Gottesdienst vom Sonntag, den 31.01.2021

Gottesdienst zum Mitnehmen Letzter Sonntag nach Epiphanias– 31.01.21

Liebe Gemeinde,

heute ist es soweit. Die kirchliche Weihnachtszeit endet. Die meisten haben ihre Weihnachtsdekorationen schon längst eingepackt. Die Krippenfiguren vor der Wesendorfer Kirche wurden abgebaut. Nur an der Gifhorner Straße habe ich heute Morgen im Dunkeln noch eine Lichterkette entdeckt.
Weihnachten scheint schon lange her. Man ist schon mitten drin im neuen Jahr. Auch der Sonntag heute spiegelt dies wider. In seinem Text erzählt er vom weihnachtlichen Licht Jesu und blickt voraus auf seinen Tod am Kreuz.
Alles Wichtige ereignet sich dabei auf einem Berg, wie so oft in der Bibel. Der Berg, ein Ort der Nähe Gottes, steht auch in diesem Gottesdienst im Mittelpunkt.

Gott, du Schöpfer der Welt,
du hast unsere Welt nach deinem Willen geformt.
Blaue Meere wechseln sich mit bunten Landschaften ab.
Grüne Täler mit schroffen schneebedeckten Gipfeln.
Auf ihnen fühlen wir uns dem Himmel
und dir besonders nahe.
Schenke uns auch im Alltag Bergerfahrungen:
Lass uns deine Nähe fühlen.
Verschaffe uns einen Überblick
Und lass sie unsere Gedanken klären,
damit wir unsere Erkenntnisse mit in den Alltag nehmen.
Amen

Lesung: Die Verklärung Jesu

Mitten im Alltag machen drei Jünger mit Jesus eine österliche Erfahrung: Sie sehen Jesus in geheimnisvollem Licht, und Mose und Elija reden mit ihm. So wird den Jüngern die Identität Jesu als geliebter Sohn Gottes offenbart.

Das Evangelium steht bei Matthäus im siebzehnten Kapitel, die Verse 1-9:
1 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich. Er führte sie auf einen hohen Berg, wo sie ganz für sich waren. 2 Da veränderte sich sein Aussehen vor ihren Augen: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden strahlend weiß wie Licht. 3 Da erschienen Mose und Elija vor ihnen und redeten mit Jesus.
4 Petrus sagte zu Jesus: »Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich drei Zelte aufschlagen: eins für dich, eins für Mose und eins für Elija.« 5 Noch während Petrus redete, legte sich eine Wolke aus Licht über sie. Da erklang eine Stimme aus der Wolke: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude. Hört auf ihn!«
6 Als die drei Jünger das hörten, warfen sie sich nieder und fürchteten sich sehr. 7 Jesus ging zu ihnen und berührte sie. Er sagte: »Steht auf. Fürchtet euch nicht!« 8 Als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.
9 Während sie vom Berg herabstiegen, schärfte Jesus ihnen ein: »Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt worden ist.«

Liebe Gemeinde,

waren Sie letztes Jahr im Urlaub? Das Coronavirus erschwerte das Reisen im letzten Jahr ja sehr. Trotzdem haben sich viele im Sommer aufgemacht und waren zumeist in Deutschland unterwegs.
Spricht man mit anderen über das Thema Urlaub, dann gibt es oft zwei Typen von Reisenden: Die einen, die das Meer lieben und die mit den Bergen nichts anfangen können und die anderen, bei denen es genau anders herum ist. Sie lieben die Berge und können stundenlang in dieser Landschaft wandern. Mein Mann und ich gehören eher zum ersten Typ, daher waren die größten „Berge“, die ich in den letzten Jahren erklommen habe, die Kreidefelsen in Rügen. Man kann in den Bergen leider so schlecht Radfahren (wenn man kein Mountainbike besitzt), dass ich meinen Mann nicht in die Nähe von richtigen Bergen bekomme.
Meine letzte Bergerfahrung ist daher schon eine Weile her.
Trotzdem haben Bergerfahrungen was für sich. Beim Aufstieg kommt nicht nur der Körper in Schwung, sondern auch der Geist. Beim Wandern lässt es sich wunderbar nachdenken. Und zwischendurch und besonders auf dem Gipfel hat man dann einen tollen Ausblick und Überblick über die Umgebung. Dieser weite Blick erschließt einem dann manchmal ganz neue Einsichten oder Zusammenhänge.
So fanden wir bei einem Ausflug auf dem Deister dank des weiten Blicks vom Annaturm fast nebenan eine Gastwirtschaft für eine Pause. Die war vorher durch Bäume vor unseren Blicken verborgen.
Aber nicht nur geographische Einsichten kann man auf einem Berg erlangen. Auch geistige Einsichten sind dort möglich. Durch die Wanderung und vielleicht ein Gespräch dabei angeregt, erschließt sich dem Geist neues. Man hat einen Moment der Klarheit, Gedanken ordnen sich und neue Erkenntnisse entstehen.
Nicht immer sind sie so offensichtlich wie bei den Jüngern aus der biblischen Geschichte. Die hatten sogar Gottes Stimme, die ihnen die Einsicht mitteilte. Trotzdem glaube ich, hatten auch sie auf dem Berg eine Bergerfahrung, einen Moment der Klarheit und Erkenntnis. Jesus wurde vor ihren Augen in göttliches Licht getaucht und Gott selbst nannte ihn seinen geliebten Sohn.
Jesus ist Gottes Sohn, das wurde ihnen auf diesem Berg klar. Vielleicht hatten sie es vorher schon geahnt. Sie wussten, dass er ein besonderer Mensch war. Aber wirklich erkannt haben sie es erst dort. Und dann durften Sie es noch nicht einmal jemandem erzählen. Alle anderen Menschen sollten erst nach Jesu Tod erfahren, dass er Gottes Sohn war.
Mit dieser Anweisung Jesu, das erlebte zu verschweigen, weist das Evangelium für heute schon auf die Ostergeschehnisse hin. Auch Elia und Mose stehen dafür. Denn beide haben den Menschen den Messias, den Heilsbringer angekündigt, der mit Jesus auf die Welt kam und an Ostern den Tod für uns Menschen besiegte.
Und mit seinen Bildern vom Licht erinnert der Text dagegen zurück an Weihnachten. An Weihnachten kam mit Jesu Geburt das göttliche Licht in die Welt der Menschen. So heißt es zum Beispiel im Adventslied “Oh Heiland reiß die Himmel auf „ in der 5 Strophe:

O klare Sonn, du schöner Stern,
/dich wollten wir anschauen gern,
/O Sonn, geh auf ohn deinen Schein
/ in Finsternis wir alle sein.

Wie die klare Sonne aus der Strophe stelle ich mir auch die erleuchtete Erscheinung von Jesus auf dem Berg vor. Sein göttliches Licht, das sonst nicht zu sehen ist, leuchtet auf und lässt ihn strahlen wie eine klare Sonne.
Für die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes war das bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis, eine außergewöhnliche Bergerfahrung, ein besonderer Moment der Klarheit. Wenn auch mit Gottes Hilfe.
Auf ihrem Weg den Berg hinunter lassen das Erlebnis es ein Stück weit hinter sich. Sie gehen zurück in ihren Alltag. Zurück zu den anderen Jüngern und Menschen die Jesus nachfolgen. Gemeinsam machen sie sich wieder auf den Weg. Dabei durften die Jünger keinem von ihrer Bergerfahrung erzählen. Sie behielten ihr Wissen für sich und bewahrten es. Sie ließen zwar das Erlebnis hinter sich, aber ihre Erkenntnis nahmen sie mit: Jesus ist Gottes geliebter Sohn. Diese Gewissheit stärkte die drei Jünger sicher und ermutigte sie für die nächste Zeit.
Auch wir sind nach dem Weihnachtsfest wieder zurück im Alltag. Das Weihnachtsfest im engsten Familienkreis ist nur noch eine Erinnerung. Nach dem Weihnachtsfest begann der Abstieg herunter vom Berg, der Auszeit der Festtage, zurück in den Alltag auch für uns. Was bleibt ist die Erkenntnis: Jesus ist Gottes Sohn. Er kam zu uns Menschen in diese Welt und lehrte uns Gottes Willen. Diese Erkenntnis anzunehmen und in unseren Herzen zu tragen liegt bei uns. Gottes Licht erstrahlte in dieser Welt. Wir können es in Erinnerung behalten und in unseren Alltag tragen.
Amen.

Fürbittengebet

Lebendiger Gott,
Licht lässt du aufscheinen in dieser Welt.
Wie sehr sehnen wir uns danach.
Wie dringend braucht es deine Schöpfung.
Wie abhängig ist die Welt von deinem Licht.

Wir bitten dich um Licht
in den Kliniken und an den Betten der Sterbenden,
damit die Pflegenden gesund bleiben,
damit Kranken genesen,
damit Lebensmut die Schatten des Todes vertreibt
und Trost die Trauernden erreicht.
Um dein Licht, Lebendiger,
bitten wir dich. Erhöre uns.

Wir bitten dich um Licht
an den Orten des Grauens und der Angst,
an den Orten der Zerstörung,
an den Orten des Aufbruchs und der Hoffnung,
damit dein Leben einkehrt.
Wir bitten dich um Licht
in deiner Gemeinde,
in den Herzen aller,
die dir, Lebendiger, vertrauen.
Um dein Licht und deine Liebe,
bitten wir dich.
Durch Jesus Christus lass es aufscheinen –
heute und alle Tage.

Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.


Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Pastorin Nina Junghans.

Download Andacht pdf