Gottesdienst am Sonntag, den 10.01.2021

Liebe Gemeinde,
am vergangenen Mittwoch war Epiphanias, das Dreikönigsfest. Die Geburt Jesu hatte damals Strahlkraft weit über den Stall in Bethlehem hinaus. Das Symbol dafür ist der Stern. Denn er erstrahlte hell am Himmel und wies die drei gelehrten Sterndeuter aus dem Morgenland auf dieses besondere Ereignis hin. Zudem war er ihr Wegweiser zur Krippe. Um den Stern soll es auch in diesem Gottesdienst zum Mitnehmen gehen. Er bekommt heute seinen besonderen Auftritt.

Meditation
Gott, du Licht der Welt, du Licht unseres Herzens. Damals stand dein Stern leuchtend am Himmel und wies den wissbegierigen den Weg zu deiner Geburt als Mensch. Heute im wolkenverhangenen Himmel sind die Sterne nicht zu sehen. Dunkel wirkt er. Doch senken wir unseren Blick, funkeln die weihnachtlichen Lichter um uns herum und weisen jedes Jahr wieder auf dein Fest, auf deine Geburt hin. Noch immer leuchten Lichter für dich. Doch wo leuchtet dein Licht für uns? Hilf uns dieser Frage heute nachzugehen und sei beim Lesen und in unseren Gedanken bei uns.
Amen

Lied: Wenn Sie mögen singen Sie doch zuhause das Lied „Stern über Bethlehem“:

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht,
Leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn
Und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
Das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel,
Denn dieser arme Stall birgt doch so viel!
Du hast uns Hergeführt, wir danken dir.
Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!

Stern über Bethlehem, kehrn wir zurück,
Steht noch dein heller Schein in unserm Blick,
Und was uns froh gemacht, teilen wir aus,
Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus!

Lesung
Das Evangelium steht bei Matthäus im zweiten Kapitel, die Verse 1-12.
Die Sterndeuter aus dem Osten 1 Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren zu der Zeit, als Herodes König war. Sieh doch: Es kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. 2 Sie fragten: »Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen. Wir sind gekommen, um ihn anzubeten.« 3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm alle in Jerusalem.
4 Er rief zu sich alle Priester und Schriftgelehrten des Volkes. Er fragte sie: »Wo soll der Christus geboren werden?« 5 Sie antworteten ihm: »In Bethlehem in Judäa! Denn im Buch des Propheten steht: 6 ›Du, Betlehem im Land Juda, du bist keineswegs die unbedeutendste unter den Städten in Juda. Denn aus dir wird der Herrscher kommen, der mein Volk Israel wie ein Hirte führen soll.‹« 7 Später rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich. Er erkundigte sich bei ihnen genau nach der Zeit, wann der Stern erschienen war. 8 Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: »Geht und sucht überall nach dem Kind! Wenn ihr es findet, gebt mir Bescheid! Dann will auch ich kommen und es anbeten.« 9 Nachdem die Sterndeuter den König gehört hatten, machten sie sich auf den Weg. Und sieh doch: Der Stern, den sie im Osten gesehen hatten, ging vor ihnen her. Dann blieb er stehen, genau über der Stelle, wo das Kind war. 10 Als sie den Stern sahen, waren sie außer sich vor Freude. 11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an. Dann öffneten sie die Kästen mit ihren Schätzen und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 Gott befahl ihnen im Traum: »Geht nicht wieder zu Herodes!« Deshalb kehrten sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

Die drei Weisen unterhalten sich auf ihrem Rückweg:
Caspar: Wie gut, dass wir dem Stern vertraut haben und losgegangen sind.
Melchior: Der Stern hat uns den weiten Weg aus unserer Heimat bis nach Bethlehem gezeigt.
Balthasar: Und so haben wir Jesus gefunden.
Caspar: Ein kleines Kind in einer armseligen Krippe. Wer hätte das gedacht.
Melchior: Das hatte ich mir auch anders vorgestellt. Ich dachte, wir finden ihn in einem Palast …
Balthasar: Caspar, Melchior, schaut doch mal!
Caspar: Was ist denn?
Balthasar: Unser Stern. Da ist er wieder – aber jetzt steht er an einer anderen Stelle. Schaut, da oben! (Zeigt auf den großen Stern)
Melchior: Wie eigenartig. Er müsste doch hinter uns stehen, über dem Stall in Bethlehem, wo wir herkommen.
Caspar: Was das wohl zu bedeuten hat?
Balthasar: Kommt, wir folgen dem Stern und schauen, wo er uns jetzt hinführen will.
Melchior: Wir wollten ja eh einen anderen Weg nach Hause nehmen.

Liebe Gemeinde,
die drei Weisen machen sich wieder auf den Weg. Sie folgen erneut dem Stern. Was mag er ihnen wohl zeigen? Im Stall in Bethlehem kam damals Gott als Mensch in unsere Welt. Auf dieses besondere Ereignis wies der Stern damals hin. Wer den Blick zum Himmel hob, der konnte ihm folgen und Gott finden. Doch dieses Ereignis ist lange her. Heute ist am wolkenverhangenen Himmel kein Leuchten zu sehen. Doch was wäre, wenn der Stern die Menschen auch weiterhin auf Gottes Anwesenheit und Wirken in der Welt hingewiesen hätte. Wenn er über die vergangenen 2000 Jahre hinweg immer wieder am Himmel erschienen wäre, um den Menschen Gottes
Wirken zu zeigen. Was wäre in seinem Licht alles passiert? Wer weiß, wo Gott überall so beteiligt war? Große Ereignisse wie die Verabschiedung der Menschenrechte 1948 vielleicht oder bei Martin Luther Kings berühmter Rede für die Rechte der schwarzen Bevölkerung 1968 in Washington. An vielen Ereignissen könnte Gott beteiligt gewesen sein. Vielleicht stand er Merkel zur Seite, als sie die Flüchtlinge im Sommer 2015 nach Deutschland einlud und sagte <> oder half mit, den Brexit zwischen der EU und Großbritannien auszuhandeln. Und was ist mit der Corona Krise? Wo mag Gott da wirken? Vielleicht hätte der Stern letzten Winter über Wuhan geleuchtet oder über den Leichenzügen der Verstorbenen in Italien auf dem Weg zu den Krematorien im Frühling. Sein sanfter Schein hätte allen gezeigt: Gott ist bei den Verstorbenen und Angehörigen. Im Leben und im Tod. Für jeden hat Gott einen Platz frei.
Und wo könnte der Sterne heute leuchten? Wen würde er in seinen Lichtschein hüllen? Ich glaube es sind nicht nur die großen Personen und Ereignisse, die der Stern in sein Licht taucht. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter euch. (Matthäus 18,20) Ich glaube, ja er würde uns heute einhüllen. Das zeigen mir diese Worte Jesu. Alle die einen Gottesdienst zum Mitnehmen lesen, die ihn im Fernsehen sehen oder im Internet auf YouTube anklicken. Wir alle versammeln uns, um Gottes Wort zu hören, auf die unterschiedlichste Weise und zu den unterschiedlichsten Zeiten. Trotzdem sind wir alle verbunden durch unseren Glauben und der Gewissheit, die uns Jesus in seinem Wort schenkt: Ich bin da, wo ihr seid. Da wo ihr euch zusammen tut und an mich denkt. Da bin ich bei euch!
Ein tröstlicher Gedanke in Zeiten wo Treffen und persönlicher Kontakt zwischen den Menschen immer weiter eingeschränkt wird. Während Sie diesen Gottesdienst lesen ist Gott bei Ihnen und Ihren Glaubensgeschwistern. Darauf dürfen wir vertrauen, sagt uns Jesus.
Amen.

Fürbittengebet
Gott, du Licht der Welt, wir bitten dich:
Erscheine, wo Menschen dich suchen und unruhig sind zu dir.
Erscheine, wo du vergessen bist und nicht mehr vermisst wirst.
Erscheine, wo Schwache geknechtet und Hilflose ausgebeutet werden.
Erscheine, wo das Recht gebeugt wird. Erscheine, wo gefoltert, getötet und gequält wird.
Erscheine, wo Menschen in Angst leben.
Scheine uns, Licht der Welt, auf unserem Weg zu dir, dass wir uns nicht verlieren, wo wir nicht weiterwissen, sondern dir vertrauen, bis dein Tag alles Dunkel klärt. Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:
Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen Pastorin Nina Junghans.

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