Gottesdienst am Sonntag, den 25.04.2021

Betrachtung zum Sonntag Jubilate, 25. April 2021

Leitvers:
Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens, rühmet ihn herrlich! (Psalm 66,1-2)
Der Sonntag Jubilate
hat seinen Namen von diesem Psalm-Leitvers: Jauchzet (lateinisch: jubilate) Gott, alle Lande! An diesem Sonntag wird die Neuschöpfung durch die Auferstehung in Beziehung gesetzt zu Gottes Schöpfungs-werk am Anfang der Welt. Wie der Wochenspruch sagt: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Krea-tur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2 Korinther 5,17)
Lieder:
Die ganze Welt, Herr Jesus Christ (EG 110)
Gott gab uns Atem (EG 432)
Epistel: Paulus auf dem Areopag in Athen (Apostelgeschichte 17,22-34)
Paulus stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr un-wissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschen-händen dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.
Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiter hören. So ging Paulus von ihnen. Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.
Und tschüs!
In einer Szene der Asterix-Comics werden Asterix und Obelix von ihrem Dorf zu neuen Abenteuern verabschiedet; der Barde Troubadix, dessen Gesang alle unbeschreiblich grässlich finden, kommt dazu und will ihnen ein Abschiedslied singen. Da haben sie es alle ganz eilig: „Ich habe keine Zeit“; „mein Wildschwein brennt an“ – und tschüs. Der Barde allein bleibt grummelnd auf dem Platz zurück.
„Ihr verehrt den unbekannten Gott – ich weiß, wer er ist und was er will!“ So versucht Paulus den Athe-nern das Evangelium Jesu Christi schmackhaft zu machen. Er weiß, dass die Athener „nichts anderes im Sinn hatten, als etwas Neues zu sagen oder zu hören“, wie es etwas vorher heißt. So lassen sie ihn erstmal reden, wie ich bisweilen, wenn ich Lust und Laune habe, mal Straßenpredigern zuhöre, die den nahe bevorstehenden Weltuntergang, das Strafgericht Gottes über diese sündige Welt und dergleichen verkün-digen. Die Zuhörer lassen Paulus vieles gutwillig hingehen, auch die Bissigkeiten gegen ihre Götterbilder und das alles; so aufregend anstößig war das für aufgeklärte Großstädter nicht. Es kostete sie nichts, ihm darin zu folgen. Nur bei der Auferstehung, der Pointe und dem Herzstück, um das es Paulus geht, klinken
sie sich aus. Da hätten sie nämlich Farbe bekennen, sich entscheiden müssen. Das wollten sie nicht, bis auf ganz Wenige. Schluss mit lustig: „Netter Versuch. Ein andermal – vielleicht.“ Und tschüs.
Also, auch schon Paulus hat sich an der religiösen Indifferenz seiner Zeit nur mit geringem Erfolg abge-arbeitet. Darauf, dass „da oben noch irgendwas ist“, dass man die Gebote im Zwischenmenschlichen beachten soll – darüber können wir uns mit den meisten Zeitgenossen rasch verständigen. Das verpflich-tet ja auch zu nichts. Aber bringen wir den Kern des Ganzen zur Sprache, dass das vermutete Irgendwas da oben in Wirklichkeit der Vater Jesu Christi ist und die Gebote unter der Prämisse stehen: „Ich bin dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“; dass die Auferstehung Christi Ausgangs-punkt unseres Glaubens ist – dann ist fix Schluss mit lustig, und das Beharren darauf kann uns den Vorwurf der Intoleranz eintragen. Von wegen: „Jauchzet Gott, alle Lande“!
Da weiß man immerhin eines: Hier noch weiter nachzufassen wäre vergebliche Liebesmühe. Es ist tröst-lich zu sehen, dass es selbst dem Apostel Paulus nicht anders ging – und er es gehen ließ. So schmerzlich es ist, wenn die Auferstehungsbotschaft den Zeitgenossen ähnlich misstönend im Ohr klingt wie den Galliern der Gesang ihres Barden – so entlastend ist es auch, dass es nicht in unserer Macht steht, etwas daran zu ändern, sondern in der Macht Gottes. Noch pointierter als im Wochenspruch heißt es in Of-fenbarung 21,5 aus Gottes Munde: „Siehe, ich mache alles neu!“ Gott macht das, nicht wir.
Das denke ich auch, wenn wir mit Konfirmanden über die Auferstehung sprechen. Da finden dann man-che die Vorstellung einer Wiedergeburt ansprechender oder anderes, was nicht unserem Glauben ent-spricht. Nun kann man im Konfirmandenunterricht nicht wie auf dem Areopag oder in der Fußgänger-zone das Gespräch mit einem „und tschüs“ ins Leere laufen lassen. Zum Glück! Doch Zustimmung zum Auferstehungsglauben lässt sich nicht erzwingen – auch zum Glück! Was wir aber klarstellen: Hier ruft uns unser Glaube in eine Entscheidung. Gewiss, man kann diese Dinge gepflegt auf sich beruhen lassen – nur wäre das wie bei einem gleichgültig gewordenen Paar, das schiedlich-friedlich nebeneinander her-lebt. Doch um was bringen wir uns, wenn wir so neben Gott herleben!
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur“ – das hat nicht erst ein Jenseits nach dem Tode im Blick, sondern ist ins Hier und Jetzt gerufen. Jesus ist den Jüngern und Paulus nicht erschienen, um sie aufs Jenseits zu vertrösten, sondern weil er in diesem Leben, in mit und unter allen Lebenslagen mit seinem Trost und seiner Stärkung gegenwärtig sein will. Darum geht es bei der Auferstehung. Darum brächten wir uns, wenn wir den Glauben daran aus unserem Leben ausklammerten. Wie schade wäre das!
Das führt jetzt nicht auf eine scharfe Entscheidungsforderung. Wer mit der Vorstellung der Auferstehung Mühe hat, wird durch solche Erwägungen wohl kaum davon abkommen. Das ist auch eine Frage innerer Redlichkeit. Den Glauben wirkt immer noch Gott. Aber wir können im Kontakt mit seiner Verheißung bleiben, nicht einfach „und tschüs“ sagen und weggehen; eher in der vorsichtigen Haltung, es könne womöglich doch etwas daran sein. Die antiken Juden nannten solche vorsichtig Nahestehenden „Proselyten“, Hinzukommende. Luther übersetzte das mit „Gottes-fürchtige“; das ist doch mal eine wertschätzende und ein-ladende Formulierung! Sie ist getragen von der Hoff-nung, dass Gott nicht allein in unseren engeren Kreisen, sondern in allen Landen Neues werden lässt – und in un-serem Leben. Gott bleibt da und geht nicht weg.
Und tschüs? Nein, sondern:
Seien Sie herzlich gegrüßt, im Namen des Herrn! Ihr Pastor Dr. Hans-Günther Waubke

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