Gottesdienst zum Ostermontag, den 05.04.2021

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Liebe Gemeinde,

zünden Sie doch Ihre Osterkerze an und sprechen Sie laut die Worte:

Der Herr ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Halleluja!

Diese Worte erklingen heute auf verschiedenste Weise. Gelesen von Menschen zu Hause vorm Fernseher oder dem Laptop, bei Fernseh- oder Onlinegottesdiensten. Sie erklingen in den Präsenzgottesdiensten und beim Lesen der Gottesdienste zum Mitnehmen. Heute wird mit den vertrauten Worten Gottesdienst gefeiert, aber auf viele verschiedene Arten.
Noch ein letztes Mal steht ein Bild des ökumenischen Jugendkreuzweges im Mittelpunkt. Es ist kein klassisches Osterbild. Kein leeres Grab, sondern ein leerer Tisch mit vielen freien Plätzen und im Hintergrund sieht der Betrachtende eine Abendmahlsszene. Die leeren Hocker laden den Betrachtenden ein, Platz zu nehmen.
Fühlst du dich eingeladen?

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Du Gott des Lebens,
du hast die Dunkelheit unserer Welt durchbrochen an jenem Ostermorgen. Du hast einen neuen Anfang geschenkt, als alle nur auf das Ende blickten. Versteinertes hast du ins Rollen gebracht, Erstarrtes in Bewegung. Lass dein Licht auch unseren Ostermorgen erleuchten. Schenke Mut, das Unglaubliche zu glauben, damit auch wir das Leben finden. Amen.

Ein Gespräch backstage:

Regie: Der Tisch ist leer. Wo früher die Freunde und Freundinnen mit Jesus gegessen haben, sind jetzt Plätze frei. Was meint ihr: Wie geht es jetzt weiter?
Dazu fällt mir eine Geschichte aus der Bibel ein:
Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Zur Stunde des Festmahls schickte er seinen Diener aus und ließ denen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, alles ist bereit! Aber einer nach dem anderen entschuldigte sich. Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen hierher! Nötige die Leute hereinzukommen, damit mein Haus voll wird. (Vgl. Lk 14,16–17, 21–23)

Person 1: Gott, der Eventplaner, der ein großes Festmahl gibt. Zu dem wir alle eingeladen sind. Er überlässt mir die Entscheidung.
Person 2: Aber die Tische bleiben leer. Die Eingeladenen können oder wollen nicht kommen. Das erinnert mich an das Frühjahr 2020. Vieles fiel aus, aber ehrlich, zu manchem wäre ich auch nicht hingegangen.
Person 1: Genau, und zu einigen Sachen habe ich einfach keine Lust. Aber: Gott bleibt beharrlich. Für ihn spielt es eine Rolle, wie du dich entscheidest. Er sagt nicht einfach ab, er gibt nicht einfach auf. Er will alle an einen Tisch bringen.
Person 2: Nachdenklich macht mich, dass die Armen und Ausgegrenzten Gottes Einladung eher annehmen. Vielleicht sind wir Menschen so: So lange es uns gut geht, sind wir ziemlich wählerisch. Seit dem Corona-Lockdown bin ich jedenfalls offener und dankbarer. Ich bin froh um jeden menschlichen Kontakt, um jedes Treffen!
Person 1: Das ist bei mir ähnlich. Oft merkt man erst, wie wichtig einem etwas ist, wenn es plötzlich fehlt.

Impuls

Und jetzt?
Jesus ist tot. Sein Leichnam wurde abgenommen und in ein Felsengrab gelegt. Später finden seine Anhänger es leer vor. Jesus ist fort. Auferstanden. Verwandelt und doch er selbst. So zeigt er sich noch einmal seinen Jüngern im kleinen Dorf Emmaus unweit von Jerusalem. Redet mit ihnen und isst mit ihnen gemeinsam. Als sie ihn erkennen, verschwindet Jesus vor ihren Augen. Auch die Jünger machen sich auf den Rückweg nach Jerusalem, um den anderen vom Auferstandenen zu erzählen.
Was bleibt ist ein leerer Holztisch mit freien Hockern drum herum. Wie auf dem Bild. Ein paar Krümel liegen noch auf der Tischplatte. Der Tisch und die Stühle sind bereit. Die nächsten Gäste können an ihm Platz nehmen, sich ausruhen, gemeinsam essen und plaudern. Wer mag das sein?
An Gottes Tisch sind Plätze frei. Jesus und die Jünger sind schon wieder fort. Die nächsten Gäste können kommen. Jeder, der mag, kann einfach Platz nehmen. Gott lädt alle ein. Jeder kann seine Einladung annehmen und sich mit an den großen langen Holztisch setzten. Trotz und vielleicht gerade wegen Corona. Vermutlich wären bei den aktuellen Bestimmungen die Plätze zeitlich begrenzt nutzbar. Ein festes Zeitfenster für den Besuch würde einen zu großen Andrang verhindern. Der Abstand zum Tischnachbarn würde immer 1,5 Meter betragen, und das Essen und Trinken hätten vermutlich alle Gäste vorsichtshalber selber mitgebracht.
Aber es wäre mal wieder eine Möglichkeit sich mit anderen Menschen zu unterhalten, zusammen zu essen, Gemeinschaft zu erleben. Etwas, dass gerade an diesem Osterfest wieder unendlich kostbar erscheint, wo Familien nicht zusammenkommen können und gemeinsame Essen ausfallen müssen.
Heute Morgen haben Sie sich mit an Gottes Tisch gesetzt. Mit dem Lesen dieses Gottesdienstes haben Sie Gottes Einladung angenommen. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen, egal, ob in einem Gottesdienst in einer der Kirchen und Altenheime, in einem der vielen Onlineangebote oder im Schauen des Fernsehgottesdienstes. Gottes Einduldungen an uns sind vielfältig. Unsere Gemeinschaft in seinem Namen existiert durch alle Medien und Entfernungen hindurch. Der gemeinsame Glaube an Gott verbindet uns.
Gottes Einladung gilt auch über das Osterfest hinaus. Ein Platz am Tisch Gottes ist zu jederzeit frei. Setzten Sie sich doch immer mal wieder an seinen Tisch und verbringen Sie Zeit mit Gott und den anderen Gästen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen

Auch zu diesem Bild gibt es ein Lied von den Autoren des Jugendkreuzweges. Sie können es einfach lesen oder sich online anhören und mitsingen unter: https://www.jugendkreuzweg-online.de/materialien/audioguide!

Gebet:

Guter Gott,
wir bitten Dich:
Für uns Menschen,
hilf uns, unseren Platz zu finden,
an Deinem Tisch
in dieser Welt.

Barmherziger Gott,
wir bitten Dich:
Für die Menschen,
denen das Nötigste zum Leben fehlt,
denen kein Mensch einen Platz
anbieten will.

Gütiger Gott,
wir bitten Dich:
Für alle, die hinter den Kulissen
für andere Menschen hart arbeiten,
und im Schatten bleiben
ohne Anerkennung oder gerechten Lohn.

Gnädiger Gott,
wir bitten Dich:
Für alle, die im Scheinwerferlicht stehen,
in der Politik und auf den Bühnen
des Lebens,
mit Macht und Einfluss.

Großer Gott,
führe Du die Regie
in unseren Köpfen und Herzen.
Das bitten wir Dich

Wir beten zu dir mit Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen:

Gottes Segen behüte uns.
Gottes Geist leite uns.
Gottes Friede sei mit uns
und der ganzen Welt.

Amen.

Frohe Ostern wünscht Ihnen
Pastorin Nina Junghans