Gottesdienst, vom Sonntag, den 07.06.2020

Aktuell finden wieder Gottesdienste – wenn auch in verkürzter Form – in unserer Kirche statt. Für die Menschen, die nicht anwesend sein konnten oder wollten, gibt es heute nicht nur die Predigt, sondern den gesamten Gottesdienst als Audiodatei.
Wie gewohnt können Sie zusätzlich die Predigt hier lesen und herunterladen oder an den bekannten Stellen als Ausdruck mit nach Hause nehmen.

Gottesdienst am 07.06.2020, Sonntag Trinitatis

Predigt über 4. Mose 6, 22-27, Samuel Trebesius
„Segen – Weihnachten für mich persönlich“

Der Predigttext von heute ist ein altbekanntes Wort aus der Bibel. Vielleicht ist es der Bibeltext, den wir als zweitmeistes hören, nach dem Vaterunser. Am Ende jedes Gottesdienstes hören wir diese Worte, mit denen die Person in schwarz uns von vorn den Segen Gottes zuspricht.
Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
Hier im Alten Testament geht es um Anweisungen für den Dienst im Tempel. Die Priester werden instruiert, wie Oper und andere rituelle Handlungen ablaufen sollen. Und zuletzt wird ihnen hier gesagt, mit welchen Worten sie das Volk Israel segnen sollen.
Wenn wir diese Worte von Jesus Christus her hören, insbesondere an diesem Fest Trinitatis, dann können wir einen Bezug zur Dreieinigkeit Gottes herstellen. Die 3 Dimensionen Gottes und die 3 Segensworte gehören zusammen. Der Herr segne dich und behüte dich – da wird von Gott dem Vater gesprochen, der uns beschützt. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig – das ist Gott, der Sohn. Jesus, der uns das Angesicht Gottes zeigt und durch dessen Tod wir Gnade erfahren. Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden – das ist der Heilige Geist, der uns ganz nah kommt und uns mit Frieden erfüllt.

Eine wichtige Beobachtung gleich am Anfang: Diese Segensworte sind keine Feststellung (der Herr segnet dich), auch keine Bitte (Herr, segne uns), sondern ein Zuspruch (Der Herr segne dich). Der Handelnde bleibt Gott – so heißt es auch am Ende des Textes: „dass ich sie segne.“ Gott handelt, aber er tut es auf unsere Worte hin.
Diese alten Worte entfalten eine starke Wirkung, wenn wir sie hören oder lesen. Deswegen möchte ich sie auch gar nicht weiter analysieren oder zerpflücken. Sondern ich möchte fragen: Was bedeutet uns der Segen? Was machen diese Worte mit uns? Viele von uns haben Erfahrungen mit Segensworten. Der Segen wird uns an vielen wichtigen Stationen im Leben zugesprochen: Taufe, Konfirmation, Trauung und auch am Ende des Lebens gibt es die Aussegnung. Jedes Mal wird uns der Segen Gottes zugesprochen. Sicher haben viele von Euch damit Erfahrungen gemacht und es wäre spannend, einige Geschichten zu hören.
Für mich bedeutet Segen vor allem: Gott wendet sich uns zu. Oder: Weihnachten für mich ganz persönlich. Was an Weihnachten allgemein und global geschieht – Gott wird Mensch und kommt uns nah – das passiert im Segen für mich und für dich ganz persönlich. Gott kommt zu dir, in dein Leben. Segen, das ist Weihnachten für uns ganz persönlich.

Zwei Gedanken dazu:
Ein erster Gedanke: Gott kennt uns durch und durch. Ein gern zitierter Bibeltext zu dieser Aussage ist Psalm 139:
HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, dass du, HERR, nicht alles wüsstest.
Dass Gott uns so durch und durch kennt, das ist zum einen schön, kann aber auch bedrängend sein – diesem Gott können wir nicht ausweichen. Er kennt uns bis ins Letzte, auch unsere Schattenseiten. Er kennt unsere Charakterschwächen – und das sind nicht immer nur liebenswürdige Macken. Sie können schwerwiegend und belastend sein. Er kennt unsere Verletzungen. Verletzungen, die uns zugefügt wurden, aber auch die, die wir anderen zugefügt haben. Er kennt unsere Schuld, vielleicht auch Schuld, die wir uns selbst nicht vergeben können.
Gott kennt uns brutto, mit allem. Gott gegenüber können wir nichts beschönigen. Wir können nicht so tun als ob. Als ob wir frommer oder heiliger sind. Das bringt bei Gott nichts. Das Befreiende ist: das brauchen wir auch nicht. Wir können so zu Gott kommen, wie wir sind. Gott weiß es doch sowieso. Gott kennt uns doch sowieso. Gott wartet nicht auch besonders heilige Menschen – er wartet auf uns, auf mich, auf Dich.
Segen, das ist Weihnachten für uns ganz persönlich – Gott kennt uns durch und durch.
Ein zweiter Gedanke: Gott kommt uns ganz nah. Trotz unserer dunklen Seiten möchte Gott Gemeinschaft mit uns. Gott macht uns Geschenke im Segen: Bewahrung, Gnade, Frieden. Aber das eigentliche Geschenk ist immer Gott selbst. Seine Nähe, seine Gemeinschaft, Begegnung mit ihm. Sich selbst schenkt er uns im Segen vor allem anderen. Weihnachten für uns persönlich.

Wenn Gott uns nahekommt, schenkt er uns Gesundheit, oder aber er gibt uns die Kraft, auch mit einer Krankheit zu leben. Wenn Gott uns nahekommt, löst er unsere Probleme, oder er gibt uns inneren Frieden, dass wir auch mit manchen Problemen besser umgehen können. Er löst nicht alles, aber er schenkt einen gelösten Umgang. Er schenkt uns kein sorgenfreies Leben, aber ein erfülltes Leben.
Segen – das ist Weihnachten für uns ganz persönlich.
Gott kennt uns durch und durch.
Gott kommt uns ganz nah.
Lassen wir uns das im Segen immer wieder zusprechen.
AMEN

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