es ist nicht immer genug, wenn einem ‚das Wasser bis zum Hals steht‘.

Aber: nicht anders kann ich meinen Weg gehen: gewiss und ermutigt durch die Zusage: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir!“ (Psalm 23, 4).

Mit dieser Zusage können wir uns getrost auf den Weg machen durch das neue Jahr.


Sup. i.R. – Wittingen

Fürbitte

Das alte Jahr ist gegangen, ein neues hat begonnen.

Wir bringen dir, Gott, unseren Dank
für alles, was unser Leben reich macht:
unsere Gesundheit,
die Geborgenheit in unserer Familie,
die Zuneigung und Begleitung von Menschen,
denen wir am Herzen liegen
unsere Erfolge und das Gelingen.
die Sicherheit und den Frieden in unserem Land.

Wir denken auch an das, was uns traurig und das Herz schwer macht:
Krankheit und Not,
den Verlust eines geliebten Menschen,
Fehler, die wir gemacht haben
Enttäuschungen die uns bereitet wurden
unsere Gedankenlosigkeit im Umgang mit anderen,
unsere Angst und unsere Zweifel angesichts all dessen, was unser Leben und die Welt bedroht.

Wir bringen dir, Gott, unsere Wünsche und unsere Bitten für das neue Jahr:
lass uns die nicht aus den Augen verlieren, die unsere Hilfe brauchen
lass uns für die das Wort ergreifen, die sprachlos geworden sind angesichts all dessen, was sie zu tragen und zu ertragen haben.
Bestärke uns in unserem Vertrauen zu dir.
Erfülle uns mit allem, was in deinem Sinn ist und uns und anderen zum Leben hilft.
Sei uns nahe auf Schritt und Tritt.
Bleibe an unserer Seite an allen Tagen und auf allen Wegen dieses neuen Jahres.
Amen

Und so segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

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Gottesdienst am Altjahresabend, 31.12.2020

Gottesdienst für Altjahresabend 2020 von Diakonin Susan Heydecke
Wie gewohnt finden Sie auch diesen Gottesdienst als Ausdruck im Küsterhaus oder können Ihn sich am Ende der Seite herunterladen und ausdrucken.

Liebe Gemeinde,
ein aufregendes Jahr geht zu Ende. Es war gezeichnet von einem kleinen Virus, das uns große Einschränkungen brachte. Viele Menschen mussten leiden unter den Folgen. Angst ging im ganzen Land umher. Werden wir das alles hinter uns lassen können?
Impfstoff ist da. Wird er die Erlösung bringen? Wir wissen es nicht.
Auf der anderen Seite haben wir in den vergangenen Monaten wieder gelernt unseren Nächsten in den Blick zu bekommen. Wie viele Menschen haben durch Briefe, Telefonate, … Trost zu gesprochen bekommen. Auch die Kirchen sind hellhörig geworden, haben neue Wege zu den Menschen gesucht und gefunden. Gott sei Dank.
All das Schöne und das Schwere wollen wir jetzt ablegen und uns neu auf Christus ausrichten, der unser Leben und diese ganze Welt in seiner Hand hält.
Lassen sie uns diese Stunde feiern in Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lasst uns beten:
Vater, am Ende des Jahres kommen wir zu Dir. Wir danken dir, für das, was gut war. Du hast uns gehalten bis zum heutigen Tag. Du hast uns Kraft gegeben für jeden Tag. Du hast uns Menschen an die Seite gestellt, die uns geholfen, getröstet, unterstützt haben. Wir selbst konnten hier und da andere unterstützen. Hab Dank für das Geben und Nehmen. Du warst uns in unserer Angst nah. Danke. Dir konnten wir sagen, was unser Herz beschwerte.
Nun kommt ein neues Jahr. Wir hoffen auf den Impfstoff. Wir sehnen uns nach unseren Freunden, Verwandten und Bekannten. Wir wollen sie so gern wieder in unsere Arme schließen. Vater lege du deinen Segen auf das neue Jahr. Amen.

Das Evangelium steht in Matthäus 13, 24 – 30:
Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune. Amen.

Impuls zur Jahreslosung 2021
Jedes Jahr gibt die Kirche eine neue Jahreslosung heraus. Sie soll so eine Art Motto sein, das uns das ganze Jahr hindurch begleitet. Im Letzten Jahr war es die Bitte an Jesus: Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Ein passendes Wort für das Coronajahr, finde ich. Manchen Anfechtungen waren wir ausgesetzt. Unser Glaube stand auf den Prüfstand. Wie gut, das wir immer wieder zu Jesus gehen konnten und ihn bitten konnten: Hilf meinem Glauben.
Das Motto für 2021 lautet:
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Lukas 6,36
Die Jahreslosung versuche ich mir jedes Jahr vor Augen zu malen. Dabei ist das Bild auf der Vorderseite entstanden. Es hängt in meiner Küche und erinnert mich täglich an das Wort des Jahres.
Seid barmherzig, für mich klingt das im ersten Moment wie: die Mütter, die ihre Kinder verabschieden und sagen: „Seid schön artig, wenn ihr bei Oma seid.“ Oder wie die Bundeskanzlerin in den letzten Reden an uns: „Seien Sie vernünftig. Tragen Sie Masken, halten Sie Abstand. Oder wie der Chef zu seiner Angestellten: „Es ist wichtig. Seien Sie morgen pünktlich.“
„Seien Sie“; „Seid!“ Es klingt wie eine Aufforderung. Der Angesprochene soll etwas tun, eben artig, vernünftig, pünktlich sein. Und das sind nur ein paar Beispiele. Sicher kennen Sie aus ihrem Alltag noch mehr „Seid“. Dieses „Seid“ fordert uns heraus.. Es will, dass ich mein Verhalten in eine von anderen gewünschte Richtung lenke.
Will ich das? Kann ich das? Was kriege ich dafür?
Mitten im zweiten Wort der Jahreslosung “Barmherzigkeit“ steckt das Wort Herz: Barmherzigkeit.
Das Herz ist der Motor in uns. Unablässig schlägt es, Tag und Nacht. Erst wenn es nicht mehr so richtig will, merken wir es. Es arbeitet für uns, im Verborgenen. Und es ist lebenswichtig. Aber nicht nur für unseren Körper. Es ist auch, nach biblischen Verständnis der Sitz der Seele. Das Herz leitet unsere Gefühle und Gedanken. Es bestimmt unser Handeln.
Seid barmherzig – nehmt Euch ein Herz, so könnte man auch sagen. Schaut durch Eure Herzen in diese Welt.
Was sehen wir? Wenn ich durch meine Brille sehe, sehe ich: Das Kind in der Kindergruppe, das benachteiligt ist. Zu seiner Benachteiligung kommt noch das Hänseln der anderen Kinder. Ich sehe die alte Dame, wie sie mühsam die vollen Taschen vom Einkaufen nach Hause trägt. Ich sehe den Jugendlichen, der ganz plötzlich und unerwartet seinen Vater verloren hat. Ich sehe …
Wen oder was sehen Sie durch Ihre Brille? Und wie reagieren Sie darauf?
„Selber schuld.“ „Dann soll sie weniger einkaufen.“ „Pech gehabt.“
Sicher fallen auch Ihnen Situationen ein, wo Sie Not gesehen, aber nicht barmherzig gehandelt haben.
Seid barmherzig ist eine Aufforderung. Reagiert auf das, was Ihr seht! Also nehmt Euch des benachteiligten Kindes an. Helft der alten Dame. Tröstet den Jugendlichen, habt ein offenes Ohr für ihn.
Da regt sich doch gleich Widerstand in mir. Ich soll helfen, tragen, trösten. Wie soll ich das machen? Und Zeit habe ich auch keine, schließlich wartet die Familie, und der Job und …
Schnell fühlen wir uns überfordert. Ich kenne das von mir selbst. Da ist die Angst, vielleicht nicht verstanden zu werden, vielleicht eine Abfuhr zu bekommen, nicht die richtigen Worte zu finden. Ja, wenn ich nur den ersten Teil der Jahreslosung lese, stehe ich vor einer schwer zu lösenden Aufgabe. Barmherzig zu handeln ist nicht leicht.
Der zweite Teil bringt für mich die Wende: „Wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Der barmherzige Vater! Da fällt mir die Geschichte aus Lukas 15, 11 – 23 ein: Ein Vater hatte zwei Söhne. Der eine lässt sich sein Erbe auszahlen und verlässt das Vaterhaus. Er ist auf die schiefe Bahn geraten. In seiner Not denkt er an den Vater und kehrt nach Hause zurück. „Wird mich der Vater wieder aufnehmen? Als Knecht will ich bei ihm arbeiten, wenn er mich nur aufnimmt,“ denkt er. Und der Vater, er steht jeden Tag am Zaun und wartet auf ihn. Als er ihn sieht, läuft er ihm entgegen, schließt ihn in seine Arme und herzte ihn. Er bekommt seine Sohneswürde zurück. Seine Schuld ist vergeben. Der Sohn kann neu anfangen. Er ist frei.
Mir fallen die vielen Menschen ein, die mit ihrer Not zu Jesus kamen. Er hat ihre Not gesehen und hat sich ein Herz genommen. Er hat ihnen geholfen. Er hat sie gesund gemacht. Er hat sie befreit. Er hat ihnen neues Leben geschenkt. Ja, der Vater ist barmherzig. Die Bibel ist voll solcher Berichte.
Aber, kann ich das auch aus meinem Leben sagen? Ist Gott auch barmherzig zu mir gewesen?
Ja, von meinem Leben kann ich das sagen. Der Vater ist auch mir gegenüber barmherzig: Ich lebe in einem reichen Land. Ich habe mein Auskommen. Mir geht es gut. Ich habe Freunde, Familie, … um nur ein paar Dinge zu nennen. Ich fühle mich reich beschenkt. Schon oft ist mir in notvollen Situationen geholfen worden. Aus schwierigen Situationen wurde ich auf wundersame Weise befreit. Wo ich schuldig geworden bin, habe ich Befreiung erlebt. Für mich, alles Zeichen der Liebe Gottes zu mir.
Können Sie die Herzlichkeit Gottes auch in Ihrem Leben sehen?
Beim Arbeiten an der Jahreslosung ist mir eines deutlich geworden: Die Bewegung geht immer von Gott aus. Er fing an. Er hat uns zuerst geliebt. Mit seiner Liebe überschüttet er uns. Er lässt sie in uns hineinfließen. Jeden Tag von neuem. Das habe ich mit der weißen Hand versucht auszudrücken. Sie hat ein rotes Wundmal. Zeichen für mich für Christus, der alles für uns gegeben hat. Seine Liebe fließt über und trifft das Herz des Menschen in der Mitte des Bildes.
Sehen Sie, wie er sich dadurch verändert?
Licht kommt in sein Leben, und Hoffnung. Das drücken die Farben gelb und grün für mich aus.
Von Gott geht die Bewegung aus. Von ihm fließt die Herzlichkeit in mich hinein. Da kann sie sich ausbreiten und mich erfüllen. Wenn ich es spüre, sind es beglückenden Momente. Sie beleben uns. Sie nehmen uns für eine Weile den Schmerz, sie öffnen unser Herz und machen es weit.
Wenn Gottes Liebe in mich hineinfließt, verändert sich etwas in meinem Leben. Es wird befreit. Ich kann wieder lachen und fröhlich sein. Und diese Fröhlichkeit steckt an, macht mich frei, auch für andere. Für das benachteiligte Kind, die alte Dame mit den schweren Taschen, für den Jugendlichen, der seinen Vater verloren hat. Plötzlich wird das, was ich zu geben habe, größer als meine Angst. Ich werde frei, kann für den anderen dasein. Und so wird es auch für ihn licht. Wie heißt der Spruch? Wo das Herz voll ist, fließt der Mund und die Hand über. So sehen wir das auch auf dem Bild.
Ich darf die erfahrene Liebe einfach nur fließen lassen, durch mich hindurch. Und dann verändert sie die Welt, und die Menschen um mich herum. Sehen Sie, wie die kniende Person am rechten Bildrand die Herzlichkeit annimmt? Da, wo das Herz die kniende Person berührt, da wird es auch in deren Leben hell, das Dunkle wird vertrieben, das gelbe Licht beginnt, sich in ihr auszubreiten.
Seid barmherzig, jetzt, nach längerem Nachdenken, das heißt für mich: Öffne dich für die Liebe Gottes. Er gießt sie über dir aus. Lass sie in dich hinein. Lass dich verändern.
2021, ein neues Jahr. Es ist voll der Liebe Gottes. Werden wir sie annehmen und in uns wirken lassen? Ich wünsche Ihnen, dass Gottes Liebe Ihr Leben hell und weit macht. Dass die Liebe, die Sie erfahren, für andere zum Licht und zur Hoffnung wird. Ganz von selbst. Weil er das Feuer in Ihnen entfacht. Amen.

Fürbittengebet in Anlehnung an Psalm 31
Vater im Himmel, danke für alles, was du in mich hinein gelegt hast. Danke für alle Deine Liebe, die im vergangenen Jahr, in meinem Leben sichtbar wurde. Danke, dass du an mir festhältst, auch wenn ich nicht so barmherzig war, wie es gut gewesen wäre. Danke, dass du einen neuen Anfang möglich machst.
Herr, das neue Jahr steht vor uns. Was wird es uns bringen? Werden wir durchkommen? Sorgen um unser Lieben belasten uns.
Bei dir, HERR, suche ich Schutz, komm hilf mir. Führe und leite mich, um deinem Namen Ehre zu machen! Ja, du bist meine einzige Zuflucht. In deine Hände lege ich mein Leben, denn du wirst mich erlösen, HERR, du treuer Gott!
Ich juble vor Freude, weil du mich liebst. HERR, ich vertraue dir. Du bist mein Gott, daran halte ich fest! Was die Zeit auch bringen mag, es liegt in deiner Hand. Das gibt mir Ruhe und Kraft. Danke.
Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen:
Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen
Susan Heydecke, Diakonin in Wahrenholz und Wesendorf

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Gottedienst am 2. Weihnachtsfeiertag, 26.12.2020

Heute gibt es anstelle einer Predigt nochmal einen Teil der Adventsmusik vom 3. Advent zum Anhören.

Orgelvorspiel:

Bläser und Orgel: Macht hoch die Tür

Adventsgeschichte: Advent in der S-Bahn

Bläser und Orgel: O Freude über Freude

Adventsgeschichte: Versprechen

Bläser und Orgel: Jesu bleibet meine Freude

Orgel und Gesang: Tochter Zion

Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag, 25.12.2020

Predigt für den 1. Weihnachtsfeiertag 2020, Pastor Moritz Junghans

Liebe Gemeinde,
das Weihnachtsfest 2020 wird wohl vielen von uns in Erinnerung bleiben. Lange war es ein Datum, mit dem sich viel Hoffnung verbunden hat. Und sogar von der Regierung beschlossen war es: An Weihnachten soll es von den Maßnahmen, die uns sonst teilweise sehr belasten, Lockerungen geben, Treffen von mehr Personen aus mehr Haushalten. Eine Art Lichtblick, Belohnung vielleicht für die Einschnitte, die es in den Monaten zuvor gab.
Diese Gedanken hören sich heute an, als kämen sie aus einer anderen Zeit. Jetzt sitzen Sie zu Hause. Oder bei der Familie, aber eben nur im kleinen Kreis. Seit ein paar Tagen ist klar: Weihnachten ist nicht nur anders, als sonst, sondern gerade hier bei uns im Landkreis Gifhorn ist die Lage um Weihnachten herum besonders schlimm. Aus Sicht derer, die sich um die öffentliche Gesundheit sorgen ist Weihnachten längst kein Lichtblick mehr, sondern Teil des Problems.

Für manch einen scheint es im Moment vielleicht, als gäbe es nicht mehr viel Grund zur Hoffnung. Ja, das Impfen geht irgendwann los, erste Prognosen gehen davon aus, dass ab Sommer nächsten Jahres die Lage besser wird. Aber das ist noch eine ganz schön lange Zeit. Wer angesichts dieser Aussichten im Moment etwas den Kopf hängen lässt, dem kann man nicht vorwerfen, dass er Schwarzmaler ist. Im Moment fällt es manchmal schwer, noch Hoffnung zu haben.
Aber trotz allem: Es ist immer noch Weihnachten. Gerade jetzt, in diesem Moment, heute! Und für uns Christinnen und Christen ist Weihnachten mehr als nur ein Risiko, weil da normalerweise viele Menschen zusammenkommen. Weihnachten steht für Hoffnung, Weihnachten hat etwas mit Licht zu tun, das stärker ist, als alle Dunkelheit. Etwas mit… Ja, womit eigentlich genau?

Der Predigttext von heute hilft, wenn man der Fragen nachgehen möchte, wie genau Weihnachten eigentlich bei uns wirken kann. Dazu muss man aber einen recht langen Anlauf nehmen. Den beginnen wir mit dem Predigttext selbst. Er steht im Buch des Propheten Jesaja im 52. Kapitel.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten,
der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt,
der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!
Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander;
denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der Herr nach Zion zurückkehrt.
Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems;
denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker,
dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. (Jes 52,7-10)

Ein unglaublich positiver Text in dieser Zeit. Schon nach dem ersten Lesen sind mir viele Schlagwörter im Kopf geblieben. Friede, Heil und Jubel. Trost vom Herrn, gar von Erlösung ist die Rede. Lauter positive Dinge, eine wahre Freudenbotschaft.
Wie sich die Menschen, an die diese Worte gerichtet waren, wohl gefühlt haben?

Die Antwort ist leicht: Die Menschen, an die diese Worte gerichtet waren – waren müde und traurig. Andere waren vermutlich nicht mal mehr das, sie waren einfach leer und hoffnungslos. Haben auf nichts anderes mehr hoffen können, als das, was unmittelbar vor ihren Augen war. Und das war nicht viel. Denn Empfänger dieser Worte waren nicht etwa Menschen, die mit festem Blick auf eine gute Zukunft schauten, sondern Menschen, denen ihre Vergangenheit verloren zu gehen drohte.
Es war die zweite oder dritte Generation der Israeliten, die im babylonischen Exil lebten. Von denen, die das Leben im eigenen Land noch erlebt hatten, waren vermutlich die meisten bereits gestorben. Es folgten Generationen, die in Babylon geboren wurden. Die Klage über den Verlust des eigenen Landes und des Tempels verstummte langsam. Denn zu fern waren die Gedanken daran. Bei vielen dürfte nichts als Enttäuschung geblieben sein.

Ganz so schlimm ist die Lage für uns, die wir in diesem Jahr Weihnachten feiern, nicht. Das ist schon mal gut. Aber ein bisschen vergleichbar ist es doch. Die Menschen im Exil hatten keinen vernünftigen Grund auf eine Besserung der Lage zu hoffen. Was sie vor Augen hatten, bot ihnen wenig Grund zu Optimismus.
Was wir hier im Moment betreiben, ist nur Schadensbegrenzung. Wir kämpfen gegen die Ausbreitung einer Krankheit, die sich weiter ausbreiten wird. Langsamer hoffentlich, doch es wird weitergehen. Auch morgen werden sich wieder Menschen anstecken und, so grausam es klingt, auch morgen werden wieder Menschen sterben.
Den Hoffnungslosen in Babylon wird etwas vor Augen geführt, was wie aus einer anderen Welt klingt. Heil und Frieden für Menschen, die als Fremde in einem fremden Land leben. Die Rückkehr in das eigene Land für Leute, die das nur noch aus Erzählungen kennen. Schlicht unrealistisch muss es für die Menschen geklungen haben. Wie eine andere Wirklichkeit, die mit der Wirklichkeit, die vor Augen ist, nicht viel zu tun haben kann.
Und – denkt dran, es ist immer noch Weihnachten – uns wird etwas ebenso Merkwürdiges verheißen. Das, was an Weihnachten gefeiert wird, ist im Kern etwas merkwürdiges. Wir haben die Geschichte vom Kind in der Krippe schon oft gehört, als Christinnen und Christen glauben wir, dass das, was da passiert ist, wichtig und besonders war – das alles ändert aber nichts daran, dass es eine Merkwürdigkeit ist, die da erzählt wird. Etwas, was nicht in die Wirklichkeit damals gepasst hat und auch heute nicht so recht in unsere Wirklichkeit passen will. Etwas, was mit der Wirklichkeit, die wir aktuell vor Augen haben, nicht vereinbar zu seien scheint.

Weihnachten ist das Fest, an dem beginnt, was ich eine ganze Kette von Merkwürdigkeiten beschreiben würde. Gott kommt auf die Welt, später wirkt Gott in einem Menschen mitten unter den Menschen. Gott geht dahin, wo Ausgrenzung herrscht, berührt Menschen, die eigentlich schon jeder abgeschrieben hatte. Unsere Überlieferung, unser Glaube ist voll von diesen Geschichten. Das Kirchenjahr ist voll davon. Zum christlichen Glauben gehört es dazu, Gott zuzutrauen, dass er Dinge auch ganz anders machen kann, als wir sie uns vorstellen können.
Dieses Jahr an Weihnachten wird mir das besonders deutlich. Wenn ich vom Engel höre, der ruft „Fürchtet euch nicht!“. Er ruft das jedes Jahr, doch in diesem Jahr merke ich: Es läuft dem entgegen, was ich im Moment vor Augen habe. Wenn ich von Frieden auf Erden höre und mir überlege, wo eigentlich überall Unfriede herrscht. Und, wenn ich aus all dem schließe, dass Gott diese Welt liebt, dass wir in einer von Gott geliebten Welt leben und selbst Geliebte sind.
Dann merke ich: All das steht, mal mehr, mal weniger, im Widerspruch zu dem, was ich erlebe. Und es ist genau dieser Widerspruch, den ich brauche. Weil er es ist, der die Welt verändert. Durch den Widerspruch wird nicht auf ein mal alles gut. Aber er hält die Sehnsucht wach, er hält den Kopf oben und den leisen Zweifel im Kopf wach. Es könnte doch sein, dass all das so ist. Und wenn selbst der Kopf schon diesen Zweifel zulässt, wie viel mehr schafft es das Herz dann erst, dass doch die ganze Zeit zum Festhalten an der Hoffnung bereit war?

Weihnachten stellt uns vor Augen, dass es anders sein kann, als es ist. Ein Grund mehr, gerade in diesem Jahr zu hören, was uns gesagt wird. Fürchtet euch nicht. Ich verkündige euch große Freude! Amen.

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Gottesdienst an Heilig Abend, 24.12.2020

Liebe Gemeinde,

wir wünschen einen gesegneten Heilig Abend im Kreise der Familie!

Hört der Engel helle Lieder (Rüdiger Vopel an der Orgel)

Weihnachtsansprache von Pastor Sassenhagen zum Anhören:

Die Predigt zum Lesen können Sie sich hier herunterladen oder wieder in gedruckter Form z.B. aus dem Küsterhaus abholen.

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Lied: Oh du fröhliche (Rüdiger Vopel)

Liebe Familien,
ein Krippenspiel kann dieses Jahr nicht stattfinden. Deshalb gibt es ein Miniweihnachtshörspiel. Machen Sie es sich mit Kerzen und Tee gemütlich und hören Sie unserer Kirchenraupe Randolf zu. Vielleicht möchten Sie auch in der Kinderbibel in Lukas die Weihnachtsgeschichte lesen. Sie haben sicher auch eigene Ideen. Auf alle Fälle frohe und gesegnete Weihnachten.
Antje Trebesius

Lied: Ihr Kinderlein kommet (Rüdiger Vopel)

Um 15 Uhr gibt es von 2Flügel eine 30 minütige Christvesper, die man live auf Youtube verfolgen und kommentieren kann. 2Flügel ist ein Geschwisterduo, die mit einer Mischung aus Lesung und Konzert die Herzen berühren. Lohnt sich!

Und für alle, die den Abend nicht allein verbringen möchten, gibt es ab 18 Uhr ein 12-stündiges (!) Live-Abendangebot der hannoverschen Landeskirche. Popkantor Til von Dombois begleitet durch ein buntes und zugleich besinnliches Programm aus Musik und Texten. Pastoren, Ehrenamtliche und Privatpersonen unterstützen dieses Format mit der Einsendung ihrer Beiträge.

Um 23 Uhr hätte traditionell unsere Christmette stattgefunden. Das Team um Samuel Trebesius hat die Idee nun auf eine Hörvariante umgewandelt.

Gedanken von Maria

Lied: Er kam aus Liebe (Samuel und Antje Trebesius)

Gedanken von Josef

Lied: Zu Bethlehem geboren (Rüdiger Vopel)

Gedanken eines Hirten

Mittwoch, der 23.12.2020: Der Abend vor Heilig Abend

Zur Einstimmung auf die Feiertage liest Andrea Mischnick eine Weihnachtsgeschichte von Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974) und zu Hören ist der Posaunenchor mit „Little Drummer Boy“ (Aufnahme vom letzten Jahr.)

Was war das für ein Fest?


Den Tet zum Nachlesen finden Sie unter https://www.winter-wonderland.de/was-war-das-fuer-ein-fest.html

Gottesdienst zum Buß- und Bettag entfällt!

Der Gottesdienst zum

Buß- und Bettag
am 18. November

entfällt!

Gerne können Sie einen der folgenden Gottesdienste
besuchen:

 St. Johannis Kirche in Wesendorf
um 18:00 Uhr

 Thomas Kirche in Neudorf-Platendorf
um 19:00 Uhr

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!
Ihre St. Nicolai- und Catharinen- Gemeinde
Wahrenholz

Predigt von Sonntag, den 8.11.2020

Predigt „Wachen und Schlafen, das Vorletzte und Letzte“
1. Thess. 5, 1-6, Drittletzer Sonntag des Kirchenjahres
08.11.2020
Samuel Trebesius

„Wir leben im Vorletzten und glauben das Letzte.“ das ist eines meiner Lieblingszitate von Dietrich Bonhoeffer.
Wir leben im Vorletzten. Der vorletzte Ton eines Musikstückes. Die vorletzte Szene in einem Film. Die vorletzte Seite in einem Buch. Wir leben im Vorletzten, im Vorläufigen – diese Welt ist vorläufig, ein Provisorium. Und vor allem: sie ist endlich.
Unser Leben hat ein Ende, damit beschäftigen wir uns nicht gern, häufig verdrängen wir das lieber. Aber spätestens, wenn wir am Grab eines lieben Menschen stehen, kommen wir daran nicht vorbei. Aber nicht nur unser Leben hat ein Ende, auch diese Welt hat ein Ende.
Astronomisch entspricht diese Aussage den aktuellen Theorien: Irgendwann wird die Sonne sich aufblähen und jegliches Leben auf der Erde unmöglich machen. Aber die Bibel lehrt uns noch etwas anderes: Jesus wird wiederkommen, am Ende der Zeit. Er wird alles umkrempeln,
nichts wird bleiben, wie es ist. Die Bibel denn das: „den Tag des Herrn“. Das klingt unwirklich, unglaubwürdig für unsere aufgeklärten Ohren. Aber es ist das klare Zeugnis der Bibel. Und auch in unserem Glaubensbekenntnis sprechen wir das: „Aufgestiegen in den
Himmel … von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten“. Jesus kommt wieder; das wird das Ende dieser Welt sein, das Ende der Zeit, der Tag des Herrn. Die Gemeinde in Thessaloniki hat ganz unmittelbar in dieser Erwartung gelebt. Und darum geht es auch in dem Brief von Paulus an diese Gemeinde.

1.Thess.5,1-6:
1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch
von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Ich möchte an dem Text entlang gehen und ein paar Gedanken weitergeben.
Der Tag des Herrn – wie wird das sein, wenn das Ende anbricht, wenn Jesus wiederkommt? Das war vermutlich eine Frage der Gemeinde. Paulus gibt in seinem Brief Antwort. Zunächst einmal: der Tag des Herrn kommt unerwartet – wie ein Dieb in der Nacht. Soweit so gut. Aber die nächsten Sätze lassen uns stutzen. Verderben, sie werden nicht entrinnen. Wie können wir das verstehen? Das ist ein wahrhaft unbequemes Thema. Aber es ist eine Realität, die an vielen Stellen bezeugt wird: der Tag des Herrn ist für manche kein schönes Ereignis. Das muss man sich noch nicht einmal als Strafe vorstellen. Wer hier nichts mit Gott zu tun haben möchte, wer sich gegen Gott entscheidet, dessen Entscheidung wird ernst genommen. Der wird auch in der zukünftigen Welt ohne Gott sein. Das wird heute von vielen weichgespült – es kommen sowieso alle in den Himmel. In der Bibel sehe ich eine andere Wirklichkeit. Der Tag des Herrn wird für manche kein schönes Ereignis sein.

Und wir? Das ist die logische nächste Frage nach diesen Überlegungen. Wie wird es uns ergehen am Tag des Herrn? Der Text gibt uns eine klare Antwort: 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.
Wir sind Kinder des Tages, Kinder des Lichtes. Das ist die gute Nachricht hier in diesem Bibeltext. Wenn wir zu Jesus gehören, sind wir gerettet. Dann erwarten wir eine Auferstehung, ein Leben ohne Schmerzen, ohne Leiden. Ein Leben in vollkommener Gemeinschaft mit Gott.
Warum? Durch das, was Jesus für uns getan hat. Wir sind Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Was machen wir nun damit? Am Ende unseres Textes lesen wir:
So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern
sein.

Nicht schlafen, sondern wachen. Zunächst einmal ist es ganz wichtig: es geht nicht darum, uns die Rettung zu verdienen. Das wäre völlig falsch verstanden. Wir sind gerettet, durch das was Jesus getan hat. Schlafen / Wachen – das ist vielleicht ein gutes Bild. Wenn wir schlafen, dann sind unsere Augen geschlossen. Dann bekommen wir nicht mit, was um uns herum passiert. Im übertragenen Sinne ist das diese Haltung: das mit Gott interessiert mich nicht, die Kirche hat mir nichts zu sagen, dafür habe ich keine Zeit, andere Sachen sind mir wichtiger, darum kann ich mich auch später noch kümmern, wenn ich alt bin. Dann hat man die Augen geschlossen für die Realität des Glaubens, man bleibt im Vorletzten. Wenn wir wachen, beschäftigen wir uns mit Gott. Wir machen uns Gedanken dazu. Wir setzen uns mit Gott in Beziehung, vielleicht reiben und stören wir uns auch an ihm. Letztlich: wir lassen uns auf Gottes Gnade ein.
Wir wachen dort, wo der Glaube konkret wird und Gestalt gewinnt. Dort, wo wir die Bibel aufschlagen, Gottes Wort ernst nehmen, uns nach Gottes Maßstäben richten. Wo wir in Liebe mit anderen Menschen umgehen, vielleicht gerade mit den schwierigen. Wo wir die Wahrheit sagen, auch wenn es Nachteile für uns bringt. Wo wir etwas von unserem Geld abgeben an Menschen, denen es nicht so gut geht. Wo wir den Kontakt und die Nähe zu Gott pflegen.
„Wir leben im Vorletzten und glauben das Letzte.“
Der letzte Akkord eines Musikstückes. Die letzte Szene in einem Film. Die letzte Seite ineinem Buch.
Wir glauben an das Letztgültige, das was Bestand hat, das was trägt, das was ohne Ende ist. Dafür lasst uns wachen, dafür lasst uns empfänglich sein, dafür lasst uns die Augen offenhalten.
AMEN

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