Gottesdienst am Sonntag, den 28.02.2021

Gottesdienst am 28.02.2021, Hans-Peter Hellmanzik

…Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des, der Himmel und Erde gemacht hat, der Wort und Treue hält ewiglich und der Niemals preisgibt ein Werk seiner Hände. Amen

Lesung Psalm 25 (Lesung durch KV abwechselnd)

KV 1

Zu dir, HERR, trage ich,

was mir auf der Seele brennt.

2 Mein Gott, auf dich vertraue ich!

Lass mich keine Enttäuschung erleben!

Sonst triumphieren meine Feinde über mich.

3 Es wird ja keiner enttäuscht, der auf dich hofft.

Enttäuscht wird nur, wer dich treulos verlässt.

4 Zeige mir die Wege, HERR, die du bestimmst!

Und lehre mich, deinen Pfaden zu folgen!

5 Bringe mir bei, nach deiner Wahrheit zu leben!

Denn du bist es, Gott, der mir hilft!

Und so will ich auf dich hoffen den ganzen Tag!

6 Denk an deine Barmherzigkeit und Güte, HERR!

Denn schon seit Urzeiten handelst du danach.

7 Aber an meine Vergehen sollst du nicht denken –

auch nicht an die Sünden aus meinen Jugendtagen!

Denk so an mich, wie es deiner Güte entspricht!

Du meinst es doch gut mit mir, HERR.

KV 2

Gut und gerecht ist der HERR.

Darum weist er den Sündern den Weg.

9 Er hilft den Unterdrückten dabei,

ihr Anliegen vor Gericht zu bringen.

Er lehrt die Unterdrückten seinen Weg.

10 Alle Wege, die der HERR bestimmt,

sind geprägt von Güte und Wahrheit.

So hilft er denen, die seinen Bund halten

und seine Vorschriften befolgen.

11 Bleib deinem Namen treu, HERR,

und vergib mir meine Schuld – sie ist so groß!

12 Und wie steht es mit dem Menschen,

der dem HERRN mit Ehrfurcht begegnet?

Ihm zeigt er den Weg, den er nehmen soll.

13 So wird er über Nacht sein Glück finden,

und seine Kinder werden das Land erben.

14 Der HERR zieht die Menschen ins Vertrauen,

die ihm mit Ehrfurcht begegnen.

Sein Bund dient dazu, sie zu unterweisen.

KV 1

Meine Augen blicken stets auf den HERRN.

Denn er selbst zieht meine Füße aus dem Netz.

16 Wende dich zu mir und hab Erbarmen mit mir!

Denn ich fühle mich einsam und unglücklich.

17 Befreie mich von der Angst,

die mir das Herz zusammenschnürt.

Führe mich aus meiner Bedrängnis!

18 Nimm mein Unglück und Leid von mir!

Schaff alle meine Sünden aus der Welt!

19 Sieh nur, wie zahlreich meine Feinde sind

und wie abgrundtief sie mich hassen!

20 Schütze mein Leben und rette mich!

Lass mich keine Enttäuschung erleben!

Denn bei dir suche ich Zuflucht.

21 Vorbildlich und ehrlich will ich leben.

Darum behüte mein Tun!

Denn auf dich hoffe ich.

EIN LIEBESLIED

Jesaja 5, 1 – 7

Hört! Ich will ein Lied singen, ein Lied von meinem besten Freund und seinem Weinberg: »Auf einem Hügel, sonnig und fruchtbar, lag das Grundstück meines Freundes. Dort wollte er einen Weinberg anlegen. Er grub den Boden um und räumte alle großen Steine fort. Die beste Rebensorte pflanzte er hinein. Er baute einen Wachturm mittendrin und meißelte einen Keltertrog aus dem Felsen. Wie freute er sich auf die erste Ernte, auf saftige und süße Trauben! Doch die Trauben waren klein und sauer! Urteilt selbst, ihr Leute von Jerusalem und Juda: Habe ich für meinen Weinberg nicht alles getan? Konnte ich nicht mit Recht eine reiche Ernte erwarten? Warum brachte er nur kleine, saure Trauben? Wisst ihr, was ich jetzt mit meinem Weinberg mache? Zaun und Schutzmauer reiße ich weg! Tiere sollen kommen und ihn kahl fressen, Ziegen und Schafe, sie sollen ihn zertrampeln! Nie mehr werde ich die Reben beschneiden, nie mehr den harten Boden mit der Hacke lockern; Dornen und Disteln sollen ungehindert wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu bringen. Soll der Weinberg doch vertrocknen!«
Dies ist eure Geschichte, ihr Israeliten. Ihr seid der Weinberg, und euer Besitzer ist der HERR, der allmächtige Gott. Ihr aus Israel und Juda, ihr seid die Pflanzung, auf deren Erträge er sich freute. Er wollte von euch gute Taten sehen, doch er sah nur Bluttaten; ihr habt nicht Recht gesprochen, sondern es gebrochen!

Liebe Gemeinde!
Das also soll ein Liebeslied sein? Kommt es nicht irgendwie hart und eisig daher, das Lied? Andrerseits erscheint es uns aber auch nicht wirklich fremd, oder? Denn da klingen durchaus vertraute und belastende Erfahrungen von uns allen in unseren Ohren, ja vielleicht sind es sogar Grunderfahrungen. Nicht nur der reifen Jahrgänge, durchaus auch die eines jungen Lebens.
Wie in einem Spiegel erkennen wir Verhaltensweisen und Erfahrungen, die wir selber als Kinder schon erlebt und gefürchtet haben, und die wir, so vermute ich, unseren eigenen Kindern, unseren Freunden, Arbeitskollegen, ja auch gerade den Menschen, die wir lieben, nicht ersparen, nämlich das bewährte Muster:
– Strafe durch Liebesentzug.
– Liebesentzug und Schweigen.
– Abbruch der Kommunikation.
– Aushebelung unserer Daseinssicherheit und unseres Selbstwertgefühls.
Ein typisches Prophetenwort.
Wir kennen solche eisigen Abwendungen, vielleicht sogar aus der eignen Kindheit. Dieses Chaos in der Seele, wenn du gnadenlos fallen gelassen wirst, weil du den Wünschen und Plänen deiner Eltern nicht entsprochen hast.
Und später im Erwachsenalter sehen wir so manche Szenen einer gescheiterten Ehe, wenn ehemals Liebende sich gnadenlos bekriegen, weil sie füreinander gestorben sind. Schwarze Pädagogik. Schwarze Logik. Tief in unserer Seele verankert. Leistung muss sich lohnen, so wirbt eine Partei unverdrossen.
Wir kennen diese Erfahrungen aber auch aus dem anderen Blickwinkel. Sagen wir Erfahrungen, die dem Liebesentzug vorausgehen, die Erfahrungen von Vergeblichkeit und vom Umsonst unserer Mühe, von Anstrengungen ohne Erfolg. Im Beruf, in den Beziehungen der Liebe, in der Erziehung unserer Kinder, in der Arbeit in und an der Kirche, in Gesellschaft und Politik – alles umsonst, alles vergeblich.
Lebensträume scheitern und lassen uns dann verbittert zurück. Ein Sohn, eine Tochter bricht ihre Ausbildung ab, Kinder finden sich im Leben nicht zurecht, obwohl wir alles für sie getan haben, der Freude an der gerade erwachten Liebe folgt ihr schneller Tod. Trotz allem, was man investiert hat, implodieren Freundschaften, und der Vorrat an Vertrauen reicht nicht. Alles, was wir an Liebeskraft, an Zeit, auch an Geld und Energie investiert haben – es war umsonst.
Ein bitteres Lied, dieses sogenannte „Weinberglied“. Neu ist lediglich, dass der Prophet es im Namen seines Gottes singt. Er wagt es, die Schmerzen des Umsonst aus der Perspektive Gottes aufzuzeigen. Als wollte er deutlich machen, nicht nur wir strafen mit dem Entzug unserer Liebe und der Preisgabe des Menschen, der unsere Zuwendung ausschlug, nicht nur wir pochen darauf, dass Leistung sich lohnen muss, sondern Gott selber tut es.
Kommt hier etwa eine Logik zum Tragen, die wir schon längst für überwunden glaubten? Ist diese Logik vielleicht sogar in die Schöpfung eingebaut, so dass es nicht nur menschlich allzu menschliches Verhalten ist, sondern sogar ein geistiges, ein schöpfungsgemäßes Grundgesetz des Lebens? Dann wäre es von Gott sogar so gewollt, dass, wer ihm nicht folgt, sich selber überlassen bleibt und dass Gott ihn schutzlos den Folgen seines Tuns und seiner Schuld preisgibt?
Verführerisch gnadenlos auch darum, weil ein solcher Text sich anbietet, die Schwierigkeiten unserer Kirche, den immensen Traditionsabbruch, unser dramatisches Kleinerwerden zu verstehen.
Steckt hier in den Worten des Propheten Jesaja in seinem Lied vom enttäuschten Bräutigam der Schlüssel zur Antwort auf unsere Fragen:
– Warum muss gerade unsere Generation so stark abbauen, einschränken, zurücknehmen, auflösen, umstrukturieren?
– Was haben wir falsch gemacht?
– Sind wir vielleicht nicht glaubwürdig genug, wie wir Kirche aufstellen?
– Sind wir etwa unglaubwürdige Zeugen des Evangeliums? Trifft uns daher Gottes reagierender Zorn?
– Hat Gott uns fallen gelassen und pflegt er seine Kirche nicht mehr?
Ich gestehe, dass ich in Situationen meines Lebens, in denen mich die Reue über Schuld, Fehlverhalten und Angst vor Folgen und Liebesentzug sowieso schon niederdrückte, diesen Eiseshauch als verdiente Reaktion Gottes geglaubt habe. Meine Schuld und als Folge auch der erbarmungslose Rückzug meines Gottes, das drohte mir dann den Boden unter den Füßen völlig wegzuziehen.
Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Dieses Wort der Heiligen Schrift zeigt uns einen anderen Gott als den sogenannten „lieben“. Hier redet kein gefühlloser, unwandelbarer, unberührbarer Gott, keiner, der unser Harmoniebedürfnis kosmisch befriedigt und die Projektion unserer Wünsche in die Allmacht Gottes darstellt. Der Gott dieses Weinbergliedes kennt Angst, Sorge, Verletzung, Wut und Enttäuschung, denn er ist einer, der Antwort haben will, der unser Schweigen, unseren Lebensunsinn nicht erträgt. Ein Gott, dessen Liebe enttäuscht wird und der darauf reagiert.
Denn in diesem Lied geht es eigentlich nur um die Liebe. Auch die zornige Reaktion Gottes ist eingerahmt in die Liebe. Jesaja singt ein Liebeslied. Er singt vom Schmerz der Liebe, vom Schmerz der Liebe Gottes. Vielleicht ist es uns aus anderer Perspektive so vertraut, weil ja der Schmerz, die dunkle Seite der Liebe und ihrer Rätselhaftigkeit, auch uns vertraut ist.
Dieses Wort der Heiligen Schrift ist ein Liebeslied, sogar mit eindeutig erotischem Unterton. Der Prophet hat dieses Lied vermutlich bei einem ausgelassenen Fest, dem Laubhüttenfest, dem Fest des Erntedanks und der Erinnerung an Gottes erwählende Zuwendung gesungen. Der Weinberg, das ist ein allen Zuhörern vertrautes Bild für die Braut. An vielen Stellen der Bibel, besonders im Hohen Lied, ist der Vergleich des Weinbergs mit einer Braut, mit einer geliebten Frau überhaupt, gewählt, und wenn einer in dieser Weise von seinem Weinberg singt, geht es um ein erotisches Verhältnis. Und so wie einem enttäuschten Bräutigam geht es Gott mit uns. Es singt von Gottes enttäuschter Liebe zu uns, aus der sein Zorn resultiert.
Und so führt trotz allem auch in diesem Lied der Schmerz Gottes über seine enttäuschte Liebe nicht zu Hass und Vergeltung.
Wie nahe kommt uns Gott, der Liebhaber des Lebens, dass er eingesteht: Auch ich kann hier nichts mehr tun. Selbst in seiner Enttäuschung bleibt er uns nahe.
Und so gibt es Phasen in unserem Leben, in denen wir vom Leben und von uns selber enttäuscht, uns selber überlassen sind, ganz auf uns selbst zurückgeworfen, wo wir nur noch uns selber haben. Dann warten wir vergeblich darauf, angesprochen zu werden, angesehen, berührt, herausgeholt zu werden aus unserer Menschen-, Welt- und Gottverschlossenheit. In hilf- und schutzloser Einsamkeit hören wir kein Wort und finden keinen Blick. Wüste, Dornen und Disteln, auch das gehört zu unserem Leben, auch zu unseren Glaubenserfahrungen als Gotteserfahrungen. Zur Liebe und zum Glauben, das lehrt uns das Weinberglied, gehört auch die Passion.
Und hier möchte ich den eigentlichen Schlüssel zum Lied von Gott, dem enttäuschten Liebhaber seiner Braut finden. Gott selber ist in das Gelingen seiner Liebe unendlich und unwiderruflich verliebt. Das nenne ich Gottespassion.
So dienen sein Zorn, seine Unterlassung von Zuwendung, seine Emotionen letztlich auch wieder nur dazu, den Bann der bitteren Erfolglosigkeit zu brechen. Gott geht selber unseren Passionsweg der Liebe, deren „Umsonst“ nicht endgültig ist, weil es für Gottes Gnade und Erbarmen kein Zu-spät und kein Aus und Vorbei gibt.
Jesus zeigt uns, dass Gottes Liebe ins Gelingen verliebt ist, dass er selber sich ins Leid der Welt begibt, damit der Schatten des Umsonst und des vernichtenden Zorns, die Dornen und die Wüste unseres kleinen Lebens und des ungeheuren Leides der Welt nicht das letzte Wort haben.
Das Lied vom Schmerz und der Liebe Gottes wird weiter gesungen, auch in der Heiligen Schrift. Dort gibt es dann das Lied vom lieblichen Weinberg, den Gott Tag und Nacht behütet (Jesaja 27, 2-5). Und es gibt in der Parabel von den Arbeitern im Weinberg das Lied vom überraschend großzügigen und seine Liebe völlig unverdient und nicht berechnend austeilenden Gott (Matthäus 20, 1-15). Gott bleibt auch in seinem Zorn uns zugewandt, so berechtigt sein Zorn auch ist. Er bleibt der zuvorkommende, überlebende Gott, der gute Hirte unseres Lebens, das wahrlich nicht einfach ist in dieser immer rätselhafteren Welt.
Niemand hat das welt- und lebenserfahrener beschreiben können als Martin Luther. Seine Worte weisen den Weg aus dem Umsonst und der Angst zur dankbaren Freude an Gottes hilfreicher Nähe.
Luther sagt in Auslegung des Wortes aus dem Johannes-Evangelium vom guten Hirten Jesus: „Wenn du diesen Hirten kennst, so kannst du wider Teufel und Tod dich schützen und sagen: Ich habe ja leider Gottes Gebote nicht gehalten; aber ich krieche dieser lieben Henne, meinem lieben Herrn Christo, unter ihre Flügel und glaube, dass er ist mein lieber Hirte, Bischof und Mittler vor Gott, der mich deckt und schützt mit seiner Unschuld und schenkt mir seine Gerechtigkeit; denn was ich nicht gehalten habe, das hat er gehalten, ja, was ich gesündigt habe, das hat er mit seinem Blute bezahlt. Sintemal er ist nicht für sich, sondern für mich gestorben und auferstanden, wie er denn hier spricht: Er lasse sein Leben nicht für sich, sondern für die Schafe. Also bist du denn sicher, und muss dich der Teufel mit seiner Hölle zufrieden lassen; denn er wird freilich Christo nichts anhaben können, der ihn schon überwunden und dich, so du an ihn glaubst, schützt und erhält.“
Darauf lasst uns trauen!

Gottesdienst von Sonntag, den 21.02.2021

Predigt von Hans-Peter Hellmanzik, 21.02.2021

VERRAT

Evangelium nach Johannes 13, 21 – 30

Als Jesus das gesagt hatte,
war er im Innersten tief erschüttert.
Er erklärte ihnen: »Amen, amen, das sage ich euch:
Einer von euch wird mich verraten.«
Da sahen sich die Jünger ratlos an
und fragten sich: »Von wem spricht er?«
Einer von seinen Jüngern, den Jesus besonders liebte,
lag bei Tisch an der Seite von Jesus.
Ihm gab Simon Petrus ein Zeichen.
Er sollte Jesus fragen, von wem er gesprochen hatte.
Der Jünger lehnte sich zurück zu Jesus und fragte ihn: »Herr, wer ist es?«
Jesus antwortete:» Es ist der, für den ich ein Stück Brot in die Schüssel tauche und dem ich es gebe.« Er nahm ein Stück Brot, tauchte es ein und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot.
Sobald Judas das Brot genommen hatte, ergriff der Satan Besitz von ihm.
Da sagte Jesus zu ihm:» Was du tun willst, das tue bald!« Von den anderen am Tisch verstand keiner, warum Jesus das zu Judas sagte. Weil Judas die Kasse verwaltete, dachten einige, dass Jesus zu ihm gesagt hatte: »Kauf ein, was wir für das Fest brauchen.«
Oder sie dachten: Jesus hat ihm aufgetragen, den Armen etwas zu geben.
Als Judas das Stück Brot gegessen hatte, ging er sofort hinaus.
Es war aber Nacht
.

Biblische Rede

Und wo genau besteht denn der „Verrat“ – was hat Judas überhaupt „verraten“?

Nach dem, was wir nach Aktenlage sagen können, kommt nur eines in Frage: Er hat der Miliz der Hohenpriester und den Römern den entscheidenden Wink gegeben, wann und wo sie Jesus ohne Aufsehen verhaften können.
Und er hat ihnen in der Dunkelheit im Garten signalisiert, welcher der Männer Jesus ist – indem er ihn ganz einfach begrüßte, wie es unter Freunden üblich ist.

Ob das nun ein richtiger Verrat ist, lassen wir mal dahingestellt sein. Früher oder später wäre der Moment doch gekommen, auch ohne die Mithilfe des Judas.
Und wegen des Geldes hat er es wohl nicht getan.
Er muss wohl einen anderen Grund gehabt haben. Aber welchen?

Nun sind wir aufs Kombinieren angewiesen.

Wie es aussieht, hat Judas von Jesus erwartet, was viele seiner Anhänger erwarteten: Sie hofften, Jesus würde eine Streitmacht sammeln, welche die Römer aus dem Land treibt.
Und dann würde er das alte Reich seiner Vorfahren David und Salomo restituieren und als dessen König herrschen.

Ein Missverständnis also? Nach allem, was wir wissen, wollte Jesus alles, nur keinen politischen Umsturz. Er sagt schließlich: „Das Reich Gottes ist inwendig in euch.“

Nun könnte man schlussfolgern, dass Judas Jesus „ans Messer liefern“ wollte, als er verstand, dass Jesus etwas völlig anderes wollte als er.

Das wäre eine Möglichkeit.
Es käme aber auch die andere Möglichkeit in Frage: Judas hält Jesus für zu zögerlich und will ihn drängen, endlich ernst zu machen.
Denn wenn ein Verhaftungskommando anrückt, dann wird er doch wohl den Befehl geben, loszuschlagen.
Er wird sich doch nicht verhaften und fesseln lassen, wie ein lahmer Esel!

Und da sind wir dann an der Stelle, wo wir schlussfolgern müssen: So oder so – Judas hat einfach ein falsches Bild von Jesus.
Er meint, Jesus müsse als göttlicher Held auftreten, und die Welt müsse sich durch ihn grundlegend ändern.
Er kann sich nicht vorstellen, dass in Jesus Gottes Hilfe verborgen zu uns kommt, mitten in unsere alte Welt, ohne dass wir es zunächst wahrnehmen können.

Bingo! Genau das ist es. Und uns bleibt nur zu vertrauen, dass die Sache Gottes nicht offensichtlich ist, nicht nachweislich, sondern verborgen, kryptisch. Uns bleibt nur das Vertrauen auf eine Zusage.

Ich weiß, liebe Gemeinde, damit haben wir die Judas-Frage nicht vollständig abgehandelt. Es bleiben Fragen. Etwa die: Wer ist Judas Iskariot wirklich???

Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns einig sind, wenn ich sage: Judas, das bist du und ich!
Jeder und jede von uns ist Judas.
Wir können auch sagen: Judas wohnt in dir und mir und in einem jeden von uns.
Vergiss nicht, wir lesen bei Johannes: „Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.“
Jeder der Zwölf hält es für möglich, dass er es sein könnte!

Weil wir hier alle irgendwie gleich sind!
Weil wir nicht wirklich damit zurechtkommen, dass Gott sich uns entzieht und sich verbirgt. „Deus absconditus“, der verborgene Gott, das ist im Denken von Nikolaus von Kues, von Blaise Pascal, von Johannes Calvin und Martin Luther von zentraler Bedeutung.

Der verborgene Gott, das ist gleichzusetzen mit dem Weltgeheimnis schlechthin.

Wir würden es nicht überleben, so ist die Botschaft der Bibel, wenn er sich offen zeigen würde. Wir würden zusammen mit der gesamten Welt augenblicklich zu Asche zerfallen.
Deswegen verbirgt er sich in Leben und Sterben Jesu.

Ja, ich weiß, an diesem, „Versteckspiel“ kann man regelrechtverzweifeln und zerbrechen.
„Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht.“ So textet Schalom Ben Chorin in seinem Lied „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und grünt…“

Soviel Leid und Elend, soviel Hunger und Verzweiflung, soviel Brutalität und Ungerechtigkeit…

Und der Himmel schweigt dazu!

Und nun also noch Corona – die Jahrhundertpandemie.

Weiß Gott das?
Weiß er, dass man sich wünscht, er würde endlich einmal offen auftreten – und belohnen und bestrafen?
Weiß er, dass man dafür sogar einen Verrat begehen würde?
Einen Verrat an diesem Versteckspiel, das er mit uns treibt – durch Jesus?

Ja, ich glaube er weiß es.
Das kann ich sagen und verantworten.
So weit gehe ich.
Aber ich glaube auch, Gott wird das Versteckspiel erst an jenem Tag beenden, wenn wir „nichts mehr fragen“ werden.

Wann das sein wird?

Nicht diesseits der Todesgrenze.

Und nun nehmen wir einmal an, es ist so, wie wir das bis hierher entwickelt haben: Kann Judas dann verdammt sein?
Ich meine, wir wären es dann ja auch. Haben wir nicht festgehalten: Judas, das sind wir, du und ich.

Ja, das habe ich gesagt.
Aber wie kommst du darauf, dass Judas verdammt sei?

Heißt es nicht in bei Matthäus an genau dieser Stelle: „Weh dem Menschen, durch welchen der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.“

Und auch in unserem Johannesevangelium heißt es: „Als er den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn.“

Was also fangen wir damit an?
Es hilft alles nichts, liebe Gemeinde, hier merken wir, welche Theologie einem Text wie diesem zugrunde liegt. Wir müssen nicht glauben, dass das die Worte Jesu sind. Oder dass es in seinem Sinn wäre. Es ist eine spätere Deutung, die ins Evangelium eingetragen wurde.

Tief verborgen in diesem Text können wir erfahren, dass Jesus dem Judas schon die Tür aufgemacht hat, dass er zurückkehren kann.

Er wird diese Sache mit Judas noch in Ordnung bringen. Und die Sache mit dir und mir.

„Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.“

Hört sich an wie eine Abendmahlsszene.

Und genau das ist es auch. Das Abendmahl ist immerhin . . .

. . . Vergebung der Sünde, Feier der neuen Schöpfung und Gemeinschaft.

Und für uns heißt das: Wenn wir das Abendmahl feiern und glauben, dass er in Brot und Wein zu uns kommt, dann können wir uns darauf verlassen: Wir sind schon schon in der Gottesgemeinschaft.

Wir müssen also nur die Hand aufhalten und den Mund aufmachen?

Nur das. Damit ist alles getan.

Gottesdienst am Sonntag, den 14.02.2021

Gottesdienst zum Mitnehmen
Estomihi – 14.02.2021

Liebe Gemeinde,
schön, Sie auch heute wieder auf diese schriftliche Weise begrüßen zu dürfen. Normalerweise machen die Blumenläden heute am Valentinstag, dem Tag der Liebe oder Verliebten, große Umsätze. Ob das unter den diesjährigen Bedingungen auch so ist, bleibt abzuwarten. Vermutlich fallen die Umsätze deutlich kleiner aus. Zumindest die Straßen dürften für die gekühlten Blumentransporte aus den Niederlanden inzwischen frei sein. Auch heute im Gottesdienst spielt die Liebe eine wichtige Rolle. Lassen Sie sich überraschen, was der Prophet Jesaja dazu zu sagen hat.

Gebet:
Guter Gott, in deinem Sohn bist du in unsere Welt gekommen. Du hast mit Menschenaugen in die Welt geschaut, hast mit uns gelacht und geweint. Du hast uns vorgelebt, was Nächstenliebe ist. Lass uns deine Liebe bewahren und an unsere Mitmenschen weitergeben. Lass unsere Taten füreinander von Herzen kommen und voller Freude sein. Darum bitten wir dich, du Quell des Lebens und der Liebe. Amen.

Lesung Jesaja 58,1-9:
Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. 3»Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen? «Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat? 6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Impuls
Liebe Gemeinde, beim Lesen von Beiträgen auf Instagram letzte Woche stieß ich auf Werbung aus der Autostadt Wolfsburg. Die Restaurants dort boten ein edles Valentinsmenü für 2 Personen an. Das Menü würde von den Restaurants fast fertig gekocht werden und muss zu Hause dann nur noch für ein paar Minuten in den Ofen. Nach einigen letzten Handgriffen wäre das Essen dann fertig. Essen wie im Restaurant nur für zu Hause. Nur muss man es leider in der Autostadt abholen. Durch den Lockdown ist am heutigen Valentinstag vieles anders. Restaurants haben zu und können nur außer Haus liefern. Auch Blumensträuße in den Blumenläden gibt es nur nach Vorbestellung und kontaktloser Übergabe. Geschäfte für kleine Geschenke haben auch nicht auf. Nur die Pralinenpackung aus dem Supermarkt, die geht auch jetzt. Valentinstag, der Tag für Verliebte. Und was machen alle anderen? Unsere skandinavischen Nachbarn feiern diesen Tag etwas anders. In Finnland heißt der 14. Februar „Ystävänpäivä“, also einfach „Freundschaftstag“ und in Schweden „Alla hjartans dag“, „Allerherzenstag“ mit der Betonung auf »aller“. Dort beschenken sich nicht nur die Liebenden, sondern man verschickt Grüße an all die Menschen, denen man sich verbunden fühlt. Freundschaftstag, Allerherzenstag oder eben Valentinstag, dieser Tag kann Erwartungen an einen stellen. Das Zeichen der Liebe zur Pflicht werden. Die Erwartungen des Partners, der Partnerin wollen erfüllt werden. Taten aus Pflichtgefühl machen dabei jedoch weder froh noch glücklich. Das lässt sich bei Astrid Lindgren in „Die Kinder aus Bullerbü“ nachlesen:
„Als wir im Herbst wieder mit der Schule angefangen hatten“, sagte die Lehrerin eines Tages, „wir sollten uns immer bemühen, andere Menschen glücklich zu machen. Niemals aber sollte man etwas tun, wovon Menschen unglücklich werden könnten.“ Die achtjährige Lisa und ihre Freundin Inga wollen sofort loslegen. Das Schlimme war nur, sie wussten nicht genau, wie sie es anstellen sollten. Sie probieren es den ganzen Tag lang. Den gebrechlichen Großvater etwa nötigen sie zu einem Spaziergang, aber glücklich ist er erst, als er danach endlich friedlich im Bett liegen darf. Das Hausmädchen ist froh, wenn die Kinder aus dem Weg sind. Auch die Mutter will sich nicht helfen lassen. Die Mädchen scheitern mit allen Bemühungen, Menschen zu beglücken, und fragen noch einmal nach. Die Lehrerin sagte, „es sei oft so wenig dazu nötig. Man könne einem alten Menschen, der einsam und krank sei, ein Lied vorsingen, oder einem, der niemals Blumen bekäme, einen schönen Strauß bringen, oder mit jemandem, der sich einsam und verlassen fühlte, freundlich sprechen.“ Die beiden Mädchen besuchen also eine kranke Frau und singen so lange, bis diese aus dem Bett und dem Haus in den Garten flüchtet. Sie pflücken einen großen Strauß Heidekraut für den Knecht und finden die Blumen später auf dem Dunghaufen wieder. Niemand möchte etwas von ihren unerwünschten Wohltaten wissen. Enttäuscht beschließen beide: „Jetzt ist endgültig Schluss damit. Ich will keinen Menschen mehr glücklich machen!“ Und dann tun sie es doch – in dem Moment, in dem sie nicht mehr darüber nachdenken und aus Liebe ihr Liebstes hergeben. Als sie erfahren, dass eine Klassenkameradin für lange Zeit krank ist, schenkt ihr die eine ihre schönste Puppe und die andere ihr Lieblingsbuch. Wie staunen sie, als sie spüren, dass sie selbst in diesem Moment sich beschenkt und beglückt fühlen. Guten Taten aus Liebe, aus dem Herzen heraus machen alle glücklich. Den Beschenkten und einen selbst. Auch der Prophet Jesaja versucht Israel diese Tatsache deutlich zu machen. Er nutzt dafür das Thema „Fasten“. Wer faste und seine Untergebenen knechte und sich zanke, mache es falsch. An so einem Fasten habe Gott keinen Gefallen. Auch Gott hat Gefallen an Taten der Liebe. Denn „heißt es nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen“, sagt der Prophet Jesaja. Auch Gott wünscht sich keine halbherzigen Taten aus Pflichtgefühl. Er möchte Taten, die von Herzen kommen, wie jeder Beschenkte. Dieser Gedanke verbindet für mich den heutigen Valentinstag mit dem Predigttext und der kommenden Passionszeit. Es geht bei allem um Taten, die von Herzen kommen. Es geht nicht um Geschenke oder einem Fasten aus Pflichtgefühl heraus. Beides macht nicht glücklich. Es geht um Taten, die von Herzen kommen. Einem Handeln, das es auch wirklich ernst meint. Versuchen Sie sich doch heute oder in der kommenden Passionszeit mal an so einer Tat von Herzen. Ich werde meinem Mann jetzt mal für eine halbe Stunde unseren Sohn abnehmen, damit er in Ruhe einen Kaffee trinken kann. Eine kleine Alltagsfreude für ihn. Mögen auch Sie heute oder in den kommenden Tagen mit einer Herzenstat beschenkt werden. Amen.

Fürbittengebet
Du Gott der Barmherzigkeit, deine Liebe richtet uns auf und eint.
Deine Liebe heilt die Wunden der Welt.

Wir bitten dich: Sei barmherzig, ermutige und schütze mit deiner Liebe alle, die in Not sind.
Behüte die Obdachlosen und Flüchtlinge in der Kälte.
Hilf denen, die wegen der Pandemie ihre Arbeit verloren haben oder in Kurzarbeit sind.

Wir bitten dich: Sei barmherzig, mahne mit deiner Liebe die Mächtigen.
Lass sie ihre Verantwortung erkennen.
Stärke sie in ihrem Bemühen gut abzuwägen und kluge Endscheidungen für uns alle zu treffen.

Wir bitten dich: Sei barmherzig und hülle ein in deine Liebe unsere Kranken, die Sterbenden und Trauernden;
und hülle ein in deine Liebe alle, die zu uns gehören und uns lieb sind.
Du bist die Liebe, dir vertrauen wir uns durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn an.

Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen:
Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pastorin Nina Junghans.

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Gottesdienst am Sonntag, den 7. 02.2021

Gottesdienst am 7. Februar 2021 von Hans-Peter Hellmanzik, Pastor i. R., Bad Bevensen

Liebe Leser:innen,
auch wenn wir uns noch nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen können, so dürfen wir doch in einem gedachten Miteinander Gottesdienst feiern. Heute am 2. Sonntag vor der Passionszeit. In diesen bitteren Zeiten sind wir mehr denn je angewiesen auf die stärkende und befreiende Gegenwart Gottes. Wir sehnen uns danach, aufatmen und Ruhe finden zu können bei unserm Gott. Ruhe für unsere Seele. Und Kraft für den Alltag.

Das Leitwort für die neue Woche ist dabei ein richtig guter Ansporn:

„Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebr 3, 15)

Schriftlesung Lukas 8, 4 – 8

Eine große Volksmenge versammelte sich um Jesus, und aus allen Orten strömten die Leute zu ihm. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis: »Ein Bauer ging aufs Feld, um seine Saat auszusäen. Während er die Körner auswarf, fiel ein Teil davon auf den Weg. Die Körner wurden zertreten, und die Vögel pickten sie auf. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden. Die Körner gingen auf und vertrockneten schnell wieder, weil sie keine Feuchtigkeit hatten.Ein weiterer Teil fiel zwischen die Disteln. Die Disteln gingen mit auf und erstickten die junge Saat. Aber ein anderer Teil fiel auf guten Boden. Die Körner gingen auf und brachten hundertfachen Ertrag.« Dann rief Jesus noch:» Wer Ohren zum Hören hat, soll gut zuhören.«

Seelenlandschaften…

…sind es, die sich auftun, wenn Jesus Geschichten erzählt. Sie spielen oft mitten im Alltag seiner Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Leute haben sofort vertraute Bilder vor Augen oder einen vertrauten Duft in der Nase, oder sie hören Geräusche und Klänge, die sie gut kennen. Wir hören diese Geschichten heute sicher anders, weil die Bedingungen sich geändert haben. Wir leben und arbeiten ganz anders als die Menschen um Jesus damals.

Mir kommt es so vor, als hätten diese alten Geschichten gerade in dieser von einer schrecklichen Pandemie gezeichneten Welt eine enorme Kraft, unser Herz und unsere Sinne anzusprechen. Schaut mal, welche Bilder oder Klänge in Euch auftauchen, wenn Ihr sie hört, die alte Geschichte.

Da geht Jesus mit einem Landwirt, sagen wir mit Helmut Evers, den ich vor kurzem im NDR-Fernsehen erlebt habe, oder mit Heinrich Meyer oder mit Friedrich-Wilhelm Heuer hier am Rand von Wahrenholz über die Felder spazieren. Und während sie da so laufen, sagt dieser Landwirt zu Jesus: „Hör mal, ich fand das gerade wieder so beeindruckend, was Du vorhin erzählt hast! Wenn Du redest, dann kommt mir das manchmal vor, als wenn der Himmel aufgeht. Da wird mir so vieles klar. Ich frag mich nur: Warum kriegen das nicht noch viel mehr Leute mit? Um es mal mit Deinen Worten zu sagen: Warum essen nicht viel mehr Leute das Brot, das Du ihnen gibst?“ –

„Da gibt’s viele Gründe“, sagt Jesus. Und dann schaut er sich um an der Stelle, wo die beiden gerade laufen, und sagt: „Stell Dir mal einen Bauern vor, der genau hier im Frühjahr über die Felder geht und aussät.“ – „Da brauch ich nicht viel Phantasie“, sagt der Mann. – „Genau“, sagt Jesus, „Du weißt, wie das ist. Also, dieser Bauer nimmt sein Saatgut und geht über seinen Acker und wirft es mit vollen Händen in alle Richtungen.“ – „Moment mal“, sagt der Landwirt, „das würde ein kluger Landwirt nicht so machen. Der würde schon gucken, wo er das kostbare Saatgut hinwirft.“ – „Ja!“ lacht Jesus. „Genau! Du hast völlig Recht! Jeder vernünftige Landwirt würde das so machen. Aber der, von dem ich Dir erzähle, der macht das anders. Der wirft das mit vollen Händen in alle Richtungen.“ – „Das klingt nicht sehr wirtschaftlich“, meint unser Mann etwas irritiert. „Stimmt“, sagt Jesus. „Aber so ist er nun mal! Misst nicht genau ab, rechnet auch nicht nach, der schüttet das, was er zu geben hat, einfach so über die Erde.“ Unser Wahrendorfer Landwirt schaut ein bisschen verständnislos und Jesus fragt ihn freundlich: „Und jetzt sag mir mal: Was passiert, wenn einer das Saatgut so übers Land wirft?“ – „Das ist doch klar“, sagt der Mann, „es landet längst nicht alles da, wo es was bringt!“ – „Ganz genau!“, sagt Jesus. „Jetzt schau Dir mal den Boden an, auf dem wir gerade gehen. Wo wird hier was wachsen um uns herum?“ – „Ist auch klar“, sagt der Mann, „da vorne ist guter Mutterboden, da wird einiges wachsen. Da drüben sind nur Steine, da wächst schon mal gar nichts. Und da hinten, da sind die dichten Sträucher und die Disteln, da ist keine Luft, kein Licht. Da kommt nichts. Ja und hier natürlich auch nicht. Da ist der Wanderweg, da laufen jeden Tag zig Leute drüber, da wird der Boden immer neu festgetreten – keine Chance.“ – „Ja!“ sagt Jesus. „Und genau so ist das bei vielen Leuten, wenn ich ihnen vom offenen Himmel erzähle. Da sind zum Beispiel manchmal Leute, die wissen immer schon alles von Gott. Die kennen ihn ganz genau, als wenn sie gerade mit ihm gefrühstückt hätten. Die wissen ganz genau, wie Gott ist und was er will und was man machen muss, wenn man ihm nahe sein will. Die sagen um Beispiel: Gott ist nur bei denen, die zur richtigen Gemeinschaft gehören und die die richtigen Sätze unterschreiben. Er liebt nur die, die sich an die Regeln halten. Und wenn einer die Kurve nicht kriegt, wenn er irgendwie aus der Bahn geworfen ist, dann hat er halt Pech gehabt, dann ist er draußen. Haben wir doch immer schon so gelernt! Sagt unsere Tradition schon immer! Wo kämen wir denn hin, wenn das aufgeweicht wird? Verstehst Du? Das ist wie auf so einem festgetretenen Weg.

Und dann komme ich hier plötzlich und erzähle ihnen von einem Vater im Himmel, unter dessen gütigem Blick wir alle leben und der seine Sonne aufgehen lässt über Gerechte und Ungerechte. Das prallt so an denen ab.“ – „Ich verstehe“, sagt der Landwirt. „Oder“, sagt Jesus, „oft sind da auch Leute, die wissen schon von vornherein, dass das alles nur Unfug sein kann, was ich erzähle. Die sagen: Was Du da sagst, das ist ein schöner Traum, eine Illusion. Schau Dir die Welt doch an, schau Dir an, was die Wissenschaft alles rausgefunden hat! Da ist kein Platz für Deinen gütigen Vater im Himmel. Der ist ein Märchen.“ – „Na ja“, sagt der Mann, „das kann man ja noch verstehen.“ – „Ja“, antwortet Jesus. „Aber auch da merkst Du, dass sich das bei vielen so verfestigt hat wie der Boden hier unter unseren Füßen. Da ist keine Offenheit mehr für was Überraschendes, da ist kein Spalt, wo ich vielleicht etwas Neues hineinlegen könnte, einen neuen Gedanken, eine neue Erfahrung mit diesem Gott, oder wenigstens ein bisschen Offenheit dafür, dass es vielleicht doch mehr geben könnte als man erforschen und nachweisen kann. Um dann einfachmal zu schauen, was passiert.“ – „Verstehe“, sagt der Landwirt ziemlich nachdenklich. Und betrachtet schweigend den Weg, auf dem die beiden gerade weitergehen.

Der Weg macht eine kleine Biegung und Jesus sagt weiter: „Und dann begegnen mir Leute, da habe ich das Gefühl: eigentlich würden die gerne einen Spalt ihrer Seele öffnen, um da ein Körnchen reinzulassen. Aber sie trauen sich nicht. Weil sie schon zu viel erlebt haben. Sie haben sich schon mal geöffnet, und sie haben es bitter bereut. Irgendjemand hat ihnen weh getan, irgendwer hat sie enttäuscht oder verletzt. Vielleicht mehrere Male. Vielleicht sogar jemand aus ihrer Gemeinde oder Kirche. Irgendwer hat ihr Vertrauen missbraucht oder sie bloßgestellt oder alleingelassen oder irgendwas anderes. Es gibt so viele Wege, einen Menschen zu verletzen. Und jetzt sagen diese Leute: Das passiert mir nicht noch mal! Eher mauer ich mir das Herz zu, als dass ich da noch mal jemanden dran lasse! Ich mach mich nicht mehr verwundbar!“ – „Tja“, sagt der Landwirt, „auch das verstehe ich gut.“ – „Na klar“, sagt Jesus. „Nur, wenn Du das machst, wenn Du eine Mauer um Dein Herz baust, um es zu schützen, dann hältst Du eben nicht nur das von Dir fern, was gefährlich ist. Du wehrst auch das ab, was Dir guttun könnte, was Dich befreien könnte, was Dich heilen könnte!“ – „Die Steine da“, sagt der Mann. „So ähnlich ist das dann.“ –

„Ganz genau“, sagt Jesus. „Und das tut mir immer besonders weh, wenn ich sehe, wie Menschen das abblocken, was sie heilen könnte.“ – „Als wenn einer zu seinem Arzt sagen würde: Mach bloß nichts bei mir, Du willst mich ja sowieso nur vergiften“, sagt der Landwirt.

„Genauso“, sagt Jesus. „Schönes Bild!“ Und beide betrachten schweigend die Steine, während sie weitergehen.

Der Weg wird jetzt ein Stück steiler. Und Jesus sagt: „Und dann treffe ich manchmal Leute, die sind ganz offen und interessiert, und wenn ich mit denen rede, dann merke ich: da kommt was rüber, da kommt was an, die nehmen gerne was in sich auf und würden es gerne wachsen lassen. Aber dann triffst Du sie eine Weile später wieder und merkst: Da sind inzwischen tausend andere Dinge passiert, und die sind alle wichtiger. Irgendwas zu Hause, irgendwas bei der Arbeit, irgendwas Schönes oder Spannendes oder auch Schreckliches, die sind voll mit tausend Sorgen und Geschichten, da ist überhaupt kein Platz für einen neuen Gedanken, der sich da langsam entfalten könnte. Denn was ich den Leuten bringe, das muss langsam wachsen. Wie die Saat auf Deinen Feldern! Das braucht Zeit und das braucht auch Platz – und einiges an Aufmerksamkeit! Und da muss immer wieder neu das Licht der Sonne dran. Wenn das so zugewuchert wird, dann geht es ruckzuck ein.“ – „Genau wie da unter den Büschen und Dornen“, sagt der Landwirt. „Da käme auch nichts hoch, das wäre direkt vorbei.“ – „Ja“, sagt Jesus, „wie da drüben!“ Und beide betrachten die Büsche, an denen sie gerade vorbeigehen.

Langsam senkt sich der Weg wieder ein bisschen. „Ich glaube, mir wird einiges klar“, sagt der Landwirt. „Aber sag mal: Ist das nicht sehr enttäuschend, wenn da einfach nirgendwo was wächst, da nicht und da nicht und da auch nicht …“ – „Sicher“, sagt Jesus. „Aber jetzt schau dich hier noch mal um!“ – Der Mann bleibt stehen, guckt sich um, zuckt die Achseln. „Hilf mir mal auf die Sprünge. Ich weiß grad nicht, was Du meinst.“ – „Wir haben uns jetzt die ganzen Stellen angesehen, wo nichts aufgehen würde“, sagt Jesus. „Jetzt schau mal da vorne hin! Und dort!“ –

„Oh ja“, sagt der Landwirt. „Fruchtbare Erde!“ – „Und zwar eine ganze Menge“, sagt Jesus. „Und du bist der Experte, dir brauch ich nicht zu erzählen, was passiert, wenn da was drauf fällt!“ –

„Wenns regnet,“ sagt der Mann, „dann geht das alles wunderbar auf! In guten Jahren hast du da eine reiche Ernte!“ – „Ja“, sagt Jesus, „und genau das erlebe ich auch immer wieder: Dass was aufgeht! Dass was fruchtet in den Herzen der Leute! Dass etwas Neues wächst. Und das ist dann nicht nur für die Menschen selber, in denen das geschieht. Das geht weiter! Viel weiter! Und dann weiß ich ganz genau: Es ist richtig, es lohnt sich, mit vollen Händen auszuteilen! Es wird immer wieder etwas auf fruchtbaren Boden fallen.“ Der Landwirt nickt. Und beide bleiben stehen und betrachten eine Weile das ganze fruchtbare Land um sich herum.

Die beiden haben inzwischen fast den ganzen Weg zwischen den Feldern hinter sich und gehen langsam auf den Waldrand zu. Unser Wahrenholzer Landwirt schweigt eine Weile nachdenklich vor sich hin. „Was ist?“ fragt Jesus. „Wo bist Du gerade?“ – Der Mann schaut ihn an und sagt: „Ich überlege gerade, was für ein Boden ich wohl bin.“ – „Und?“ fragt Jesus. – „Also, ich wäre ja gerne guter, fruchtbarer Boden, durch und durch, von oben bis unten. Aber wenn ich mal ganz ehrlich hinschaue, dann merke ich: ich hab von allen vier Böden was in mir drin. Ich hab was von den Büschen und Disteln, ich merk selber, wie das immer wieder wuchert, wie ich voll bin mit tausend Dingen, und dann ist da kein Platz. Dann höre ich heute was Spannendes und morgen oder übermorgen ist es schon wieder weg. Oder ich denke: Ja, genau, so könnte man leben, das könnte man doch mal probieren! Und am nächsten Morgen denke ich schon wieder: nee, das geht doch nicht, kann man doch nicht machen …“ – „So ist das“, sagt Jesus. –

„Und ein paar Sachen hab ich ganz tief in mir drin – da lass ich auch keinen ran.“ – „Auch den guten Sämann nicht“, sagt Jesus. – „Nee, auch den nicht“, sagt der Landwirt. – „Ich weiß,“ sagt Jesus. – „Und das mit dem festgetretenen Weg … da weiß ich nicht so richtig … da muss ich noch mal drüber nachdenken.“ – „Ja,“ sagt Jesus. „Auch da wirst Du was finden.“ – „Also hab ich was von allem,“ sagt der Mann. „Von den Steinen, von den Dornen, vom Weg …“ – „… und vom fruchtbaren Boden!“ ergänzt Jesus. „Vergiss den nicht!“ – „Und was mach ich jetzt damit?“ fragt der Landwirt. „Etwas ganz Wichtiges hast schon gemacht“, sagt Jesus. „Du hast ehrlich hingeschaut. Jeder Mensch hat alle vier Böden in sich. Wenn auch unterschiedlich verteilt.

Und wenn Du das gesehen hast, dann ist wichtig: Starr nicht auf den unfruchtbaren Boden in dir! Verzweifle nicht an den Dornen in Deiner Seele! Dein Herz ist beileibe nicht aus Stein! Kümmere Dich um das fruchtbare Stück Land in Deiner Seele! Was kann auf diesem Boden noch wachsen? Es wird etwas aufgehen! Es ist schon etwas aufgegangen! Und es wird noch mehr aufgehen! Verlass Dich drauf!“

Unser Wahrenholzer Landwirt schaut Jesus noch eine Weile nachdenklich an. Dann nickt er, drückt Jesus die Hand, verabschiedet sich und geht seines Weges. Und ich bin sicher: Er tut das nachdenklich, aber auch fröhlich und gelöst.

Und wir, wir dürfen uns in ihm gerne wiederfinden in den Landschaften unserer Seele, mit den verschiedenen Ecken und Flächen, die da sind. Und unter dem gütigen Blick Gottes können wir unsere Seelenlandschaften genauso ehrlich betrachten. Und noch einmal genauer hinschauen: Was ist da an fruchtbarem Land in mir? Was wartet vielleicht nur darauf, dass es Frucht bringen kann? Was ist schon längst dabei, zu wachsen – und ich habs noch gar nicht gesehen? Und: Was kann ich selber tun, um das fruchtbare Land in mir zu pflegen und zu kultivieren?

Was kann Dünger sein für das Feld meiner Seele? Vielleicht, wenn ich mit Leuten rede, immer wieder, die mich auf gute, neue Gedanken bringen. Vielleicht, wenn ich ein Buch lese, das nicht einfach nur wiederholt, was ich sowieso schon denke und weiß. Vielleicht, wenn ich eine regelmäßige geistliche Übung einhalte, die meinem Rhythmus entspricht und die mich für einen Moment aus den tausend anderen Dingen herausholt. Oder wenn ich eine Musik höre, die etwas in mir öffnet. Oder manchmal schon, wenn ich für eine Weile ganz achtsam durchs Leben gehe und schaue, was mir da entgegenkommt. Es kann auch eine Aufgabe sein, die ich übernehme und die meinen Blick verändert auf die Menschen, die ich da treffe – und auf mich selbst.

Was kann Dünger sein für das fruchtbare Land in Euch? Achtet mal darauf in der kommenden Zeit! Und freut Euch an allem, was Ihr da entdeckt! Und wo wir’s selbst nicht hinkriegen, den Boden unserer Seele zu öffnen für Gottes heilsame Liebe, dann lasst uns ihn bitten, das selbst behutsam zu tun!

Und: lasst uns ihm dafür danken, dass er nicht müde wird, sein Saatgut auszuteilen, verschwenderisch und ohne zu nachzurechnen!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir begreifen, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!
Amen

Fürbitte

Auf dich vertrauen wir und legen in das Gebet, das Jesus selbst gebetet hat und bitten als seine Geschwister:


Vaterunser

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

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Hans-Peter Hellmanzik, P. i. R. stellt sich vor

Liebe Gemeindeglieder in Wahrenholz!
Ab Februar dieses Jahres bin ich von der Landeskirche beauftragt, für einige Zeit Ihren Pastor Lars-Uwe Kremer im Rahmen des Projekts „Gastdienste“ zu vertreten.
Gewiss interessiert es Sie, wer das ist, der während der Abwesenheit Ihres Pastors Sie ein wenig in dieser – leider noch von der Pandemie geprägten – Zeit begleiten wird.

Ich gehöre zum Noch-Kriegsjahrgang 1944. Mein Geburtsort ist Nikolaiken in Masuren. Nach der Flucht 1945 mit meiner Mutter und einer Odyssee danach, bin ich in der bayerischen Oberpfalz aufgewachsen, erlernte nach meiner Schulzeit zunächst den Beruf eines Kaufmanns im Groß- und Außenhandel und arbeitete in der Verwaltung der heimischen Kaolinindustrie, bis ich – nach einer persönlichen Glaubenserfahrung und dem damit einhergegangenen Aufbruch – insbesondere unter der Jugend – in der kleinen evangelischen Kirchengemeinde Hirschau – einer inneren Berufung zur Theologie folgte.
Nach dem Studium in Deutschland, der Schweiz und England, wirkte ich einige Zeit im evangelischen Verlagswesen in Frankfurt am Main als Lektor und Übersetzer theologischer Literatur. Ehrenamtlich widmete ich mich verschiedenen Randgruppen der Frankfurter Szene und zog als Jugend-Evangelist mit „Jugend für Christus“ durch Deutschland.
In diesen Begegnungen entdeckte ich den Sinn einer intensiven, am Dialog der verschiedenen Gruppen und Generationen ausgerichteten Gemeindearbeit mit vorzugsweise niederschwelligen Angeboten.
Meine erste Pfarrstelle war denn auch in Frankfurt am Main. Einer meiner Schwerpunkte war Ende der 60er Jahre die spannende Arbeit in der Rockerszene. Dankbar erinnere die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Entscheidungsträgern aus Politik und Gesellschaft der Stadt Frankfurt.
Der damalige Kieler Bischof Hübner lud mich – durch Medienberichte aufmerksam geworden – 1970 nach Schleswig-Holstein ein, wo ich in der Andreas-Kirchengemeinde Neumünster-Tungendorf unter anderem die umfangreiche Jugend- und Gemeindearbeit meines Vorgängers weiterentwickelte, die ins Land hinein ausstrahlte. (Siehe auch das Buch von Ulf Erdmann Ziegler, Wilde Wiesen, ISBN:978-3-8353-0275-4)
In den 80er Jahren bildete ich mich zum Psychotherapeuten weiter und erwarb das Diplom der Deutschen Paracelsus-Gesellschaft.
Vortragsreisen, zu denen ich eingeladen wurde und werde, führten mich an zahlreiche Orte in Deutschland, nach Belgien, Holland, Österreich, Frankreich, Schweiz und Kanada.
Die letzten 10 Dienstjahre Jahre bis zu meinem Ruhestand (2009) wirkte ich als Kurseelsorger und Gemeindepastor der Dreikönigs-Kirche in Bad Bevensen. Hier verbringe ich mit meiner Frau Ilona den „Ruhestand“, genieße es, anlässlich unserer traditionellen Familientreffen, mit meinen vier Söhnen über Gott und die Welt zu diskutieren und erfreue mich am Wachsen und Gedeihen unserer sechs Enkelkinder.
In der Kulturszene Bad Bevensen habe ich den Vorsitz der Kulturvereins inne. Bald 10 Jahre habe ich seit meinem Ruhestand im Stadtrat von Bad Bevensen mitgearbeitet.
Ehrenamtlich arbeite ich weiterhin in meiner Hannoverschen Landeskirche – örtlich und überörtlich – mit, neuerdings am kürzlich eingerichteten Projekt der Gastdienste, wie nun bei Ihnen. Sehr gerne singe ich im Ebstorf Singkreis der Kirchengemeinde mit. Gottesdienstvertretungen führen lassen mich die Vielfalt des Gemeindelebens unserer Landeskirche erleben.
So viel in aller gebotenen Kürze.
Ich freue mich, Ihnen zu begegnen, wünsche Ihrem Pastor vollständige Genesung und grüße Sie herzlich. Bleiben Sie gesund!
Ihr
Hans-Peter Hellmanzik, P. i. R.
 
Mein Lebensmotto:
»Liebe, und was du dann tun willst, das tu!«
(Nach Aurelius Augustinus)

Anmeldung Konfirmandenunterricht

Liebe Familien,
im Mai beginnt voraussichtlich der Unterricht für den nächsten Konfirmandenjahrgang. Wie Sie wissen, haben wir ein Unterrichtsmodell, das vom Zeitraum her auf ein Jahr begrenzt ist. Somit liegt das Alter der Jugendlichen bei Beginn in der Regel bei 13 Jahren, sie werden vermutlich die 7. Klasse besuchen.

Die Anmeldung zum Konfirmandenunterricht findet normalerweise in Verbindung mit einem Informationstreffen statt. Aber wie Sie alle wissen, ist uns die Corona-Pandemie gründlich dazwischengekommen.

Download Anmeldung

Das Anmeldeformular können Sie ausgefüllt im Pfarrbüro zu den Öffnungszeiten (dienstags 8.30.- 11.30 Uhr oder donnerstags 16.30 -18.30 Uhr) abgeben oder einfach in den Briefkasten an der Eingangstür einwerfen.
Auf dem Formular wird unter anderem das Taufdatum Ihres Kindes eingetragen. Auch ein Kind, das noch nicht getauft ist, kann am Unterricht teilnehmen. Die Taufe wird dann während der Konfirmandenzeit stattfinden.

Wann wir mit dem Unterricht beginnen, werden wir Ihnen so bald wie möglich mitteilen. Wir starten dann mit einem Treffen aller Konfirmanden, bei dem wir die Gruppen einteilen.
Dort werden dann die benötigten Materialien gegen Bezahlung ausgegeben (Bibel 10,00 €, Gesangbuch 17,90 €, Materialkostenumlage für Gottesdienstbesuchskarte, Unterrichtsmappe und Kopien 5,00 €).
Ob das geplante Kennenlernwochenende mit Übernachtung möglich ist, ist noch nicht abzusehen.

Wir freuen uns, wenn Ihr Kind beim Konfirmandenunterricht dabei ist!

Gottesdienst vom Sonntag, den 31.01.2021

Gottesdienst zum Mitnehmen Letzter Sonntag nach Epiphanias– 31.01.21

Liebe Gemeinde,

heute ist es soweit. Die kirchliche Weihnachtszeit endet. Die meisten haben ihre Weihnachtsdekorationen schon längst eingepackt. Die Krippenfiguren vor der Wesendorfer Kirche wurden abgebaut. Nur an der Gifhorner Straße habe ich heute Morgen im Dunkeln noch eine Lichterkette entdeckt.
Weihnachten scheint schon lange her. Man ist schon mitten drin im neuen Jahr. Auch der Sonntag heute spiegelt dies wider. In seinem Text erzählt er vom weihnachtlichen Licht Jesu und blickt voraus auf seinen Tod am Kreuz.
Alles Wichtige ereignet sich dabei auf einem Berg, wie so oft in der Bibel. Der Berg, ein Ort der Nähe Gottes, steht auch in diesem Gottesdienst im Mittelpunkt.

Gott, du Schöpfer der Welt,
du hast unsere Welt nach deinem Willen geformt.
Blaue Meere wechseln sich mit bunten Landschaften ab.
Grüne Täler mit schroffen schneebedeckten Gipfeln.
Auf ihnen fühlen wir uns dem Himmel
und dir besonders nahe.
Schenke uns auch im Alltag Bergerfahrungen:
Lass uns deine Nähe fühlen.
Verschaffe uns einen Überblick
Und lass sie unsere Gedanken klären,
damit wir unsere Erkenntnisse mit in den Alltag nehmen.
Amen

Lesung: Die Verklärung Jesu

Mitten im Alltag machen drei Jünger mit Jesus eine österliche Erfahrung: Sie sehen Jesus in geheimnisvollem Licht, und Mose und Elija reden mit ihm. So wird den Jüngern die Identität Jesu als geliebter Sohn Gottes offenbart.

Das Evangelium steht bei Matthäus im siebzehnten Kapitel, die Verse 1-9:
1 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich. Er führte sie auf einen hohen Berg, wo sie ganz für sich waren. 2 Da veränderte sich sein Aussehen vor ihren Augen: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden strahlend weiß wie Licht. 3 Da erschienen Mose und Elija vor ihnen und redeten mit Jesus.
4 Petrus sagte zu Jesus: »Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich drei Zelte aufschlagen: eins für dich, eins für Mose und eins für Elija.« 5 Noch während Petrus redete, legte sich eine Wolke aus Licht über sie. Da erklang eine Stimme aus der Wolke: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude. Hört auf ihn!«
6 Als die drei Jünger das hörten, warfen sie sich nieder und fürchteten sich sehr. 7 Jesus ging zu ihnen und berührte sie. Er sagte: »Steht auf. Fürchtet euch nicht!« 8 Als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.
9 Während sie vom Berg herabstiegen, schärfte Jesus ihnen ein: »Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt worden ist.«

Liebe Gemeinde,

waren Sie letztes Jahr im Urlaub? Das Coronavirus erschwerte das Reisen im letzten Jahr ja sehr. Trotzdem haben sich viele im Sommer aufgemacht und waren zumeist in Deutschland unterwegs.
Spricht man mit anderen über das Thema Urlaub, dann gibt es oft zwei Typen von Reisenden: Die einen, die das Meer lieben und die mit den Bergen nichts anfangen können und die anderen, bei denen es genau anders herum ist. Sie lieben die Berge und können stundenlang in dieser Landschaft wandern. Mein Mann und ich gehören eher zum ersten Typ, daher waren die größten „Berge“, die ich in den letzten Jahren erklommen habe, die Kreidefelsen in Rügen. Man kann in den Bergen leider so schlecht Radfahren (wenn man kein Mountainbike besitzt), dass ich meinen Mann nicht in die Nähe von richtigen Bergen bekomme.
Meine letzte Bergerfahrung ist daher schon eine Weile her.
Trotzdem haben Bergerfahrungen was für sich. Beim Aufstieg kommt nicht nur der Körper in Schwung, sondern auch der Geist. Beim Wandern lässt es sich wunderbar nachdenken. Und zwischendurch und besonders auf dem Gipfel hat man dann einen tollen Ausblick und Überblick über die Umgebung. Dieser weite Blick erschließt einem dann manchmal ganz neue Einsichten oder Zusammenhänge.
So fanden wir bei einem Ausflug auf dem Deister dank des weiten Blicks vom Annaturm fast nebenan eine Gastwirtschaft für eine Pause. Die war vorher durch Bäume vor unseren Blicken verborgen.
Aber nicht nur geographische Einsichten kann man auf einem Berg erlangen. Auch geistige Einsichten sind dort möglich. Durch die Wanderung und vielleicht ein Gespräch dabei angeregt, erschließt sich dem Geist neues. Man hat einen Moment der Klarheit, Gedanken ordnen sich und neue Erkenntnisse entstehen.
Nicht immer sind sie so offensichtlich wie bei den Jüngern aus der biblischen Geschichte. Die hatten sogar Gottes Stimme, die ihnen die Einsicht mitteilte. Trotzdem glaube ich, hatten auch sie auf dem Berg eine Bergerfahrung, einen Moment der Klarheit und Erkenntnis. Jesus wurde vor ihren Augen in göttliches Licht getaucht und Gott selbst nannte ihn seinen geliebten Sohn.
Jesus ist Gottes Sohn, das wurde ihnen auf diesem Berg klar. Vielleicht hatten sie es vorher schon geahnt. Sie wussten, dass er ein besonderer Mensch war. Aber wirklich erkannt haben sie es erst dort. Und dann durften Sie es noch nicht einmal jemandem erzählen. Alle anderen Menschen sollten erst nach Jesu Tod erfahren, dass er Gottes Sohn war.
Mit dieser Anweisung Jesu, das erlebte zu verschweigen, weist das Evangelium für heute schon auf die Ostergeschehnisse hin. Auch Elia und Mose stehen dafür. Denn beide haben den Menschen den Messias, den Heilsbringer angekündigt, der mit Jesus auf die Welt kam und an Ostern den Tod für uns Menschen besiegte.
Und mit seinen Bildern vom Licht erinnert der Text dagegen zurück an Weihnachten. An Weihnachten kam mit Jesu Geburt das göttliche Licht in die Welt der Menschen. So heißt es zum Beispiel im Adventslied “Oh Heiland reiß die Himmel auf „ in der 5 Strophe:

O klare Sonn, du schöner Stern,
/dich wollten wir anschauen gern,
/O Sonn, geh auf ohn deinen Schein
/ in Finsternis wir alle sein.

Wie die klare Sonne aus der Strophe stelle ich mir auch die erleuchtete Erscheinung von Jesus auf dem Berg vor. Sein göttliches Licht, das sonst nicht zu sehen ist, leuchtet auf und lässt ihn strahlen wie eine klare Sonne.
Für die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes war das bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis, eine außergewöhnliche Bergerfahrung, ein besonderer Moment der Klarheit. Wenn auch mit Gottes Hilfe.
Auf ihrem Weg den Berg hinunter lassen das Erlebnis es ein Stück weit hinter sich. Sie gehen zurück in ihren Alltag. Zurück zu den anderen Jüngern und Menschen die Jesus nachfolgen. Gemeinsam machen sie sich wieder auf den Weg. Dabei durften die Jünger keinem von ihrer Bergerfahrung erzählen. Sie behielten ihr Wissen für sich und bewahrten es. Sie ließen zwar das Erlebnis hinter sich, aber ihre Erkenntnis nahmen sie mit: Jesus ist Gottes geliebter Sohn. Diese Gewissheit stärkte die drei Jünger sicher und ermutigte sie für die nächste Zeit.
Auch wir sind nach dem Weihnachtsfest wieder zurück im Alltag. Das Weihnachtsfest im engsten Familienkreis ist nur noch eine Erinnerung. Nach dem Weihnachtsfest begann der Abstieg herunter vom Berg, der Auszeit der Festtage, zurück in den Alltag auch für uns. Was bleibt ist die Erkenntnis: Jesus ist Gottes Sohn. Er kam zu uns Menschen in diese Welt und lehrte uns Gottes Willen. Diese Erkenntnis anzunehmen und in unseren Herzen zu tragen liegt bei uns. Gottes Licht erstrahlte in dieser Welt. Wir können es in Erinnerung behalten und in unseren Alltag tragen.
Amen.

Fürbittengebet

Lebendiger Gott,
Licht lässt du aufscheinen in dieser Welt.
Wie sehr sehnen wir uns danach.
Wie dringend braucht es deine Schöpfung.
Wie abhängig ist die Welt von deinem Licht.

Wir bitten dich um Licht
in den Kliniken und an den Betten der Sterbenden,
damit die Pflegenden gesund bleiben,
damit Kranken genesen,
damit Lebensmut die Schatten des Todes vertreibt
und Trost die Trauernden erreicht.
Um dein Licht, Lebendiger,
bitten wir dich. Erhöre uns.

Wir bitten dich um Licht
an den Orten des Grauens und der Angst,
an den Orten der Zerstörung,
an den Orten des Aufbruchs und der Hoffnung,
damit dein Leben einkehrt.
Wir bitten dich um Licht
in deiner Gemeinde,
in den Herzen aller,
die dir, Lebendiger, vertrauen.
Um dein Licht und deine Liebe,
bitten wir dich.
Durch Jesus Christus lass es aufscheinen –
heute und alle Tage.

Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.


Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Pastorin Nina Junghans.

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