Gottesdienst am Altjahresabend, 31.12.2020

Gottesdienst für Altjahresabend 2020 von Diakonin Susan Heydecke
Wie gewohnt finden Sie auch diesen Gottesdienst als Ausdruck im Küsterhaus oder können Ihn sich am Ende der Seite herunterladen und ausdrucken.

Liebe Gemeinde,
ein aufregendes Jahr geht zu Ende. Es war gezeichnet von einem kleinen Virus, das uns große Einschränkungen brachte. Viele Menschen mussten leiden unter den Folgen. Angst ging im ganzen Land umher. Werden wir das alles hinter uns lassen können?
Impfstoff ist da. Wird er die Erlösung bringen? Wir wissen es nicht.
Auf der anderen Seite haben wir in den vergangenen Monaten wieder gelernt unseren Nächsten in den Blick zu bekommen. Wie viele Menschen haben durch Briefe, Telefonate, … Trost zu gesprochen bekommen. Auch die Kirchen sind hellhörig geworden, haben neue Wege zu den Menschen gesucht und gefunden. Gott sei Dank.
All das Schöne und das Schwere wollen wir jetzt ablegen und uns neu auf Christus ausrichten, der unser Leben und diese ganze Welt in seiner Hand hält.
Lassen sie uns diese Stunde feiern in Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lasst uns beten:
Vater, am Ende des Jahres kommen wir zu Dir. Wir danken dir, für das, was gut war. Du hast uns gehalten bis zum heutigen Tag. Du hast uns Kraft gegeben für jeden Tag. Du hast uns Menschen an die Seite gestellt, die uns geholfen, getröstet, unterstützt haben. Wir selbst konnten hier und da andere unterstützen. Hab Dank für das Geben und Nehmen. Du warst uns in unserer Angst nah. Danke. Dir konnten wir sagen, was unser Herz beschwerte.
Nun kommt ein neues Jahr. Wir hoffen auf den Impfstoff. Wir sehnen uns nach unseren Freunden, Verwandten und Bekannten. Wir wollen sie so gern wieder in unsere Arme schließen. Vater lege du deinen Segen auf das neue Jahr. Amen.

Das Evangelium steht in Matthäus 13, 24 – 30:
Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune. Amen.

Impuls zur Jahreslosung 2021
Jedes Jahr gibt die Kirche eine neue Jahreslosung heraus. Sie soll so eine Art Motto sein, das uns das ganze Jahr hindurch begleitet. Im Letzten Jahr war es die Bitte an Jesus: Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Ein passendes Wort für das Coronajahr, finde ich. Manchen Anfechtungen waren wir ausgesetzt. Unser Glaube stand auf den Prüfstand. Wie gut, das wir immer wieder zu Jesus gehen konnten und ihn bitten konnten: Hilf meinem Glauben.
Das Motto für 2021 lautet:
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Lukas 6,36
Die Jahreslosung versuche ich mir jedes Jahr vor Augen zu malen. Dabei ist das Bild auf der Vorderseite entstanden. Es hängt in meiner Küche und erinnert mich täglich an das Wort des Jahres.
Seid barmherzig, für mich klingt das im ersten Moment wie: die Mütter, die ihre Kinder verabschieden und sagen: „Seid schön artig, wenn ihr bei Oma seid.“ Oder wie die Bundeskanzlerin in den letzten Reden an uns: „Seien Sie vernünftig. Tragen Sie Masken, halten Sie Abstand. Oder wie der Chef zu seiner Angestellten: „Es ist wichtig. Seien Sie morgen pünktlich.“
„Seien Sie“; „Seid!“ Es klingt wie eine Aufforderung. Der Angesprochene soll etwas tun, eben artig, vernünftig, pünktlich sein. Und das sind nur ein paar Beispiele. Sicher kennen Sie aus ihrem Alltag noch mehr „Seid“. Dieses „Seid“ fordert uns heraus.. Es will, dass ich mein Verhalten in eine von anderen gewünschte Richtung lenke.
Will ich das? Kann ich das? Was kriege ich dafür?
Mitten im zweiten Wort der Jahreslosung “Barmherzigkeit“ steckt das Wort Herz: Barmherzigkeit.
Das Herz ist der Motor in uns. Unablässig schlägt es, Tag und Nacht. Erst wenn es nicht mehr so richtig will, merken wir es. Es arbeitet für uns, im Verborgenen. Und es ist lebenswichtig. Aber nicht nur für unseren Körper. Es ist auch, nach biblischen Verständnis der Sitz der Seele. Das Herz leitet unsere Gefühle und Gedanken. Es bestimmt unser Handeln.
Seid barmherzig – nehmt Euch ein Herz, so könnte man auch sagen. Schaut durch Eure Herzen in diese Welt.
Was sehen wir? Wenn ich durch meine Brille sehe, sehe ich: Das Kind in der Kindergruppe, das benachteiligt ist. Zu seiner Benachteiligung kommt noch das Hänseln der anderen Kinder. Ich sehe die alte Dame, wie sie mühsam die vollen Taschen vom Einkaufen nach Hause trägt. Ich sehe den Jugendlichen, der ganz plötzlich und unerwartet seinen Vater verloren hat. Ich sehe …
Wen oder was sehen Sie durch Ihre Brille? Und wie reagieren Sie darauf?
„Selber schuld.“ „Dann soll sie weniger einkaufen.“ „Pech gehabt.“
Sicher fallen auch Ihnen Situationen ein, wo Sie Not gesehen, aber nicht barmherzig gehandelt haben.
Seid barmherzig ist eine Aufforderung. Reagiert auf das, was Ihr seht! Also nehmt Euch des benachteiligten Kindes an. Helft der alten Dame. Tröstet den Jugendlichen, habt ein offenes Ohr für ihn.
Da regt sich doch gleich Widerstand in mir. Ich soll helfen, tragen, trösten. Wie soll ich das machen? Und Zeit habe ich auch keine, schließlich wartet die Familie, und der Job und …
Schnell fühlen wir uns überfordert. Ich kenne das von mir selbst. Da ist die Angst, vielleicht nicht verstanden zu werden, vielleicht eine Abfuhr zu bekommen, nicht die richtigen Worte zu finden. Ja, wenn ich nur den ersten Teil der Jahreslosung lese, stehe ich vor einer schwer zu lösenden Aufgabe. Barmherzig zu handeln ist nicht leicht.
Der zweite Teil bringt für mich die Wende: „Wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Der barmherzige Vater! Da fällt mir die Geschichte aus Lukas 15, 11 – 23 ein: Ein Vater hatte zwei Söhne. Der eine lässt sich sein Erbe auszahlen und verlässt das Vaterhaus. Er ist auf die schiefe Bahn geraten. In seiner Not denkt er an den Vater und kehrt nach Hause zurück. „Wird mich der Vater wieder aufnehmen? Als Knecht will ich bei ihm arbeiten, wenn er mich nur aufnimmt,“ denkt er. Und der Vater, er steht jeden Tag am Zaun und wartet auf ihn. Als er ihn sieht, läuft er ihm entgegen, schließt ihn in seine Arme und herzte ihn. Er bekommt seine Sohneswürde zurück. Seine Schuld ist vergeben. Der Sohn kann neu anfangen. Er ist frei.
Mir fallen die vielen Menschen ein, die mit ihrer Not zu Jesus kamen. Er hat ihre Not gesehen und hat sich ein Herz genommen. Er hat ihnen geholfen. Er hat sie gesund gemacht. Er hat sie befreit. Er hat ihnen neues Leben geschenkt. Ja, der Vater ist barmherzig. Die Bibel ist voll solcher Berichte.
Aber, kann ich das auch aus meinem Leben sagen? Ist Gott auch barmherzig zu mir gewesen?
Ja, von meinem Leben kann ich das sagen. Der Vater ist auch mir gegenüber barmherzig: Ich lebe in einem reichen Land. Ich habe mein Auskommen. Mir geht es gut. Ich habe Freunde, Familie, … um nur ein paar Dinge zu nennen. Ich fühle mich reich beschenkt. Schon oft ist mir in notvollen Situationen geholfen worden. Aus schwierigen Situationen wurde ich auf wundersame Weise befreit. Wo ich schuldig geworden bin, habe ich Befreiung erlebt. Für mich, alles Zeichen der Liebe Gottes zu mir.
Können Sie die Herzlichkeit Gottes auch in Ihrem Leben sehen?
Beim Arbeiten an der Jahreslosung ist mir eines deutlich geworden: Die Bewegung geht immer von Gott aus. Er fing an. Er hat uns zuerst geliebt. Mit seiner Liebe überschüttet er uns. Er lässt sie in uns hineinfließen. Jeden Tag von neuem. Das habe ich mit der weißen Hand versucht auszudrücken. Sie hat ein rotes Wundmal. Zeichen für mich für Christus, der alles für uns gegeben hat. Seine Liebe fließt über und trifft das Herz des Menschen in der Mitte des Bildes.
Sehen Sie, wie er sich dadurch verändert?
Licht kommt in sein Leben, und Hoffnung. Das drücken die Farben gelb und grün für mich aus.
Von Gott geht die Bewegung aus. Von ihm fließt die Herzlichkeit in mich hinein. Da kann sie sich ausbreiten und mich erfüllen. Wenn ich es spüre, sind es beglückenden Momente. Sie beleben uns. Sie nehmen uns für eine Weile den Schmerz, sie öffnen unser Herz und machen es weit.
Wenn Gottes Liebe in mich hineinfließt, verändert sich etwas in meinem Leben. Es wird befreit. Ich kann wieder lachen und fröhlich sein. Und diese Fröhlichkeit steckt an, macht mich frei, auch für andere. Für das benachteiligte Kind, die alte Dame mit den schweren Taschen, für den Jugendlichen, der seinen Vater verloren hat. Plötzlich wird das, was ich zu geben habe, größer als meine Angst. Ich werde frei, kann für den anderen dasein. Und so wird es auch für ihn licht. Wie heißt der Spruch? Wo das Herz voll ist, fließt der Mund und die Hand über. So sehen wir das auch auf dem Bild.
Ich darf die erfahrene Liebe einfach nur fließen lassen, durch mich hindurch. Und dann verändert sie die Welt, und die Menschen um mich herum. Sehen Sie, wie die kniende Person am rechten Bildrand die Herzlichkeit annimmt? Da, wo das Herz die kniende Person berührt, da wird es auch in deren Leben hell, das Dunkle wird vertrieben, das gelbe Licht beginnt, sich in ihr auszubreiten.
Seid barmherzig, jetzt, nach längerem Nachdenken, das heißt für mich: Öffne dich für die Liebe Gottes. Er gießt sie über dir aus. Lass sie in dich hinein. Lass dich verändern.
2021, ein neues Jahr. Es ist voll der Liebe Gottes. Werden wir sie annehmen und in uns wirken lassen? Ich wünsche Ihnen, dass Gottes Liebe Ihr Leben hell und weit macht. Dass die Liebe, die Sie erfahren, für andere zum Licht und zur Hoffnung wird. Ganz von selbst. Weil er das Feuer in Ihnen entfacht. Amen.

Fürbittengebet in Anlehnung an Psalm 31
Vater im Himmel, danke für alles, was du in mich hinein gelegt hast. Danke für alle Deine Liebe, die im vergangenen Jahr, in meinem Leben sichtbar wurde. Danke, dass du an mir festhältst, auch wenn ich nicht so barmherzig war, wie es gut gewesen wäre. Danke, dass du einen neuen Anfang möglich machst.
Herr, das neue Jahr steht vor uns. Was wird es uns bringen? Werden wir durchkommen? Sorgen um unser Lieben belasten uns.
Bei dir, HERR, suche ich Schutz, komm hilf mir. Führe und leite mich, um deinem Namen Ehre zu machen! Ja, du bist meine einzige Zuflucht. In deine Hände lege ich mein Leben, denn du wirst mich erlösen, HERR, du treuer Gott!
Ich juble vor Freude, weil du mich liebst. HERR, ich vertraue dir. Du bist mein Gott, daran halte ich fest! Was die Zeit auch bringen mag, es liegt in deiner Hand. Das gibt mir Ruhe und Kraft. Danke.
Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen:
Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen
Susan Heydecke, Diakonin in Wahrenholz und Wesendorf

Download Predigt pdf