Vorgemerkt

Aufgrund der aktuellen Situation steht das hier Angekündigte unter Vorbehalt. Über unsere Homepage und die Tagespresse werden wir zeitnah informieren, wenn es Veränderungen gibt.


Sommerkirche ab dem 25.Juli:
Gemeinsam mit der Kirchengemeinde Wesendorf wollen wir uns an fünf Sonntagen mit dem Thema „Schöpfung“ beschäftigen und Gottesdienste zu den ersten sechs Schöpfungstagen feiern. Die fünf Gottesdienste finden abwechselnd in Wahrenholz und Wesendorfjeweils um 10 Uhr in den Kirchen statt. Mehr auf Seite 19 im aktuellen Gemeindebrief.


Mal-Werkstatt in den Sommerferien:
Ab dem 17. August heißt es wieder: Malen wie die großen Künstler! Mit Diakonin Susan Heydecke können ganz verschiedene Techniken und Materialien ausprobiert werden.
Mehr auf Seite 25 im aktuellen Gemeindebrief.

Gottesdienst am Sonntag, den 02.05.2021

Musik zum Eingang
 
Begrüßung

Gemeinde-Lied: Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
1 Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,
du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.
2 Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst,
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
3 Ich sing dir mein Lied, in Ihm klingt mein Leben.
Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben
von Nähe, die heil macht – wir können dich finden,
du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
4 Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben.
Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung,
du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
5 Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Lesung Psalm 98

Singt dem Herrn ein neues Lied,
denn Wunder hat er getan!
Geholfen haben ihm seine starke Hand
und sein heiliger Arm.
2Der Herr hat seine Hilfe bekannt gemacht.
Vor den Augen der Völker hat er offenbart,
dass seine Gerechtigkeit allen Menschen gilt.
3Er dachte an seine Güte und Treue,
die er dem Haus Israel erwiesen hat.
Menschen aus der ganzen Welt haben gesehen,
wie unser Gott geholfen hat.
4Heißt den Herrn willkommen, alle Länder!
Brecht in Jubel aus, seid fröhlich und musiziert!
5Musiziert für den Herrn mit der Leier,
mit der Leier und vollem Saitenklang!
6Mit dem Schall von Trompeten und Widderhörnern
heißt den Herrn als König willkommen!
7Das Meer soll brausen und alles, was in ihm lebt!
Der Erdkreis soll jubeln und alle seine Bewohner!
8Die Flüsse sollen in die Hände klatschen,
und die Berge sollen im Chor jubeln –
9vor dem Angesicht des Herrn.
Denn er kommt, um Gericht zu halten auf der Erde.
Über den Erdkreis wird er ein gerechtes Urteil fällen
und die Völker nach Recht und Ordnung richten.

Eingangsgebet

LESUNG LUKAS 19, 37 – 40
So kam Jesus zu der Stelle, wo der Weg vom Ölberg nach Jerusalem hinabführt. Da brach die ganze Schar der Jüngerinnen und Jüngerin lauten Jubel aus. Sie lobten Gott für all die Wunder,die sie miterlebt hatten.
Sie riefen: »Gesegnet ist der König, der im Namen des Herrn kommt! Friede herrscht im Himmel und Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe!«
Es waren auch einige Pharisäer unter der Volksmenge. Die riefen ihm zu: »Lehrer, bring doch deine Jünger zur Vernunft!« Jesus antwortete ihnen: »Das sage ich euch: Wenn sie schweigen, dann werden die Steine schreien!«

Lied: als Bekenntnis unseres Glaubens: Wir haben Gottes Spuren festgestellt

1. Wir haben Gottes Spuren festgestellt
auf unsern Menschenstraßen,
Liebe und Wärme in der kalten Welt,
Hoffnung, die wir fast vergaßen.
Zeichen und Wunder sahen wir geschehn
in längst vergangnen Tagen,
Gott wird auch unsre Wege gehn,
uns durch das Leben tragen.
2. Blühende Bäume haben wir gesehn,
wo niemand sie vermutet,
Sklaven, die durch das Wasser gehn,
das die Herren überflutet.
Zeichen und Wunder sahen wir geschehn
in längst vergangnen Tagen,
Gott wird auch unsre Wege gehn,
uns durch das Leben tragen.
3. Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz,
hörten wie Stumme sprachen,
durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz,
Strahlen die die Nacht durchbrachen.
Zeichen und Wunder sahen wir geschehn
in längst vergangnen Tagen,
Gott wird auch unsre Wege gehn,
uns durch das Leben tragen.

BIBLISCHER IMPULS ZUM SONNTAG KANTATE
Wochenlied.
Sie finden es im Gesangbuch unter der Nummer 302:
„Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.
Dem, welche alle Dinge, zu Dienst und willen stehn.
Ich will den Herren droben, hier preisen auf der Erd.
Ich will ihn herzlich loben, so lang ich leben werd.“
Das Lied beginnt mit einer so großartig aufsteigenden Melodie,
dass man das Lob schon aus den Noten hören kann.
Aber es ist kein einfacher Dreiklang.
Es ist eine schöne Melodie, aber keine einfache.
Und keine eingängige.
Man muss sie ein paar Mal gehört haben, geübt haben, wenn man mitsingen will.
Ich glaube, so ist das nicht nur mit dem Singen, sondern auch mit dem Loben:
Man muss es üben.
Man kann es üben, wenn es einem gut geht.
Man kann loben und singen üben, wenn einem danach ist.
Und dann, wenn man es geübt hat, eingeübt hat,
dann kann auch loben und singen, wenn einem überhaupt nicht danach ist.
Wenn die Welt dunkel wird, oder einsam, oder traurig.
Wenn man dann eine Melodie hat, dann hilft das. Mir jedenfalls.
Beim Singen kann ich den Mund ruhig auch einmal ein wenig zu voll nehmen
und gegen alles das ansingen, was mich bedrückt,
was mich beschäftigt, was mich quält.
Ja, vielleicht kostet es Kraft, den Mund aufzumachen, wenn mir eigentlich gar nicht danach ist.
Aber viel mehr noch gibt es mir Kraft.
Gott loben, auch dann, wenn ich gerade gar nichts zu loben finde –
das ist wie Singen in der Einsamkeit, oder in der Dunkelheit.
Von außen sieht das merkwürdig aus und hört sich vielleicht auch merkwürdig an.
Aber es hilft.
Und nein, es kommt dabei nicht darauf an,
die richtigen Noten im richtigen Rhythmus zu treffen.
Es kommt nicht darauf an, gewählt gesetzte Worte zum Lob Gottes zu finden.
Singen und Loben kommt aus dem Glauben –
und den haben musikalische und unmusikalische, wortgewaltige und wortkarge Menschen gleichermaßen.
Notfalls singen sogar die Steine zum Lob Gottes, sagt der Predigttext.
Wenn die das können, dann können wir das auch.
Selbst mit Corona-Maske vor Mund und Nase.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gemeindelied EG 302, Du meine Seele singe (Psalm 146)

1 Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.
2 Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.
3 Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht: der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch unzähl’ge Herde im großen wilden Meer.
8 Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ist’s billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.

Mitteilungen / Fürbitten / Vater unser
Segen
Musik zum Beschluss

Gottesdienst am Sonntag, den 25.04.2021

Betrachtung zum Sonntag Jubilate, 25. April 2021

Leitvers:
Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens, rühmet ihn herrlich! (Psalm 66,1-2)
Der Sonntag Jubilate
hat seinen Namen von diesem Psalm-Leitvers: Jauchzet (lateinisch: jubilate) Gott, alle Lande! An diesem Sonntag wird die Neuschöpfung durch die Auferstehung in Beziehung gesetzt zu Gottes Schöpfungs-werk am Anfang der Welt. Wie der Wochenspruch sagt: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Krea-tur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2 Korinther 5,17)
Lieder:
Die ganze Welt, Herr Jesus Christ (EG 110)
Gott gab uns Atem (EG 432)
Epistel: Paulus auf dem Areopag in Athen (Apostelgeschichte 17,22-34)
Paulus stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr un-wissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschen-händen dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.
Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiter hören. So ging Paulus von ihnen. Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.
Und tschüs!
In einer Szene der Asterix-Comics werden Asterix und Obelix von ihrem Dorf zu neuen Abenteuern verabschiedet; der Barde Troubadix, dessen Gesang alle unbeschreiblich grässlich finden, kommt dazu und will ihnen ein Abschiedslied singen. Da haben sie es alle ganz eilig: „Ich habe keine Zeit“; „mein Wildschwein brennt an“ – und tschüs. Der Barde allein bleibt grummelnd auf dem Platz zurück.
„Ihr verehrt den unbekannten Gott – ich weiß, wer er ist und was er will!“ So versucht Paulus den Athe-nern das Evangelium Jesu Christi schmackhaft zu machen. Er weiß, dass die Athener „nichts anderes im Sinn hatten, als etwas Neues zu sagen oder zu hören“, wie es etwas vorher heißt. So lassen sie ihn erstmal reden, wie ich bisweilen, wenn ich Lust und Laune habe, mal Straßenpredigern zuhöre, die den nahe bevorstehenden Weltuntergang, das Strafgericht Gottes über diese sündige Welt und dergleichen verkün-digen. Die Zuhörer lassen Paulus vieles gutwillig hingehen, auch die Bissigkeiten gegen ihre Götterbilder und das alles; so aufregend anstößig war das für aufgeklärte Großstädter nicht. Es kostete sie nichts, ihm darin zu folgen. Nur bei der Auferstehung, der Pointe und dem Herzstück, um das es Paulus geht, klinken
sie sich aus. Da hätten sie nämlich Farbe bekennen, sich entscheiden müssen. Das wollten sie nicht, bis auf ganz Wenige. Schluss mit lustig: „Netter Versuch. Ein andermal – vielleicht.“ Und tschüs.
Also, auch schon Paulus hat sich an der religiösen Indifferenz seiner Zeit nur mit geringem Erfolg abge-arbeitet. Darauf, dass „da oben noch irgendwas ist“, dass man die Gebote im Zwischenmenschlichen beachten soll – darüber können wir uns mit den meisten Zeitgenossen rasch verständigen. Das verpflich-tet ja auch zu nichts. Aber bringen wir den Kern des Ganzen zur Sprache, dass das vermutete Irgendwas da oben in Wirklichkeit der Vater Jesu Christi ist und die Gebote unter der Prämisse stehen: „Ich bin dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“; dass die Auferstehung Christi Ausgangs-punkt unseres Glaubens ist – dann ist fix Schluss mit lustig, und das Beharren darauf kann uns den Vorwurf der Intoleranz eintragen. Von wegen: „Jauchzet Gott, alle Lande“!
Da weiß man immerhin eines: Hier noch weiter nachzufassen wäre vergebliche Liebesmühe. Es ist tröst-lich zu sehen, dass es selbst dem Apostel Paulus nicht anders ging – und er es gehen ließ. So schmerzlich es ist, wenn die Auferstehungsbotschaft den Zeitgenossen ähnlich misstönend im Ohr klingt wie den Galliern der Gesang ihres Barden – so entlastend ist es auch, dass es nicht in unserer Macht steht, etwas daran zu ändern, sondern in der Macht Gottes. Noch pointierter als im Wochenspruch heißt es in Of-fenbarung 21,5 aus Gottes Munde: „Siehe, ich mache alles neu!“ Gott macht das, nicht wir.
Das denke ich auch, wenn wir mit Konfirmanden über die Auferstehung sprechen. Da finden dann man-che die Vorstellung einer Wiedergeburt ansprechender oder anderes, was nicht unserem Glauben ent-spricht. Nun kann man im Konfirmandenunterricht nicht wie auf dem Areopag oder in der Fußgänger-zone das Gespräch mit einem „und tschüs“ ins Leere laufen lassen. Zum Glück! Doch Zustimmung zum Auferstehungsglauben lässt sich nicht erzwingen – auch zum Glück! Was wir aber klarstellen: Hier ruft uns unser Glaube in eine Entscheidung. Gewiss, man kann diese Dinge gepflegt auf sich beruhen lassen – nur wäre das wie bei einem gleichgültig gewordenen Paar, das schiedlich-friedlich nebeneinander her-lebt. Doch um was bringen wir uns, wenn wir so neben Gott herleben!
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur“ – das hat nicht erst ein Jenseits nach dem Tode im Blick, sondern ist ins Hier und Jetzt gerufen. Jesus ist den Jüngern und Paulus nicht erschienen, um sie aufs Jenseits zu vertrösten, sondern weil er in diesem Leben, in mit und unter allen Lebenslagen mit seinem Trost und seiner Stärkung gegenwärtig sein will. Darum geht es bei der Auferstehung. Darum brächten wir uns, wenn wir den Glauben daran aus unserem Leben ausklammerten. Wie schade wäre das!
Das führt jetzt nicht auf eine scharfe Entscheidungsforderung. Wer mit der Vorstellung der Auferstehung Mühe hat, wird durch solche Erwägungen wohl kaum davon abkommen. Das ist auch eine Frage innerer Redlichkeit. Den Glauben wirkt immer noch Gott. Aber wir können im Kontakt mit seiner Verheißung bleiben, nicht einfach „und tschüs“ sagen und weggehen; eher in der vorsichtigen Haltung, es könne womöglich doch etwas daran sein. Die antiken Juden nannten solche vorsichtig Nahestehenden „Proselyten“, Hinzukommende. Luther übersetzte das mit „Gottes-fürchtige“; das ist doch mal eine wertschätzende und ein-ladende Formulierung! Sie ist getragen von der Hoff-nung, dass Gott nicht allein in unseren engeren Kreisen, sondern in allen Landen Neues werden lässt – und in un-serem Leben. Gott bleibt da und geht nicht weg.
Und tschüs? Nein, sondern:
Seien Sie herzlich gegrüßt, im Namen des Herrn! Ihr Pastor Dr. Hans-Günther Waubke

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Gottesdienst am Sonntag, den 18.04.2021

Wahrenholz Miserikordias Domini
18. April 2021

Willkommen
Die Erde ist voll der Güte des Herrn – Miserikordias Domini – so lautet der Lobpreis, der diesem Sonntag seinen Namen und sein besonderes Gepräge gibt.Die Güte wird durch das Bild vom Guten Hirten gefüllt. Unser Wochenspruch: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Joh 10, 11a.27-28a)
Wo auch immer Sie jetzt sind, wir Christen versammeln uns als eine Gemeinschaft des Geistes in seinem Namen.
Gott ist uns Vater und Mutter: Grund allen Lebens.
Jesus, der gute Hirte unseres Lebens: Quell unserer Hoffnung.
Heiliger Geist: Wahrheit, kraftvoll, mächtig, befreiend.
Unser Anfang und unsere Hilfe
stehen im Namen des, der Himmel und Erde gemacht
hat, der Wort und Treue hält ewiglich und der niemals
preisgibt ein Werk seiner Hände. Amen

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte.
Mir fehlt es an nichts.
Die Weiden sind saftig grün.
Hier lässt er mich ruhig lagern.
Er leitet mich zu kühlen Wasserstellen.
Dort erfrischt er meine Seele.
Er führt mich gerecht durchs Leben.
Dafür steht er mit seinem Namen ein.
Und muss ich durch ein finsteres Tal,
fürchte ich keine Gefahr.
Denn du bist an meiner Seite!
Dein Stock und dein Stab
schützen und trösten mich.
Du deckst für mich einen Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haar mit duftendem Öl
und füllst mir den Becher bis zum Rand.
Nichts als Liebe und Güte begleiten mich
alle Tage meines Lebens.
Mein Platz ist im Haus des HERRN.
Dorthin werde ich zurückkehren –
mein ganzes Leben lang!

Eingangsgebet

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Siehst du den Glauben?
Siehst du die Hoffnung?
Unsere Mitmenschen hier am Ort und in der Ferne.
Unsere Gemeinde, deine Kirche.
Dir vertrauen wir,
denn du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Tröstest du uns in diesen schweren Tagen?
Bereite uns den Tisch und bleib bei uns.
Erbarme dich,
heute und alle Tage.
Amen.

Lesung Hesekiel/Ezechiel 34 (Auswahl)

Wieder empfing ich eine Botschaft vom HERRN. Er forderte mich auf: »Du Mensch, richte den führenden Männern von Israel diese Worte aus! So spricht Gott, der HERR: Wehe euch, ihr Führer Israels! Ihr solltet für mein Volk wie Hirten sein, die ihre Herde auf eine gute Weide führen. Aber ihr sorgt nur für euch selbst.
Ihr bekommt es mit mir zu tun! Ich ziehe euch zur Rechenschaft für alles, was ihr meinen Schafen angetan habt. Ihr sollt nicht länger ihre Hirten sein. Ich lasse nicht mehr zu, dass ihr nur für euch selbst sorgt; ich rette die Schafe aus euren Klauen, damit ihr sie nicht mehr auffressen könnt!«…
Denn so spricht Gott, der HERR: »Von nun an will ich mich selbst um meine Schafe kümmern und für sie sorgen. Wie ein Hirte seine Herde zusammenbringt, die sich in alle Richtungen zerstreut hat, so werde auch ich meine Schafe wieder sammeln. Ich rette sie aus all den Orten, wohin sie an jenem dunklen, schrecklichen Tag vertrieben wurden. Aus fremden Völkern und Ländern führe ich sie heraus und bringe sie wieder in ihr Land. Dort lasse ich sie weiden, in den Bergen, an den Flüssen und in den Tälern. Ja, ich gebe ihnen gute und saftige Weideplätze auf Israels hohen Bergen, wo sie sich lagern und satt fressen können. Ich selbst werde ihr Hirte sein und dafür sorgen, dass sie in Ruhe und Sicherheit leben können. Das verspreche ich, Gott, der HERR. Ich suche die verloren gegangenen Schafe und bringe alle zurück, die sich von der Herde entfernt haben. Wenn sich eines der Tiere ein Bein gebrochen hat, will ich es verbinden, und den kranken helfe ich wieder auf. Die fetten und starken Tiere aber lasse ich nicht aus den Augen! Denn ich bin ein Hirte, der gut und gerecht mit seinen Schafen umgeht…
Ja, ihr seid meine Herde, und ich bin der HERR, euer Gott; ich führe euch auf gute Weide. Darauf könnt ihr euch verlassen!«

Musikmeditation zu EG 274

1 Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute. Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.
2 Zum reinen Wasser er mich weist, das mich erquickt so gute, das ist sein werter Heilger Geist, der mich macht wohlgemute; er führet mich auf rechter Straß in seim Gebot ohn Unterlass um seines Namens willen.
3 Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke: denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich, auf dein Wort ich mich lasse.
4 Du b’reitest vor mir einen Tisch vor mein‘ Feind‘ allenthalben, machst mein Herz unverzaget frisch; mein Haupt tust du mir salben mit deinem Geist, der Freuden Öl, und schenkest voll ein meiner Seel deiner geistlichen Freuden.
5 Gutes und viel Barmherzigkeit folgen mir nach im Leben, und ich werd bleiben allezeit im Haus des Herren eben auf Erd in der christlichen G’mein, und nach dem Tode werd ich sein bei Christus, meinem Herren.

Biblische Rede zu Hesekiel/Ezechiel 34

Liebe Mitmenschen, liebe Gemeinde Jesu Christi in Wahrenholz!
So frühlingshaft es bei uns dankenswerterweise zugeht und auch die Impfquote endlich zunimmt, die Wirklichkeit für die Mehrheit der Menschen sieht nach wie vor anders aus. Leider können wir auch diesen Gottesdienst nicht gemeinsam als Präsenzgottesdienst feiern.
Schonungslos offen und ungeschminkt benennt auch der biblische Text zum heutigen Sonntag die Wirklichkeit. Sie werden zugleich aber entdecken, dass er zugleich auch eine ermutigende Alternative anbietet: eine Alternative in bedrohlicher Lage.
Kommt uns das alles nicht bekannt vor?:
Korrupte Eliten im großen wie im Kleinen wie im Großen, skrupellose Führungskräfte in Religionen und Gesellschaften, in Politik und Wirtschaft, in Kirche und Staat!
An Hirten, die nur sich selbst weiden, die nur ihr „Schäfchen ins Trockene“ bringen wollen, ihren eigenen Kopf zu retten versuchen, mangelt es nicht. Machtpolitische Hirten, die auf ihre eigene Herde schießen lassen! Wirtschaftsbosse und Banker, die sich trotz Firmen- und Bankenpleiten Millionen Boni auszahlen lassen! Spitzenpolitiker, die Entscheidungen gegen das Gemeinwohl ihres Volkes alternativlos nennen, mit sogenannten Sachzwängen begründen!
Verantwortungslose Hirten – Gott sei’s geklagt! – auch in kirchlichen Gremien, denen Strukturmaßnahmen und ihr Haushalt, die Finanzen, augenscheinlich wichtiger sind als Gottesdienst, Predigt und Seelsorge!
Ganz zu schweigen von den vielen kleinen Hirten in den Schulen, Gemeinden und Familien! Wohin wir auch sehen – nicht zuletzt auch auf uns selbst: Wer denkt denn nicht zuerst an sich selbst und an das eigene Fortkommen? Viele fragen sich: Was soll denn daran so schlecht sein?
Allem Anschein nach hat sich in der Menschheitsgeschichte seit mehr als 2.500 Jahren, seit dem Wort des Propheten Hesekiel nichts geändert. Nichts Neues unter der Sonne. Damals im 6. Jahrhundert vor Christus: Israel in der babylonischen Gefangenschaft.

„By the rivers of Babylon, there we sat down
Yeah, we wept, when we remembered Zion.

Die kläglichen Überreste eines Volkes an den Strömen Babylons, im heutigen Irak, am Nullpunkt seiner Geschichte, hoffnungslos sein Dasein fristend.
Heute, so nicht viel anders die globalisierte Menschheit: allem Anschein nach ohne eine überzeugende Perspektive, eher noch in einer weit stärker bedrohlichen Lage, nicht nur der Pandemien wegen, die uns bereits heimsuchten und die uns weiterhin heimsuchen werden. Nicht nur, wenn wir an den verantwortungslosen Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels denken!
In dieser Situation nicht zu resignieren, sich nicht mit dem Status quo abzufinden, sich nicht fatalistisch, schicksalsergeben fallen zu lassen und aufzugeben, das wird zum entscheidenden Impuls eines Propheten. Nicht bloß eine Analyse, schonungslos, wie wir lesen, sondern zugleich mit einer kühnen Alternative versehen: Gott – nicht irgendein Gott, sondern der aus Unterdrückung und Gefangenschaften befreiende und herausführende Gott – dieser Gott werde selbst Hirte sein und das tun, was ein verantwortungsbewusster Hirte tut: Er wird seine Herde weiden und nicht ausweiden.
Soweit wir im Rückblick erkennen können, hatte der Prophet mit dieser Ansage Erfolg. Sogar ohne detaillierte Ausführungsbestimmungen.
Allein schon der Aufruf zum Gottvertrauen kann offenbar ausreichen, nicht nur weiterzuleben, sondern beherzt daran zu gehen, ein Leben zu gestalten, das sich zu leben lohnt, allen Widrigkeiten und eigennützigen Mächten zum Trotz.
Wie die Geschichte weitergehen würde, darüber machte sich der Prophet keine weiteren Gedanken. Ihm genügte, dass Gottes Geschichte einer Befreiung – nicht nur mit Israel – weitergehen würde, sondern mit der Menschheitsgeschichte insgesamt.
Wir kommen von Karfreitag und Ostern her. Vergangenen Sonntag haben wir erstmals online Gottesdienst gefeiert, haben es gehört und besungen, dass der Hirte, sich zum Lamm macht, seinen Kopf hinhält und nicht die Köpfe anderer.
Anders gesagt: Spätestens seit dem Auftreten des Nazareners und seiner Art und Weise, wie er mit denen, die sich ihm anvertrauen, umgeht, lässt sich erkennen, was die Barmherzigkeit Gottes, sein beherztes Dasein für uns Menschen, bewirkt und ausrichtet in dieser Zeit und mit einer Menschheit auf sehr dünner Erdenhaut.
Wie er mit Kindern umgeht und mit Frauen, die zu seiner Zeit Sache und Ware waren, für ihn aber Menschen, mit Kranken und Verfemten, mit Aussätzigen, die für ihn Menschen waren wie du und ich, mit den marginalisierten, mit den an den Rand der Gesellschaft gedrängten und ausgegrenzten, mit denen, die keine Lobby hatten, für die sich niemand interessierte. Seine berühmt gewordenen Tischgemeinschaften schlossen niemand aus, und der gleichfalls berühmte Einzug in Jerusalem fand nicht auf einem Schlachtross statt, nicht in einem Papamobil – sondern auf einem Esel!
Denken wir nur an sein letztes Beisammensein mit seinen so menschlich allzu menschlichen Getreuen vor seinem Sterben auf Golgatha: wie er ihnen die Füße wusch und nicht die Köpfe; keine Gehirnwäsche, sondern sich demütigte, mit den Gedemütigten sich solidarisierte: der Hirte, der sich gleich einem Lamm zur Schlachtbank hat führen lassen.
Das nenne ich beherztes Auf- und Eintreten für alle, die unter die Räder geraten und verloren, abgeschrieben waren und immer noch sind. Da greift einer in die Speichen einer rücksichtslosen Gesellschaft, da fällt einer den Gewalttätern in die Arme voller Vertrauen auf Gott, den Befreier, den er seinen Vater nennt.
Dass wir uns nun nicht missverstehen! Es geht nicht um Rezepte, eher um Konzepte, nicht um eine von oben nach unten ergehende autoritäre und totalitäre Anweisung, sondern um einen Gegenentwurf zur bisherigen Gesellschaftsordnung: ein miteinander ausgehandelter Verhaltenskodex nach der berühmten „Goldenen Regel“: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Interessant ist auch hier das Detail in der Jesus-Variante: „Alles nun, was ihr wollt, das die Menschen euch tun, ebenso sollt auch ihr ihnen tun, denn dies ist das Gesetz und die Propheten“ (Mt 7,12, Lk 6,31).
Vorgesetztes, Vorgefertigtes, das alles kennen wir. Worauf es wirklich ankommt, ist unser Herz: Bei aller eigenen Fragwürdigkeit eben zugleich offen und geistesgegenwärtig da zu sein zugunsten unserer Mitmenschen mit unserem Denken, Reden und Tun. Und das in der Gewissheit, dass Gott der Befreier, selbst Hirte sein will, bei dem nichts und niemand verloren geht.

EG 358 Es kennt der Herr die Seinen

1 Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land; er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein, im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.
2 Er kennet seine Scharen am Glauben, der nicht schaut und doch dem Unsichtbaren, als säh er ihn, vertraut; der aus dem Wort gezeuget und durch das Wort sich nährt und vor dem Wort sich beuget und mit dem Wort sich wehrt.
3 Er kennt sie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut, die fröhlich auf dem einen, dass er der Herr ist, ruht, in seiner Wahrheit Glanze sich sonnet frei und kühn, die wunderbare Pflanze, die immerdar ist grün.
4 Er kennt sie an der Liebe, die seiner Liebe Frucht und die mit lauterm Triebe ihm zu gefallen sucht, die andern so begegnet, wie er das Herz bewegt, die segnet, wie er segnet, und trägt, wie er sie trägt.
5 So kennt der Herr die Seinen, wie er sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land am Werk der Gnadentriebe durch seines Geistes Stärk, an Glauben, Hoffnung, Liebe als seiner Gnade Werk.
6 So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei; lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei! Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn, so lass uns als die Deinen zu deiner Rechten stehn.

Fürbitten

Barmherziger Gott, betroffen erkennen
wir, wieviel Liebe, Sorgfalt und Hilfe wir
unterlassen.
Nun folgen wir in unserem Beten dir zu
denen, die du liebst, zu unseren Freunden und zu den Fremden,
zu den Strahlenden und zu den Traurigen, Belasteten;
zu den Großen und Umworbenen und zu
den Kleinen, Ausgenutzten;
zu den Jungen und Zukunftsreichen und
zu den Alten, den Einsamen und Stillen,
zu denen, die dem Tod entgegengehen.
Zu ihnen allen folgen wir dir in unserm
Beten.
Du willst, dass ihnen geholfen werde. So
stärke unsere trägen Hände, dass sie
helfen und heilen und segnen. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Segen

Gott, aus dessen großen Segen du
kommst, der dein Vater ist und deine
Mutter, segne dich, lasse dich gedeihen
und wachsen an Leib und Seele, behüte
dich vor Angst und Gefahr und allem Argen,
lasse sein Angesicht leuchten über
dir wie die Sonne über der Erde und sei
dir gnädig, vergebe dir deine Schuld und
mache dich frei.
Gott wende sich dir zu und tröste dich.
Gott gebe dir Frieden, das Wohl des Leibes und das Heil der Seele.
So will es Gott.
So gilt es in der Zeit und Ewigkeit. So gilt
es für Dich. Amen.

Herzlich grüßt Sie Ihr Gastpastor Hans-Peter Hellmanzik aus Bad Bevensen

In stillem Gedenken

FÜR ALLE VON DER PANDEMIE BETROFFENEN UND FÜR UNS ALLE LASST UNS BETEN:

Wir bringen alles vor dich, Gott, was uns umtreibt, wenn wir an die Corona-Pandemie denken: unseren Schmerz, unsere Unruhe und Angst, auch unsere Ohnmacht.
Oft waren und sind wir traurig, haben geweint. Wir spüren Ratlosigkeit, fühlen, dass wir nicht mehr weiterkönnen. Schwere Erfahrungen liegen hinter uns. Manchmal konnten wir uns nicht einmal von den liebsten Menschen verabschieden.
Du hast versprochen, uns nicht fallen zu lassen – aber uns wankt der Boden unter den Füßen. Stärke uns, die Last dieser Zeit auszuhalten. Gib uns Kraft, die uns lebendig hält. Wir brauchen sie jetzt!

Wir denken an die Menschen, die im letzten Jahr von uns gegangen sind und legen sie dir liebend ans Herz.

Bei dir sind ihre Namen längst in den Himmel geschrieben. Sie werden auch dort weiterleben und leuchten wie die Sterne. Es ist und bleibt unsere Hoffnung: Kein Leid mehr, keine Tränen, kein Schmerz mehr bei dir!
Wir bitten dich auch für ihre Familien und Freunde. Lass sie spüren, wie sehr du sie gerade jetzt trägst und stützt. Du warst in der Fülle ihnen nahe, so teilst du nun auch ihre Leere! Lass sie jetzt nicht untergehen in ihrem Schmerz. Lass sie spüren, dass du da bist: im Schweigen genauso wie in der liebevollen Geste, im behutsamen Wort genauso wie in helfenden Händen.

Gesungen oder gesprochen (in Anlehnung an EG 382):

Wir steh‘n vor dir mit leeren Händen, Herr.
Fremd wie dein Name sind uns deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach dir.
Dein Los ist Tod – hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der Zukunft uns verheißt?
Wir möchten glauben, komm du uns entgegen!

Wir bitten dich für die Erkrankten. Durchströme sie mit deiner Kraft. Nimm ihre Angst, stärke ihre Zuversicht. Gib, was jetzt heilsam wirkt für sie.
Für die Pflegerinnen und Pfleger, für Ärztinnen und Ärzte bitten wir dich. Hilf ihnen, auszuhalten und zu ertragen, was sie zurzeit an Druck und besonderer Belastung erleben. Bewahre ihre Seelen vor Schaden. Mach sie mutig und hoffnungsvoll für ihr Leben und ihren Dienst.
Für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger, Therapeutinnen und Therapeuten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bitten wir dich, Gott: Stärke sie. Lass sie nicht allein!
Für alle, die politische Verantwortung tragen, für die Wissenschaftler und Forscherinnen. Die Situation ist so undurchsichtig und schwer zu bewältigen. Gib Weisheit und Mut in den Entscheidungen.

Gesungen oder gesprochen (in Anlehnung an EG 382):

Wir steh‘n vor dir mit leeren Händen, Herr.
Fremd wie dein Name sind uns deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach dir.
Dein Los ist Tod – hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der Zukunft uns verheißt?
Wir möchten glauben, komm du uns entgegen!

Gott, lass uns Ruhe finden in dir. Mitten in diesem Auf und Ab der Gefühle, in allen schwierigen Entscheidungen und der kaum planbaren Zukunft, aber auch inmitten unserer Einsamkeit, lass uns deine Stimme hören, die Stimme des guten Hirten, der sagt:
Ich führe dich auch durch dunkle Täler. Ich decke dir den Tisch und schenke dir voll ein.
Du darfst bleiben in meinem Haus immerdar.
So voller Vertrauen auf diese Zusage beten wir auch gemeinsam zur dir das Vaterunser:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Gottesdienst am Sonntag, den 11.04.2021

Liebe Gemeinde,

heute dürfen Sie zum ersten Mal einen Gottesdienst im Videoformat erleben.  Weiterhin finden Sie den biblischen Impuls hier zum Nachlesen, als Download und wie sonst auch als Ausdruck zum Mitnehmen an den bekannten Stellen.

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Ein herzlicher Gruß zum
Sonntag der neugeborenen Kinder „Quasimodogeniti“.
Der Sonntag trägt diesen lateinischen Namen, weil er durch einen Vers aus dem 1. Petrusbrief 2,2 geprägt ist:
„Wie neugeborene Kinder nach Milch schreien,
sollt ihr nach der unverfälschten Nahrung
von Gottes Wort verlangen.
Durch sie wachst ihr im Glauben heran,
sodass ihr gerettet werdet.“

In diesen Tagen der Pandemie erleben wir deutlicher als je zuvor, wie sehr wir unverfälschte Nahrung benötigen. Nahrung die uns kräftigt, uns zuversichtlich auf die kommende Zeit blicken lässt: auf den Weg, den wir noch vor uns haben. Einige von uns sind bereits geimpft und fühlen sich vielleicht sogar schon wie die neugeborenen Kinder. Voller Elan und Zuversicht im Hinblick auf ein Ende der Pandemie.
Wir ahnen, dass es bald vorüber sein wird: die Abstände zwischen uns, die Masken. Bald werden wir gewiss wieder gemeinsam singen können.

Du Quelle des Lebens:
Wie sich die Blume
der Sonne öffnen,
so möchten wir blühen unter deiner Liebe. 

BIBLISCHER IMPULS 

Zukunftsmut, liebe Christen-Gemeinde,
brauchen wir so nötig wie das tägliche Brot. In diesen Zeiten mehr denn je. Wenn uns dieser Mut fehlt, spüren wir das sehr deutlich am Blues, der uns dann überkommt. Die Medizin spricht von Corona-Fatigue. Das heißt, wir funktionieren zwar weiterhin mehr schlecht als recht, kommen unseren tagtäglichen Verpflichtungen nach, und sei es aus dem Homeoffice, vertreiben uns zuweilen die Zeit, aber das alles, um bloß nicht nachdenken zu müssen oder gar ins Grübeln zu kommen. Coronamüdigkeit allenthalben. Leben, wirklich leben sieht anders aus. Corona hat unsere Lebensader verletzt. 

Was tun? Zukunftsmut kann man uns selbst das KaDeWe nicht verkaufen. Auch das „Positive Denken“ von Norman Vincent Peale wird es nicht herbeizwingen oder herbeizaubern. 
Da braucht es, was wir als Kinder so geliebt haben: Geschichten, Hoffnungsgeschichten- Ostergeschichten, Wachküssgeschichten. An ihnen kann sich unser Zukunftsmut neu entzünden. Ich schlage vor, wir lassen uns gemeinsam auf eine der schönsten Osterschichten ein, die die Bibel für uns bereithält. Und wir begeben uns auf einen Weg nach innen. Keine Sorge, wir werden auch Pausen einlegen. Und zwar an sieben Stationen halten wir inne.

Station 1: 
„In dieser Nacht fingen sie nichts“

Die Jünger fahren nachts wie gewohnt zum Fischen hinaus. Das ist ihr Alltag, darin sind sie Profis. Doch in dieser Nacht hat sie das Glück verlassen. Kein einziger Fisch zappelt im Netz. Alle Mühe umsonst! Das sind bittere Momente im Leben. Wenn man die Vergeblichkeit so hautnah erfährt. Wie schnell schwindet da der Zukunftsmut. 
Was fällt Ihnen dazu ein? Lassen Sie sich Zeit …

Die vielen vergeblichen Nächte, die vielen vergeblichen Tage! Vergebliche Lebenszeit. Gut, wenn wir es uns selber eingestehen und auch einander eingestehen. Dann gehen wir barmherziger miteinander um. 

Station 2: 
„Da es aber jetzt Morgen war, stand Jesus am Ufer“

Die Jünger meinten, sie seien allein, als sie mit dem Schiff hinausfuhren, sie seien allein, als sie die Netze leer aus dem Wasser zogen, sie seien allein, als sie bitter enttäuscht heimkehrten – aber der Schein trügt. In Wirklichkeit hatte er, der auferstandene Christus, alles vor Augen und war immer dabei. Er stand am Ufer. Er war ihnen viel näher als sie ahnten, als sie wussten. 

Mag sein, dass manch einer unter uns angefochten ist durch Erfahrungen der Vergeblichkeit. Mag sein, dass einer auch denkt: das Schlimmste dabei ist, dass ich allein bin, mutterseelenallein. – Aber jene Ostergeschichte vom See sagt ihm, sagt ihr: Ich weiß es anders. Er steht auch bei dir am Ufer, wenn du zurückkehrst mit leeren Händen und trostlosem Herzen – und empfängt dich. Auch deine erfolglose Nacht, die sich so endlos dahin zieht, ist vor seinen Augen. 
Eine Nacht, von der man das weiß, ist anders, ein Tag, von dem man ahnt, dort steht er am Ufer, ist anders. Und auch die letzte Nacht, die ein jeder noch vor sich hat und durchschreiten muss, die Nacht des Todes, ist anders, wenn einer weiß: Wenn es Morgen ist, steht Jesus am Ufer. 

Station 3: 
„Kinder, habt ihr nichts zu essen?“

Liebevoll, aber auch entwaffnend direkt spricht sie der Fremde vom Ufer aus an. Habt ihr etwas, das euch nährt? Habt ihr eine Hoffnung, die Enttäuschungen standhält? „Kinder“ nennt er sie. Erwachsene Männer werden zu Kindern. Die Jünger spüren: In der Nähe dieses Unbekannten brauchen wir uns nicht zu verstellen, wir können ehrlich sein wie Kinder. Und so kommt ohne Ausflüchte und Beschwichtigungsformeln ihr „Nein“. Sie trauen sich, dem ins Auge zu sehen, dass sie nichts in der Hand haben – und dass eine große Leere in ihnen ist. 

Jesus hört nicht auf zu fragen. Er fragt auch uns – als Einzelne, als Gemeinschaft, als Kirche: Habt ihr etwas, das euch nährt? Spielt in eurem Alltag Ostern eine Rolle? Steckt ihr euch gegenseitig mit Zukunftsmut an? 

Müssen wir nicht auch schlicht „Nein“ sagen? „Nein, Jesus, eine kraftvolle, widerstandsfähige, robuste Hoffnung haben wir nicht.“
Und wäre es um unsere evangelische Kirche nicht besser bestellt, wenn sie den Mut fände, ehrlich einzugestehen: „Auch unter uns geht so viel Verzagtheit um. Oft besitzt uns der Geist der Furcht; keine Spur vom Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Ja, wir haben Sorge um die Zukunft unserer Kirche und düstere Zukunftsprognosen lassen uns erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange.“ 
 
Solch ein ungeschminktes Eingeständnis hat etwas Befreiendes. Wie gut tut es, uns nicht glaubensstärker und hoffnungsvoller hinzustellen, als wir sind. Natürlich erscheinen wir dann nach außen nicht mehr als so perfekt. Da sind Sprünge und Löcher und Ritzen in der Außenfassade. Aber gerade durch diese Öffnungen kann Gottes Geist wirken. 

Zurück zur Geschichte: Der Erzähler hält die Spannung aufrecht, indem wir als Hörer bzw. Leser mehr wissen als die Jünger. Für uns ist längst klar: der Unbekannte am Ufer wird sich als Jesus herausstellen. Aber für die Jünger ist er noch ein Fremder. Sie spüren zumindest: In seiner Nähe brauchen wir uns nicht zu verstellen. Sie spüren es und erkennen ihn doch nicht. 
Und genau darin sind sie uns wieder ganz nah. Wie oft kommt Jesus uns entgegen, spricht zu uns und wir erkennen seine Stimme nicht? Möglicherweise erkennen wir ihn deshalb nicht, weil sein Wort unserer Menschenlogik ab und zu kräftig widerspricht.

Station 4: 
„Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden…“

Was für eine verrückte Aufforderung! Warum sollten denn auf der anderen Seite des Kiels mehr Fische sein? Und überhaupt: Jetzt ist doch Tag, da fischt kein vernünftiger Mensch. Aber die Jünger geben diesem Zweifel nicht statt. Sie reagieren voll Vertrauen – wie Kinder – und lassen sich auf das ein, was ihnen der fremde und doch vertrauenswürdige Mann vom Ufer aus zuruft. 

Machen wir uns darauf gefasst, dass uns der Ruf des Auferstandenen mitunter verrückt vorkommen mag. Aber wir leben in einer Welt und oft auch in einer Kirche, die sich ohne ihn eingerichtet hat, die plant und handelt, als ob es Ostern nie gegeben hätte. 

Und das ist dann immer wieder auch unser Elend: dass wir auch als Kirche festsitzen in alten Denkmustern und kirchenpolitischen Fronten, in Besitzstandswahrungsmentalität und Angst, zu kurz zu kommen. 
Aber seien wir dessen gewiss: Wenn der auferstandene Christus sich einmischt und zu Wort meldet, dann hält er sich daran nicht. Dann mutet er uns zu, ausgefahrene Geleise zu verlassen, einen neuen Blick zu wagen, das Netz – mitten am Tag – zur Rechten auszuwerfen. Hören wir ihn dann? Haben wir so viel Zutrauen zu seinem Wort?

Station 5: 
„Da warfen sie das Netz aus und konnten´s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische“

Es mutet einen fast wie ein Märchen an: In der Nacht leere Netze und jetzt machen sie den Fang ihres Lebens. So etwas haben sie noch nie erlebt. Was ist da passiert? Was für ein Geheimnis verbirgt sich hier?

Die berstend vollen Netze weisen darauf hin, dass in Jesus das Leben sich in einer Fülle, einem Reichtum zeigt wie noch nie. In ihm kommt ein Leben ans Licht, das auch von bitteren Erfahrungen und Enttäuschungen, ja nicht einmal vom Tod aufgehalten werden kann. 
Und darum geschieht durch ihn etwas Umstürzendes. Wir kennen die eine Reihenfolge – und sie scheint unabänderlich: Leben und dann der Tod, auf das Werden folgt das Vergehen, die Hoffnungen blühen auf und viele davon scheitern dann doch. Aber der auferstandene Christus wendet die Reihenfolge um: Nicht Leben und Tod – Tod und Leben heißt es nun, seit Christus erstanden ist. Davon erzählt unsere Ostergeschichte, von dieser umgedrehten Reihenfolge. Nicht Hoffen und dann am Ende Müdesein, Enttäuschung und verlorener Zukunftsmut – nein, leere Hände zwischendurch und die Erfahrung der Vergeblichkeit, und doch Hoffnung und doch der Morgen, und doch ein Beginnen neu unter Gottes Angesicht und mit neuem Zukunftsmut. 

Auf was läuft alles hinaus? Was steht am Ende? Was darf ich hoffen? Leben und dann der Tod oder umgekehrt: Tod und dann das Leben? Die vollen Netze sind ein großes Versprechen: Am Ende triumphiert das Leben. Der auferstandene Christus bürgt dafür. Und daran kann sich unser Zukunftsmut wieder neu entzünden.

Station 6: 
„Da Simon Petrus hörte, dass es der Herr war… warf er sich ins Wasser“. 

Ist das nicht eine wunderbare Szene? Als es Simon Petrus dämmert, dass der Unbekannte am Ufer Jesus ist, da hält ihn nichts mehr, da stürzt er sich ins Wasser und schwimmt ihm entgegen, so schnell er kann. Er schwimmt an ein neues Ufer, in ein neues Leben hinein. 

Petrus und Judas haben beide versagt. Aber sie gehen ganz gegensätzlich damit um – und halten uns so einen Spiegel vor. Judas zieht sich zurück, versucht verzweifelt, allein mit seiner Schuld fertig werden – vergeblich. Er sieht keine Zukunft mehr für sich und zieht eine schreckliche Konsequenz. 

Anders Petrus, der Fels, der, als es darauf ankam, eher wie bröselndes Gestein war: Dieser Petrus kapselt sich nicht ab mit seinem Versagen, sondern wirft sich ins Wasser – Christus entgegen. Sein Vertrauen ist stärker als seine Angst, stärker als seine Scham. Und was passiert? Er blitzt nicht ab. Im Gegenteil. Ihm wird sein Leben neu geschenkt. Das Licht des Auferstandenen kommt ihm von vorne entgegen – die Schatten des Vergangenen weichen. Er kann mit Mut in eine neue Zukunft hineingehen. 

So bekommt Simon Petrus Anteil an diesem Leben in Fülle, das in Christus erschienen ist. Einem Leben, das auch durch Schuld und Versagen nicht zerstört werden kann. 

Station 7: 
„Da spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl!“

Das ist der Höhepunkt der ganzen Erzählung: die gemeinsame Mahlfeier zum Schluss. Keine Frage, wer der Gastgeber ist. Jesus lädt die Seinen ein. Er teilt an sie Brot und Fische aus. 
Aus seinen Händen empfangen sie, was Leib und Seele satt macht, was ihre Hoffnung, ihren Zukunftsmut nährt. 

Was sie erleben, setzt sich fort, wenn wir Abendmahl feiern. 
Wenn wir zum Abendmahl kommen, sind wir oft gezeichnet von Nächten und Tagen der Vergeblichkeit. Wir kommen manchmal mit wenig oder gar ohne Zukunftsmut. Doch Christus lädt uns alle an seinen Tisch, Erfolgreiche und Erfolglose, Glückliche und mit sich und anderen Hadernde. Er ist der Gastgeber. Er ist die Mitte. Und er teilt von seinem Leben aus an uns: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ 

Er teilt aus von diesem Leben in Fülle, das voller Zukunft ist, weil keine Enttäuschung, keine Schuld, ja nicht einmal der Tod es aufhalten können. Es soll neu in unser Herz eingepflanzt werden:  
Nicht Leben und dann Tod, sondern Tod und Leben. Manchmal machen wir ja jetzt schon Auferstehungserfahrungen und erleben, dass wir aus Niederlagen und schmerzlichen Verlusten verwandelt ins Leben zurückkehren und wir mitten in der Gefahr, mitten im Tod vom Leben umfangen sind. Am Ende wartet das Festmahl – Inbegriff des Lebens in Fülle -, das Festmahl in Gottes Reich auf uns. Es wirft seine Strahlen voraus. Darum: Fasst Mut! Es lohnt sich, unsere Hoffnung festzuhalten. Amen.

Gottesdienst zum Ostermontag, den 05.04.2021

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Liebe Gemeinde,

zünden Sie doch Ihre Osterkerze an und sprechen Sie laut die Worte:

Der Herr ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Halleluja!

Diese Worte erklingen heute auf verschiedenste Weise. Gelesen von Menschen zu Hause vorm Fernseher oder dem Laptop, bei Fernseh- oder Onlinegottesdiensten. Sie erklingen in den Präsenzgottesdiensten und beim Lesen der Gottesdienste zum Mitnehmen. Heute wird mit den vertrauten Worten Gottesdienst gefeiert, aber auf viele verschiedene Arten.
Noch ein letztes Mal steht ein Bild des ökumenischen Jugendkreuzweges im Mittelpunkt. Es ist kein klassisches Osterbild. Kein leeres Grab, sondern ein leerer Tisch mit vielen freien Plätzen und im Hintergrund sieht der Betrachtende eine Abendmahlsszene. Die leeren Hocker laden den Betrachtenden ein, Platz zu nehmen.
Fühlst du dich eingeladen?

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Du Gott des Lebens,
du hast die Dunkelheit unserer Welt durchbrochen an jenem Ostermorgen. Du hast einen neuen Anfang geschenkt, als alle nur auf das Ende blickten. Versteinertes hast du ins Rollen gebracht, Erstarrtes in Bewegung. Lass dein Licht auch unseren Ostermorgen erleuchten. Schenke Mut, das Unglaubliche zu glauben, damit auch wir das Leben finden. Amen.

Ein Gespräch backstage:

Regie: Der Tisch ist leer. Wo früher die Freunde und Freundinnen mit Jesus gegessen haben, sind jetzt Plätze frei. Was meint ihr: Wie geht es jetzt weiter?
Dazu fällt mir eine Geschichte aus der Bibel ein:
Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Zur Stunde des Festmahls schickte er seinen Diener aus und ließ denen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, alles ist bereit! Aber einer nach dem anderen entschuldigte sich. Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen hierher! Nötige die Leute hereinzukommen, damit mein Haus voll wird. (Vgl. Lk 14,16–17, 21–23)

Person 1: Gott, der Eventplaner, der ein großes Festmahl gibt. Zu dem wir alle eingeladen sind. Er überlässt mir die Entscheidung.
Person 2: Aber die Tische bleiben leer. Die Eingeladenen können oder wollen nicht kommen. Das erinnert mich an das Frühjahr 2020. Vieles fiel aus, aber ehrlich, zu manchem wäre ich auch nicht hingegangen.
Person 1: Genau, und zu einigen Sachen habe ich einfach keine Lust. Aber: Gott bleibt beharrlich. Für ihn spielt es eine Rolle, wie du dich entscheidest. Er sagt nicht einfach ab, er gibt nicht einfach auf. Er will alle an einen Tisch bringen.
Person 2: Nachdenklich macht mich, dass die Armen und Ausgegrenzten Gottes Einladung eher annehmen. Vielleicht sind wir Menschen so: So lange es uns gut geht, sind wir ziemlich wählerisch. Seit dem Corona-Lockdown bin ich jedenfalls offener und dankbarer. Ich bin froh um jeden menschlichen Kontakt, um jedes Treffen!
Person 1: Das ist bei mir ähnlich. Oft merkt man erst, wie wichtig einem etwas ist, wenn es plötzlich fehlt.

Impuls

Und jetzt?
Jesus ist tot. Sein Leichnam wurde abgenommen und in ein Felsengrab gelegt. Später finden seine Anhänger es leer vor. Jesus ist fort. Auferstanden. Verwandelt und doch er selbst. So zeigt er sich noch einmal seinen Jüngern im kleinen Dorf Emmaus unweit von Jerusalem. Redet mit ihnen und isst mit ihnen gemeinsam. Als sie ihn erkennen, verschwindet Jesus vor ihren Augen. Auch die Jünger machen sich auf den Rückweg nach Jerusalem, um den anderen vom Auferstandenen zu erzählen.
Was bleibt ist ein leerer Holztisch mit freien Hockern drum herum. Wie auf dem Bild. Ein paar Krümel liegen noch auf der Tischplatte. Der Tisch und die Stühle sind bereit. Die nächsten Gäste können an ihm Platz nehmen, sich ausruhen, gemeinsam essen und plaudern. Wer mag das sein?
An Gottes Tisch sind Plätze frei. Jesus und die Jünger sind schon wieder fort. Die nächsten Gäste können kommen. Jeder, der mag, kann einfach Platz nehmen. Gott lädt alle ein. Jeder kann seine Einladung annehmen und sich mit an den großen langen Holztisch setzten. Trotz und vielleicht gerade wegen Corona. Vermutlich wären bei den aktuellen Bestimmungen die Plätze zeitlich begrenzt nutzbar. Ein festes Zeitfenster für den Besuch würde einen zu großen Andrang verhindern. Der Abstand zum Tischnachbarn würde immer 1,5 Meter betragen, und das Essen und Trinken hätten vermutlich alle Gäste vorsichtshalber selber mitgebracht.
Aber es wäre mal wieder eine Möglichkeit sich mit anderen Menschen zu unterhalten, zusammen zu essen, Gemeinschaft zu erleben. Etwas, dass gerade an diesem Osterfest wieder unendlich kostbar erscheint, wo Familien nicht zusammenkommen können und gemeinsame Essen ausfallen müssen.
Heute Morgen haben Sie sich mit an Gottes Tisch gesetzt. Mit dem Lesen dieses Gottesdienstes haben Sie Gottes Einladung angenommen. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen, egal, ob in einem Gottesdienst in einer der Kirchen und Altenheime, in einem der vielen Onlineangebote oder im Schauen des Fernsehgottesdienstes. Gottes Einduldungen an uns sind vielfältig. Unsere Gemeinschaft in seinem Namen existiert durch alle Medien und Entfernungen hindurch. Der gemeinsame Glaube an Gott verbindet uns.
Gottes Einladung gilt auch über das Osterfest hinaus. Ein Platz am Tisch Gottes ist zu jederzeit frei. Setzten Sie sich doch immer mal wieder an seinen Tisch und verbringen Sie Zeit mit Gott und den anderen Gästen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen

Auch zu diesem Bild gibt es ein Lied von den Autoren des Jugendkreuzweges. Sie können es einfach lesen oder sich online anhören und mitsingen unter: https://www.jugendkreuzweg-online.de/materialien/audioguide!

Gebet:

Guter Gott,
wir bitten Dich:
Für uns Menschen,
hilf uns, unseren Platz zu finden,
an Deinem Tisch
in dieser Welt.

Barmherziger Gott,
wir bitten Dich:
Für die Menschen,
denen das Nötigste zum Leben fehlt,
denen kein Mensch einen Platz
anbieten will.

Gütiger Gott,
wir bitten Dich:
Für alle, die hinter den Kulissen
für andere Menschen hart arbeiten,
und im Schatten bleiben
ohne Anerkennung oder gerechten Lohn.

Gnädiger Gott,
wir bitten Dich:
Für alle, die im Scheinwerferlicht stehen,
in der Politik und auf den Bühnen
des Lebens,
mit Macht und Einfluss.

Großer Gott,
führe Du die Regie
in unseren Köpfen und Herzen.
Das bitten wir Dich

Wir beten zu dir mit Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen:

Gottes Segen behüte uns.
Gottes Geist leite uns.
Gottes Friede sei mit uns
und der ganzen Welt.

Amen.

Frohe Ostern wünscht Ihnen
Pastorin Nina Junghans

Meditation zum Ostersonntag, den 04.04.2021

Osterspaziergang 2021

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Das war nur ein Gerücht, liebe Ostergemeinde, das war nur ein Gerücht, dass Jesus auferstanden sei.
Die ersten Männer, die es aus Frauenmund hörten, konnten es nicht glauben. Originalton Bibel: „Es erschienen ihnen diese Worte als leeres Gerede, und sie glaubten den Frauen nicht.“ An dieser Stelle setzt der biblische Ostertext ein. „Zwei von ihnen gingen am selben Tag in ein Dorf, das von Jerusalem etwa zwei Weg-stunden entfernt ist und Emmaus heißt.“ Diese beiden gehen also weg. Weg von Jerusalem. Ich vermute, sie gehen nach Hause, zurück in ihre gewohnte Umgebung, in ihren Heimatort, in die alte Realität. Die neue – so scheint es – hat sich als Täuschung erwiesen. Die Armen – im Besitz des Reiches Gottes? Die Hungernden – satt? Die Weinenden lachen? Lk 6,20+21 Von wegen! Jesus, ihr „Prophet“, mit dem sie diese Hoffnungen verbunden hatten, wurde hingerichtet. Der große Traum: aus. Da bleibt nur übrig: Distanz gewinnen. „Mensch, ich muss erst mal Abstand davon gewinnen!“ Höre ich mich sagen – in weitaus weniger dramatischen Situationen meines eigenen Scheiterns. Unsere beiden Wanderer wollen Abstand gewinnen. Sie gehen weg aus Jerusalem. Das geht mit den Füßen schneller als mit der Seele. So schnell kommen sie nicht los – von IHM und von dieser Hinrichtung.
Wovon man nicht los kommt, davon muss man reden. „Und sie redeten miteinander über alle diese Geschichten. Als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da kam Jesus selbst dazu und ging mit ihnen.“

Sie redeten. Immerhin. Es gibt eine Niedergeschlagenheit, die stumm macht. Das scheint bei den beiden nicht so zu sein. Sie sind nicht so leer und ausgebrannt, dass es ihnen die Sprache verschlägt. Vielleicht reden sie auch wieder, weil der erste Schock vorüber ist. Und denken nach und kämpfen noch: mit sich, mit der enttäusch-Hoffnung. Ich denke, die beiden sind hin- und hergerissen. Weiter machen mit der Sache Jesu oder aufhören wie Petrus, der öffentlich erklärt hat, dreifach, mit Jesus nun aber auch gar nichts zu tun zu haben. „Mensch, ich weiß nicht, was du meinst.“ Lk 22. 60 Mitten in diesem Hin und Her schließt sich ihnen ein Wanderer an, der in die gleiche Richtung unterwegs ist. „Aber ihre Augen waren gehindert, ihn zu erkennen.“ Sie merken nicht, unsere beiden Wanderer, mit wem sie es zu tun haben. Sie können den nicht erkennen, der vor ihnen steht. Sie können einfach nicht. Es spulen sich, stell´ ich mir vor, immer wieder dieselben Bilder vor ihren Augen ab: die Rede auf dem Feld, der See und dann das Kreuz. Ihre Augen wurden „gehalten“ – übersetzt die Zürcher Bibel. Eine schöne Formulierung. Die Augen werden „gehalten“, und man merkt erst im Sommer, dass man den Frühling verpasst, die Vögel nicht gehört und das Grün nicht hat kommen sehen.
– Eingesperrt in eine verglaste Kiste aus Blech,
– in einer geheizten Wohnung, den großen Stein vor der Tür,
– vor einem farbigen Bildschirm, mit oder ohne Tastatur davor.
Meine Augen … gehalten, einen Menschen, der mit mir unterwegs ist, nicht wahrnehmen, ihn nicht erkennen können, seine Schönheit nicht, seine Wahrheit nicht. „Er sagte aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr unterwegs miteinander ver-handelt? Da blieben sie traurig stehen.“ Der Fremde scheint schier gar nichts mitbekommen zu haben! „Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete ihm: Bist du der einzige Fremde in Jerusalem, der nicht weiß, was dort in diesen Tagen geschehen ist? Und er sagte zu ihnen: Was denn? Sie aber antworteten ihm: Was mit Jesus von Nazareth geschehen ist, der ein großer Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und führenden Männer zur Todes-strafe ausgeliefert und ans Kreuz gebracht haben. Wir aber hofften, er solle Israel er-lösen. Und über das alles lässt er schon den dritten Tag vergehen, seitdem das geschehen ist. Auch haben uns einige Frauen aus unserer Mitte erschreckt; die sind früh beim Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie hätten eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebt. Und einige von uns gingen hin zu Grab und fanden´s so, wie die Frauen gesagt haben; aber sie sahen ihn nicht.“ Man merkt´s den beiden an: sie möchten den Frauen, der Botschaft des Engels so gern glauben. Aber spricht nicht alles dagegen? Der „große Prophet“ ist nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen. Hingerichtet wurde er – als politischer Verbrecher wie Tausende andere auch von der damals weltbeherrschenden Militärmacht Rom in Zusammenarbeit mit den führenden Männern und Priestern des eigenen Landes.

Wem soll man vertrauen? Der realen Weltmacht Rom oder dem Wort des Engels, erzählt von einigen Frauen? „Und er sagte zu ihnen: Wie seid ihr doch so unverständig und wie ist euer Herz so träge, allem zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht Christus das alles erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing bei Mose an und allen Propheten Und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift über ihn gesagt war.“ Musste nicht der Christus dies leiden? Das entscheidende Wörtchen ist: „musste“. Hätte sie nicht auch ohne Folter und Tod abgehen können – die Gottesgeschichte, ohne Dornenkrone und Erstickungstod am Kreuz? Diese Revolution in der Religionsgeschichte, diese Revolution im Gott-Denken, die konnten die beiden Wanderer gar nicht verstehen. „Verstehen“ wir das denn? Unsere beiden haben den Auferstandenen gesehen und Christus doch nicht gesehen. Ihre eigenen Bilder haben sie gesehen. Dass ER Israel erlösen werde, hatten sie gehofft, von den Elendskrankheiten, von der Armut, vom Hunger, von der Besatzungsmacht. Sie haben ihn gesehen. IHN haben sie nicht gesehen. Ihn, den leidenden Gottessohn, „geplagt und von Gott geschlagen und gemartert …verwundet“, Jes 53,4 den konnten sie nicht erkennen. Vor drei Tagen am Kreuz nicht und jetzt nicht. Dass Gott seine feste Himmelsburg verlässt und weit, weit herunterkommt in Folterkeller und Intensivstation für Covid 19-Patienten, und an die Kreuze der Welt, dass da, wo Menschen ihre Niedrigkeit erleben, verletzt werden und fertig gemacht, ihrer Würde beraubt, dass da Gott zu suchen ist …, wer „versteht“ das schon? „Christ ist erstanden“ sagte der Engel den Frauen. Nicht vom Tod im Allgemeinen, von der Marter, von der Folter, von der Marter alle. Als Einspruch gegen den Lauf und das Leid der Welt, als Zuspruch für uns schmerzempfindliche, sterbliche Menschen.

„Und sie kamen näher an das Dorf, wo sie hingehen wollten. Und er tat so, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sagten: Bleib bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ Denn es will Abend werden … Das war nicht der Abend, das war auch nicht die Fürsorge für den fremden Wanderer! Wir kennen diese „Behelfchen“. Hört mal, es ist schon so spät, bleibt doch bei uns! Ihr könnt hier übernachten, die Dunkelheit, der Regen, der Nebel! Wir wissen´s doch, wenn wir selber so reden. Es ist nicht der Nebel und nicht die Nacht. Wir wollen, dass unsere Gäste bleiben, weil wir sie als wohltuend empfinden. Es ist die Gegenwart des fremden Mitwanderers, die unsere beiden nicht missen möchten.
„Und er ging mit ihnen hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach´s und gab´s ihnen.“ Miteinander an einem Tisch sitzen und einer ist da, der austeilt, Brot austeilt, Wein austeilt, Zeit schenkt, sich verschenkt, da ist. Das kann schön sein. Und unsre beiden Wanderer erinnern sich an die Geste, an dieses Symbol … dankte … brach´s … und gab … . Sie erinnern sich an das Symbol, das sie von Jesus gelernt hatten:
Brot und Wein miteinander teilen. „Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen“. Da, bei Brot und Wein, erkennen sie ihn. Und er verschwindet mitten im Erkennen. Er verweilt nicht, dieser Augenblick, aber die beiden, die ihn erlebt haben, sie werden plötzlich wach und lebendig. Die Stimmung ändert sich schlagartig, der Tonfall überschlägt sich fast, sie gehen den Tag, die Wanderung noch einmal durch. Und es fällt ihnen wie Schuppen von den Au-gen. „Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns auf dem Wege redete und uns dabei die Schrift öffnete? Und sie brachen noch in derselben Stunde auf, kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sagten: der Herr ist wirklich auferstanden und Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was unterwegs geschehen war und wie er von ihnen daran erkannt wurde, wie er das Brot brach.“ Wie also und wann und wo begegnen sie dem Christus, dem auferstandenen Jesus?
Wie? – Als Unbekanntem, als Gast, als Fremdem.
Wann? – Wenn sie es nicht erwarten, völlig überraschend.
Wo? – Da, wo geteilt wird: Erfahrungen – jenseits von Raum und Zeit, Brot – Leben die Fülle, Wein – vor Hoffnung betrunken, weinselig Grenzen der Phantasie über-schreiten – und Leid – die Tränen getrocknet bekommen, Seelenverwandtschaft spüren, Zeit geschenkt kriegen, gemeinsam aufstehen, auferstehen mitten im Leben.
Wie ein Abglanz, wie eine Vorwegnahme dessen, was einmal kommen wird, später dann, irgendwann einmal in einem Land jenseits von Raum und Zeit, dann, wenn das Leben die Fülle ist und es endlich nur noch gute Tage gibt.

Ostersegen 2021
Es segne dich Gott, und er behüte dich
auf dem Weg in die neue Welt nach Ostern.
Er lasse sein Angesicht ruhen auf dir
und sei dir gnädig.
Wie die Sonne jenes ersten Ostermorgens
lasse er sein Angesicht ruhen auf dir
und bereite dir seinen Frieden.
Amen.

 

Vielen Dank an Ralf Völke, Andrea Mischnick und Carla Müller-Hoffmann für das Einsingen der Lieder!

Meditation zu Karfreitag, den 02.04.2021

Karfreitagsmeditation

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Liebe Gemeinde in Wahrenholz!
Karfreitag 2021 ist anders als die Jahre zuvor. Wir gedenken des unschuldigen Leidens und Sterbens Jesu. Gleichzeitig gedenken wir all des Leides, das ein Virus über die Menschheit bringt. Und wir gedenken all der Greuel, die Menschen über Menschen bringen.
Wohl selten in der jüngeren Geschichte betet, fleht, schreit es in dir wie in mir: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich vergessen?“ Diese Gottverlassenheit Jesu inmitten der Gottlosigkeit der Welt!
All die Not und Verzweiflung, die Angst, das Leiden, die Toten und ihre Mörder!
Vieles von dem, was uns in diesen bitteren Tagen der Pandemie beschäftigt, finden wir auf dem Bild wieder, das Sie vor sich sehen. 1938, als in Deutschland die Synagogen brannten, hat es der jüdische Künstler Marc Chagall geschaffen. Es führt uns das vor Augen, was uns in der Passionszeit besonders nahe kommt und uns bewegt: Da ist Jesus, der Gekreuzigte. Getötet auf die grausamste Weise. Er ist Jude – der geteilte Gebetsmantel um sein Hüfte weist ihn aus, und zugleich ist er der, den der Prophet den „Allerverachtetsten“ nennt, den „Unwertesten, voller Schmerzen und Krankheit. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg.“ (Jesaja 53, 2.3), so beschreibt es Jesaja. Und die Menschen unter dem Kreuz? Sie wenden den Blick ab. Schauen von Jesus weg, dem Gottverlassenen. Schauen in ihre Welt der Gottlosigkeit. Eine Synagoge brennt, angezündet von denen, denen kein Glaube, keine Religion heilig ist. Einer versucht Gottes Wort, die Thorarolle, zu retten. Menschen sterben für ihren Glauben, wagen es, Rückgrat zu zeigen, dem „Rad in die Speichen zu fallen“, wie Dietrich Bonhoeffer es von sich gesagt hat. Ein anderer Mann – im grünen Mantel – flieht. Er sieht nicht nach rechts, nicht nach links. Bücher brennen. Er hat sein Bündel auf dem Rücken und läuft davon. Nicht anders die Frau die ihr krankes (?), totes (?) Kind birgt. Es ist, als wollten diese Menschen sagen: „Mir ist der Glaube nicht mehr wichtig. Ich muss mein Leben retten, dabei hilft mir keiner.“ Mit geschlossenen Augen rennen sie los, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. – Ein Mann hat für sich eine andere Lösung gefunden. Er zieht sich mit dem Trost der Heiligen Schrift zurück. „Soll doch jeder sehen, wie er glücklich wird. Ich habe meine Antworten gefunden! Hauptsache, ich haben meinen Glauben!“ Der Mann am linken Bildrand mit der blauen Schürze blickt ratlos ins Leere. Achselzuckend stiehlt er sich davon. „Was kann ich alter Mann schon tun?“, scheint er zu sagen. „Was kann ein Einzelner schon ändern? Wir sind doch machtlos!“ Und wir sehen die Menschen im Boot – Juden damals, die fliehen vor deutschen Soldaten, Deutsche aus den Ostgebieten auf der Flucht vor sowjetischen Soldaten, Menschen heute auf der Flucht aus den Armutsgebieten Afrikas in der Hoffnung auf Europa. „Lampedusa“ das Rettungswort für die „Boatpeople“, heimatlos, haltlos, Treibgut der Geschichte, zum Untergehen verurteil.

Ein Dorf brennt, die Welt ist aus den Fugen. Menschen teilen die Beute oder beweinen das Leid. Gewalt zieht auf, Soldaten in Myanmar und fünfzig anderen Ländern dieses Gottesplaneten: Menschen sie alle, die die Worte „Hass“, „Kampf“, „Blut“ auf ihre Fahnen geschrieben haben. Faschismus, Kommunismus, Fundamentalismus, Kapitalismus, Nationalismus, Rassismus – die Fahne kann jede Farbe tragen. Wie viele Namen von Ländern und politischen Führern fallen Ihnen ein, wenn Sie Ihre Hände voller Klage über die Gottlosigkeit dieser Welt über dem Kopf zusammenschlagen? „Wie kann das nur geschehen?“, so fragt es in uns, während andere die Augen verschließen: „Es wird so schlimm schon nicht sein. Wahrscheinlich ist das alles gar nicht wahr!“ Auf digitalen Konferenzen diskutieren sie aus der Ferne das Unheil dieser Welt weg.
Wo, liebe Mitmenschen, sind wir auf diesem Bild? Wo stehen Sie? Wo stehe ich? Was von dem, was auf dem Bild zu sehen ist, haben Sie selber miterlebt?
Ach, wie viele haben Gewalt am eigenen Leibe kennen gelernt und Angst! Sie wissen, was Hunger ist. Sie wissen auch, es ist nicht leicht zu erkennen, was richtig ist und falsch, wenn alles drunter und drüber geht. Es ist nicht leicht, seinem Glauben, seinem Gewissen zu folgen, wenn es um Leben und Tod geht. Die Schuld erdrückt uns. Wo stehen wir – jetzt?
Wir möchten unsere Wut und Verzweiflung heraus schreien und unsere Trauer, denn des Menschen Tun ist gottlos geblieben. Wir möchten unsere Klage heraus schreien und unsere Zweifel: „Warum lässt Gott das geschehen?“ Und doch verstummen wir. Verstummen und schweigen. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen von Leid. Jeder von uns erlebt sein persönliches Golgatha der Einsamkeit, der Krankheit, des Todes.
Erfahrungen des Scheiterns prägen uns, wenn eine Ehe zerbricht, wenn der Arbeitsplatz verloren geht, Selbstzweifel, wenn Kinder aus dem Haus gehen im Zorn, wenn das Leben anders verläuft als erhofft, Mutlosigkeit, wenn die lebensbedrohliche Erkrankung kommt. Wir kennen diese Momente der Gott-Verlassenheit, wo wir uns fragen: „Warum gerade ich?“ „Warum lässt Gott das zu?“ Wir kennen diese Not in unserem Herzen, die Jesus mit uns teilt, wenn er die Worte heraus schreit: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wir kennen die Sehnsucht in uns in solchen Stunden nach einem Trost, nach einer Hoffnung nach Licht.

Marc Chagall malt ein Licht. Als weißer Lichtschein fällt er von oben auf den Gekreuzigten her-ab und erhellt das Geschehen auf Golgatha. Dieses Licht zeigt: „Gott ist da. Er ist nicht fort. Er ist nicht abwesend. Die Welt ist wohl gottlos, aber sie ist nicht gottverlassen. Gott lässt das Leid zu, aber er leidet mit! Er stirbt mit. Er zweifelt mit. Er hält aus, was wir nicht aus auszuhalten können. Er läuft nicht weg. Er flieht nicht. Er ist da!“
Das Licht, das Chagall malt, fällt auch auf die Menschen. Sie haben sich abgewandt, doch das Licht holt sie ein. „Vater, vergib ihnen!“ betet Jesus am Kreuz.
„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53, 4.5)
Unter dem Kreuz finde ich Trost für meine verstörte Seele, Hoffnung für mein verwirktes Leben, Frieden für meine Todesnot. Unter dem Kreuz finde ich das Licht, das mich selbst zum Licht macht, dass mich befähigt, nicht allein die „Dunkelheit zu beklagen, sondern ein Licht anzuzünden“, wie es Alfred Delp gesagt hat. Der brennende Leuchter am Fuß des Kreuzes ist mir dafür ein Zeichen.
Wo also stehen wir? – Bei denen, die fliehen, bei denen, die wegschauen, gar bei denen, die nur ihr eigenes Lebens sehen? Wo möchte ich stehen?
Ich möchte unter dem Kreuz stehen. Ich möchte all das, was mich belastet und bedrückt und was ich nicht verstehe von dem, was damals geschah und was heute geschieht, unter das Kreuz tragen. Ich möchte Jesus bitten: „Nimm mir diese Last ab!“ Ich möchte auch das, was mich heute bewegt, zum Kreuz tragen: die Unkultur des Mobbings in unserer Gesellschaft, die sexuelle Ausbeutung, die menschengemachten Umweltkatastrophen und alles, wogegen ich mich machtlos und allein fühle. Ich möchte Jesus bitten: „Mache ein Ende aller Gewalt und allen Blutvergießens!“ Zuletzt möchte ich meine eigene Angst unter das Kreuz legen, meine Feigheit und Gleichgültigkeit, meinen Hochmut und alles, womit ich andere verletze und belaste und ihnen Unrecht tue. Ich möchte Jesus bitten: „Herr, vergib mir meine Schuld!“
Und dann möchte ich nur noch auf Jesus schauen und möchte das Licht sehen, das durch alles Dunkel scheint, dieses große „Dennoch“, dieses „Ich-bin-da!“, das Licht der Auferstehung.
Ich möchte mein Herz öffnen dafür,
ganz weit und zurück ins Leben gehen – mit einem Licht in der Hand.
Ich will es dorthin tragen, wo ich lebe,
zu dem Menschen, die bei mir sind.
In meinem Haus,
in meiner Straße,
in meinem Ort
soll Ostern werden.

Amen.

Vielen Dank an Rüdiger Vopel für die musikalische Untermalung.