Gottesdienst am Altjahresabend, 31.12.2020

Gottesdienst für Altjahresabend 2020 von Diakonin Susan Heydecke
Wie gewohnt finden Sie auch diesen Gottesdienst als Ausdruck im Küsterhaus oder können Ihn sich am Ende der Seite herunterladen und ausdrucken.

Liebe Gemeinde,
ein aufregendes Jahr geht zu Ende. Es war gezeichnet von einem kleinen Virus, das uns große Einschränkungen brachte. Viele Menschen mussten leiden unter den Folgen. Angst ging im ganzen Land umher. Werden wir das alles hinter uns lassen können?
Impfstoff ist da. Wird er die Erlösung bringen? Wir wissen es nicht.
Auf der anderen Seite haben wir in den vergangenen Monaten wieder gelernt unseren Nächsten in den Blick zu bekommen. Wie viele Menschen haben durch Briefe, Telefonate, … Trost zu gesprochen bekommen. Auch die Kirchen sind hellhörig geworden, haben neue Wege zu den Menschen gesucht und gefunden. Gott sei Dank.
All das Schöne und das Schwere wollen wir jetzt ablegen und uns neu auf Christus ausrichten, der unser Leben und diese ganze Welt in seiner Hand hält.
Lassen sie uns diese Stunde feiern in Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lasst uns beten:
Vater, am Ende des Jahres kommen wir zu Dir. Wir danken dir, für das, was gut war. Du hast uns gehalten bis zum heutigen Tag. Du hast uns Kraft gegeben für jeden Tag. Du hast uns Menschen an die Seite gestellt, die uns geholfen, getröstet, unterstützt haben. Wir selbst konnten hier und da andere unterstützen. Hab Dank für das Geben und Nehmen. Du warst uns in unserer Angst nah. Danke. Dir konnten wir sagen, was unser Herz beschwerte.
Nun kommt ein neues Jahr. Wir hoffen auf den Impfstoff. Wir sehnen uns nach unseren Freunden, Verwandten und Bekannten. Wir wollen sie so gern wieder in unsere Arme schließen. Vater lege du deinen Segen auf das neue Jahr. Amen.

Das Evangelium steht in Matthäus 13, 24 – 30:
Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune. Amen.

Impuls zur Jahreslosung 2021
Jedes Jahr gibt die Kirche eine neue Jahreslosung heraus. Sie soll so eine Art Motto sein, das uns das ganze Jahr hindurch begleitet. Im Letzten Jahr war es die Bitte an Jesus: Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Ein passendes Wort für das Coronajahr, finde ich. Manchen Anfechtungen waren wir ausgesetzt. Unser Glaube stand auf den Prüfstand. Wie gut, das wir immer wieder zu Jesus gehen konnten und ihn bitten konnten: Hilf meinem Glauben.
Das Motto für 2021 lautet:
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Lukas 6,36
Die Jahreslosung versuche ich mir jedes Jahr vor Augen zu malen. Dabei ist das Bild auf der Vorderseite entstanden. Es hängt in meiner Küche und erinnert mich täglich an das Wort des Jahres.
Seid barmherzig, für mich klingt das im ersten Moment wie: die Mütter, die ihre Kinder verabschieden und sagen: „Seid schön artig, wenn ihr bei Oma seid.“ Oder wie die Bundeskanzlerin in den letzten Reden an uns: „Seien Sie vernünftig. Tragen Sie Masken, halten Sie Abstand. Oder wie der Chef zu seiner Angestellten: „Es ist wichtig. Seien Sie morgen pünktlich.“
„Seien Sie“; „Seid!“ Es klingt wie eine Aufforderung. Der Angesprochene soll etwas tun, eben artig, vernünftig, pünktlich sein. Und das sind nur ein paar Beispiele. Sicher kennen Sie aus ihrem Alltag noch mehr „Seid“. Dieses „Seid“ fordert uns heraus.. Es will, dass ich mein Verhalten in eine von anderen gewünschte Richtung lenke.
Will ich das? Kann ich das? Was kriege ich dafür?
Mitten im zweiten Wort der Jahreslosung “Barmherzigkeit“ steckt das Wort Herz: Barmherzigkeit.
Das Herz ist der Motor in uns. Unablässig schlägt es, Tag und Nacht. Erst wenn es nicht mehr so richtig will, merken wir es. Es arbeitet für uns, im Verborgenen. Und es ist lebenswichtig. Aber nicht nur für unseren Körper. Es ist auch, nach biblischen Verständnis der Sitz der Seele. Das Herz leitet unsere Gefühle und Gedanken. Es bestimmt unser Handeln.
Seid barmherzig – nehmt Euch ein Herz, so könnte man auch sagen. Schaut durch Eure Herzen in diese Welt.
Was sehen wir? Wenn ich durch meine Brille sehe, sehe ich: Das Kind in der Kindergruppe, das benachteiligt ist. Zu seiner Benachteiligung kommt noch das Hänseln der anderen Kinder. Ich sehe die alte Dame, wie sie mühsam die vollen Taschen vom Einkaufen nach Hause trägt. Ich sehe den Jugendlichen, der ganz plötzlich und unerwartet seinen Vater verloren hat. Ich sehe …
Wen oder was sehen Sie durch Ihre Brille? Und wie reagieren Sie darauf?
„Selber schuld.“ „Dann soll sie weniger einkaufen.“ „Pech gehabt.“
Sicher fallen auch Ihnen Situationen ein, wo Sie Not gesehen, aber nicht barmherzig gehandelt haben.
Seid barmherzig ist eine Aufforderung. Reagiert auf das, was Ihr seht! Also nehmt Euch des benachteiligten Kindes an. Helft der alten Dame. Tröstet den Jugendlichen, habt ein offenes Ohr für ihn.
Da regt sich doch gleich Widerstand in mir. Ich soll helfen, tragen, trösten. Wie soll ich das machen? Und Zeit habe ich auch keine, schließlich wartet die Familie, und der Job und …
Schnell fühlen wir uns überfordert. Ich kenne das von mir selbst. Da ist die Angst, vielleicht nicht verstanden zu werden, vielleicht eine Abfuhr zu bekommen, nicht die richtigen Worte zu finden. Ja, wenn ich nur den ersten Teil der Jahreslosung lese, stehe ich vor einer schwer zu lösenden Aufgabe. Barmherzig zu handeln ist nicht leicht.
Der zweite Teil bringt für mich die Wende: „Wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Der barmherzige Vater! Da fällt mir die Geschichte aus Lukas 15, 11 – 23 ein: Ein Vater hatte zwei Söhne. Der eine lässt sich sein Erbe auszahlen und verlässt das Vaterhaus. Er ist auf die schiefe Bahn geraten. In seiner Not denkt er an den Vater und kehrt nach Hause zurück. „Wird mich der Vater wieder aufnehmen? Als Knecht will ich bei ihm arbeiten, wenn er mich nur aufnimmt,“ denkt er. Und der Vater, er steht jeden Tag am Zaun und wartet auf ihn. Als er ihn sieht, läuft er ihm entgegen, schließt ihn in seine Arme und herzte ihn. Er bekommt seine Sohneswürde zurück. Seine Schuld ist vergeben. Der Sohn kann neu anfangen. Er ist frei.
Mir fallen die vielen Menschen ein, die mit ihrer Not zu Jesus kamen. Er hat ihre Not gesehen und hat sich ein Herz genommen. Er hat ihnen geholfen. Er hat sie gesund gemacht. Er hat sie befreit. Er hat ihnen neues Leben geschenkt. Ja, der Vater ist barmherzig. Die Bibel ist voll solcher Berichte.
Aber, kann ich das auch aus meinem Leben sagen? Ist Gott auch barmherzig zu mir gewesen?
Ja, von meinem Leben kann ich das sagen. Der Vater ist auch mir gegenüber barmherzig: Ich lebe in einem reichen Land. Ich habe mein Auskommen. Mir geht es gut. Ich habe Freunde, Familie, … um nur ein paar Dinge zu nennen. Ich fühle mich reich beschenkt. Schon oft ist mir in notvollen Situationen geholfen worden. Aus schwierigen Situationen wurde ich auf wundersame Weise befreit. Wo ich schuldig geworden bin, habe ich Befreiung erlebt. Für mich, alles Zeichen der Liebe Gottes zu mir.
Können Sie die Herzlichkeit Gottes auch in Ihrem Leben sehen?
Beim Arbeiten an der Jahreslosung ist mir eines deutlich geworden: Die Bewegung geht immer von Gott aus. Er fing an. Er hat uns zuerst geliebt. Mit seiner Liebe überschüttet er uns. Er lässt sie in uns hineinfließen. Jeden Tag von neuem. Das habe ich mit der weißen Hand versucht auszudrücken. Sie hat ein rotes Wundmal. Zeichen für mich für Christus, der alles für uns gegeben hat. Seine Liebe fließt über und trifft das Herz des Menschen in der Mitte des Bildes.
Sehen Sie, wie er sich dadurch verändert?
Licht kommt in sein Leben, und Hoffnung. Das drücken die Farben gelb und grün für mich aus.
Von Gott geht die Bewegung aus. Von ihm fließt die Herzlichkeit in mich hinein. Da kann sie sich ausbreiten und mich erfüllen. Wenn ich es spüre, sind es beglückenden Momente. Sie beleben uns. Sie nehmen uns für eine Weile den Schmerz, sie öffnen unser Herz und machen es weit.
Wenn Gottes Liebe in mich hineinfließt, verändert sich etwas in meinem Leben. Es wird befreit. Ich kann wieder lachen und fröhlich sein. Und diese Fröhlichkeit steckt an, macht mich frei, auch für andere. Für das benachteiligte Kind, die alte Dame mit den schweren Taschen, für den Jugendlichen, der seinen Vater verloren hat. Plötzlich wird das, was ich zu geben habe, größer als meine Angst. Ich werde frei, kann für den anderen dasein. Und so wird es auch für ihn licht. Wie heißt der Spruch? Wo das Herz voll ist, fließt der Mund und die Hand über. So sehen wir das auch auf dem Bild.
Ich darf die erfahrene Liebe einfach nur fließen lassen, durch mich hindurch. Und dann verändert sie die Welt, und die Menschen um mich herum. Sehen Sie, wie die kniende Person am rechten Bildrand die Herzlichkeit annimmt? Da, wo das Herz die kniende Person berührt, da wird es auch in deren Leben hell, das Dunkle wird vertrieben, das gelbe Licht beginnt, sich in ihr auszubreiten.
Seid barmherzig, jetzt, nach längerem Nachdenken, das heißt für mich: Öffne dich für die Liebe Gottes. Er gießt sie über dir aus. Lass sie in dich hinein. Lass dich verändern.
2021, ein neues Jahr. Es ist voll der Liebe Gottes. Werden wir sie annehmen und in uns wirken lassen? Ich wünsche Ihnen, dass Gottes Liebe Ihr Leben hell und weit macht. Dass die Liebe, die Sie erfahren, für andere zum Licht und zur Hoffnung wird. Ganz von selbst. Weil er das Feuer in Ihnen entfacht. Amen.

Fürbittengebet in Anlehnung an Psalm 31
Vater im Himmel, danke für alles, was du in mich hinein gelegt hast. Danke für alle Deine Liebe, die im vergangenen Jahr, in meinem Leben sichtbar wurde. Danke, dass du an mir festhältst, auch wenn ich nicht so barmherzig war, wie es gut gewesen wäre. Danke, dass du einen neuen Anfang möglich machst.
Herr, das neue Jahr steht vor uns. Was wird es uns bringen? Werden wir durchkommen? Sorgen um unser Lieben belasten uns.
Bei dir, HERR, suche ich Schutz, komm hilf mir. Führe und leite mich, um deinem Namen Ehre zu machen! Ja, du bist meine einzige Zuflucht. In deine Hände lege ich mein Leben, denn du wirst mich erlösen, HERR, du treuer Gott!
Ich juble vor Freude, weil du mich liebst. HERR, ich vertraue dir. Du bist mein Gott, daran halte ich fest! Was die Zeit auch bringen mag, es liegt in deiner Hand. Das gibt mir Ruhe und Kraft. Danke.
Wir beten, wie Jesus es uns beigebracht hat:
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen:
Gott segne und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen
Susan Heydecke, Diakonin in Wahrenholz und Wesendorf

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Ausfall aller Gottesdienste!


Es finden auf Grund der Corona Situation bis einschließlich 10. Januar keine Gottesdienste statt!

Wir werden auf unserer Homepage Predigten, Musik und Texte zur Verfügung stellen. Zeitgleich werden wir diese auch gegeben falls als Handzettel auslegen.

Zu Heiligabend wird es Musik von der Adventsandacht zu hören geben und eine Kinderandacht eingesprochen von Antje Trebesius.

Wir wünschen dennoch eine gesegnete Weihnacht und ein gesundes neues Jahr!

Gottedienst am 2. Weihnachtsfeiertag, 26.12.2020

Heute gibt es anstelle einer Predigt nochmal einen Teil der Adventsmusik vom 3. Advent zum Anhören.

Orgelvorspiel:

Bläser und Orgel: Macht hoch die Tür

Adventsgeschichte: Advent in der S-Bahn

Bläser und Orgel: O Freude über Freude

Adventsgeschichte: Versprechen

Bläser und Orgel: Jesu bleibet meine Freude

Orgel und Gesang: Tochter Zion

Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag, 25.12.2020

Predigt für den 1. Weihnachtsfeiertag 2020, Pastor Moritz Junghans

Liebe Gemeinde,
das Weihnachtsfest 2020 wird wohl vielen von uns in Erinnerung bleiben. Lange war es ein Datum, mit dem sich viel Hoffnung verbunden hat. Und sogar von der Regierung beschlossen war es: An Weihnachten soll es von den Maßnahmen, die uns sonst teilweise sehr belasten, Lockerungen geben, Treffen von mehr Personen aus mehr Haushalten. Eine Art Lichtblick, Belohnung vielleicht für die Einschnitte, die es in den Monaten zuvor gab.
Diese Gedanken hören sich heute an, als kämen sie aus einer anderen Zeit. Jetzt sitzen Sie zu Hause. Oder bei der Familie, aber eben nur im kleinen Kreis. Seit ein paar Tagen ist klar: Weihnachten ist nicht nur anders, als sonst, sondern gerade hier bei uns im Landkreis Gifhorn ist die Lage um Weihnachten herum besonders schlimm. Aus Sicht derer, die sich um die öffentliche Gesundheit sorgen ist Weihnachten längst kein Lichtblick mehr, sondern Teil des Problems.

Für manch einen scheint es im Moment vielleicht, als gäbe es nicht mehr viel Grund zur Hoffnung. Ja, das Impfen geht irgendwann los, erste Prognosen gehen davon aus, dass ab Sommer nächsten Jahres die Lage besser wird. Aber das ist noch eine ganz schön lange Zeit. Wer angesichts dieser Aussichten im Moment etwas den Kopf hängen lässt, dem kann man nicht vorwerfen, dass er Schwarzmaler ist. Im Moment fällt es manchmal schwer, noch Hoffnung zu haben.
Aber trotz allem: Es ist immer noch Weihnachten. Gerade jetzt, in diesem Moment, heute! Und für uns Christinnen und Christen ist Weihnachten mehr als nur ein Risiko, weil da normalerweise viele Menschen zusammenkommen. Weihnachten steht für Hoffnung, Weihnachten hat etwas mit Licht zu tun, das stärker ist, als alle Dunkelheit. Etwas mit… Ja, womit eigentlich genau?

Der Predigttext von heute hilft, wenn man der Fragen nachgehen möchte, wie genau Weihnachten eigentlich bei uns wirken kann. Dazu muss man aber einen recht langen Anlauf nehmen. Den beginnen wir mit dem Predigttext selbst. Er steht im Buch des Propheten Jesaja im 52. Kapitel.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten,
der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt,
der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!
Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander;
denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der Herr nach Zion zurückkehrt.
Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems;
denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker,
dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. (Jes 52,7-10)

Ein unglaublich positiver Text in dieser Zeit. Schon nach dem ersten Lesen sind mir viele Schlagwörter im Kopf geblieben. Friede, Heil und Jubel. Trost vom Herrn, gar von Erlösung ist die Rede. Lauter positive Dinge, eine wahre Freudenbotschaft.
Wie sich die Menschen, an die diese Worte gerichtet waren, wohl gefühlt haben?

Die Antwort ist leicht: Die Menschen, an die diese Worte gerichtet waren – waren müde und traurig. Andere waren vermutlich nicht mal mehr das, sie waren einfach leer und hoffnungslos. Haben auf nichts anderes mehr hoffen können, als das, was unmittelbar vor ihren Augen war. Und das war nicht viel. Denn Empfänger dieser Worte waren nicht etwa Menschen, die mit festem Blick auf eine gute Zukunft schauten, sondern Menschen, denen ihre Vergangenheit verloren zu gehen drohte.
Es war die zweite oder dritte Generation der Israeliten, die im babylonischen Exil lebten. Von denen, die das Leben im eigenen Land noch erlebt hatten, waren vermutlich die meisten bereits gestorben. Es folgten Generationen, die in Babylon geboren wurden. Die Klage über den Verlust des eigenen Landes und des Tempels verstummte langsam. Denn zu fern waren die Gedanken daran. Bei vielen dürfte nichts als Enttäuschung geblieben sein.

Ganz so schlimm ist die Lage für uns, die wir in diesem Jahr Weihnachten feiern, nicht. Das ist schon mal gut. Aber ein bisschen vergleichbar ist es doch. Die Menschen im Exil hatten keinen vernünftigen Grund auf eine Besserung der Lage zu hoffen. Was sie vor Augen hatten, bot ihnen wenig Grund zu Optimismus.
Was wir hier im Moment betreiben, ist nur Schadensbegrenzung. Wir kämpfen gegen die Ausbreitung einer Krankheit, die sich weiter ausbreiten wird. Langsamer hoffentlich, doch es wird weitergehen. Auch morgen werden sich wieder Menschen anstecken und, so grausam es klingt, auch morgen werden wieder Menschen sterben.
Den Hoffnungslosen in Babylon wird etwas vor Augen geführt, was wie aus einer anderen Welt klingt. Heil und Frieden für Menschen, die als Fremde in einem fremden Land leben. Die Rückkehr in das eigene Land für Leute, die das nur noch aus Erzählungen kennen. Schlicht unrealistisch muss es für die Menschen geklungen haben. Wie eine andere Wirklichkeit, die mit der Wirklichkeit, die vor Augen ist, nicht viel zu tun haben kann.
Und – denkt dran, es ist immer noch Weihnachten – uns wird etwas ebenso Merkwürdiges verheißen. Das, was an Weihnachten gefeiert wird, ist im Kern etwas merkwürdiges. Wir haben die Geschichte vom Kind in der Krippe schon oft gehört, als Christinnen und Christen glauben wir, dass das, was da passiert ist, wichtig und besonders war – das alles ändert aber nichts daran, dass es eine Merkwürdigkeit ist, die da erzählt wird. Etwas, was nicht in die Wirklichkeit damals gepasst hat und auch heute nicht so recht in unsere Wirklichkeit passen will. Etwas, was mit der Wirklichkeit, die wir aktuell vor Augen haben, nicht vereinbar zu seien scheint.

Weihnachten ist das Fest, an dem beginnt, was ich eine ganze Kette von Merkwürdigkeiten beschreiben würde. Gott kommt auf die Welt, später wirkt Gott in einem Menschen mitten unter den Menschen. Gott geht dahin, wo Ausgrenzung herrscht, berührt Menschen, die eigentlich schon jeder abgeschrieben hatte. Unsere Überlieferung, unser Glaube ist voll von diesen Geschichten. Das Kirchenjahr ist voll davon. Zum christlichen Glauben gehört es dazu, Gott zuzutrauen, dass er Dinge auch ganz anders machen kann, als wir sie uns vorstellen können.
Dieses Jahr an Weihnachten wird mir das besonders deutlich. Wenn ich vom Engel höre, der ruft „Fürchtet euch nicht!“. Er ruft das jedes Jahr, doch in diesem Jahr merke ich: Es läuft dem entgegen, was ich im Moment vor Augen habe. Wenn ich von Frieden auf Erden höre und mir überlege, wo eigentlich überall Unfriede herrscht. Und, wenn ich aus all dem schließe, dass Gott diese Welt liebt, dass wir in einer von Gott geliebten Welt leben und selbst Geliebte sind.
Dann merke ich: All das steht, mal mehr, mal weniger, im Widerspruch zu dem, was ich erlebe. Und es ist genau dieser Widerspruch, den ich brauche. Weil er es ist, der die Welt verändert. Durch den Widerspruch wird nicht auf ein mal alles gut. Aber er hält die Sehnsucht wach, er hält den Kopf oben und den leisen Zweifel im Kopf wach. Es könnte doch sein, dass all das so ist. Und wenn selbst der Kopf schon diesen Zweifel zulässt, wie viel mehr schafft es das Herz dann erst, dass doch die ganze Zeit zum Festhalten an der Hoffnung bereit war?

Weihnachten stellt uns vor Augen, dass es anders sein kann, als es ist. Ein Grund mehr, gerade in diesem Jahr zu hören, was uns gesagt wird. Fürchtet euch nicht. Ich verkündige euch große Freude! Amen.

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Gottesdienst an Heilig Abend, 24.12.2020

Liebe Gemeinde,

wir wünschen einen gesegneten Heilig Abend im Kreise der Familie!

Hört der Engel helle Lieder (Rüdiger Vopel an der Orgel)

Weihnachtsansprache von Pastor Sassenhagen zum Anhören:

Die Predigt zum Lesen können Sie sich hier herunterladen oder wieder in gedruckter Form z.B. aus dem Küsterhaus abholen.

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Lied: Oh du fröhliche (Rüdiger Vopel)

Liebe Familien,
ein Krippenspiel kann dieses Jahr nicht stattfinden. Deshalb gibt es ein Miniweihnachtshörspiel. Machen Sie es sich mit Kerzen und Tee gemütlich und hören Sie unserer Kirchenraupe Randolf zu. Vielleicht möchten Sie auch in der Kinderbibel in Lukas die Weihnachtsgeschichte lesen. Sie haben sicher auch eigene Ideen. Auf alle Fälle frohe und gesegnete Weihnachten.
Antje Trebesius

Lied: Ihr Kinderlein kommet (Rüdiger Vopel)

Um 15 Uhr gibt es von 2Flügel eine 30 minütige Christvesper, die man live auf Youtube verfolgen und kommentieren kann. 2Flügel ist ein Ehepaar, das mit einer Mischung aus Lesung und Konzert die Herzen berührt. Lohnt sich!

Und für alle, die den Abend nicht allein verbringen möchten, gibt es ab 18 Uhr ein 12-stündiges (!) Live-Abendangebot der hannoverschen Landeskirche. Popkantor Til von Dombois begleitet durch ein buntes und zugleich besinnliches Programm aus Musik und Texten. Pastoren, Ehrenamtliche und Privatpersonen unterstützen dieses Format mit der Einsendung ihrer Beiträge.

Um 23 Uhr hätte traditionell unsere Christmette stattgefunden. Das Team um Samuel Trebesius hat die Idee nun auf eine Hörvariante umgewandelt.

Gedanken von Maria

Lied: Er kam aus Liebe (Samuel und Antje Trebesius)

Gedanken von Josef

Lied: Zu Bethlehem geboren (Rüdiger Vopel)

Gedanken eines Hirten

Mittwoch, der 23.12.2020: Der Abend vor Heilig Abend

Zur Einstimmung auf die Feiertage liest Andrea Mischnick eine Weihnachtsgeschichte von Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974) und zu Hören ist der Posaunenchor mit „Little Drummer Boy“ (Aufnahme vom letzten Jahr.)

Was war das für ein Fest?


Den Tet zum Nachlesen finden Sie unter https://www.winter-wonderland.de/was-war-das-fuer-ein-fest.html