Gottesdienst von Sonntag, dem 28.06.2020

Aktuell finden wieder Gottesdienste – wenn auch in verkürzter Form – in unserer Kirche statt. Für die Menschen, die nicht anwesend sein konnten oder wollten, gibt es heute nicht nur die Predigt, sondern den gesamten Gottesdienst als Audiodatei.
Wie gewohnt können Sie zusätzlich die Predigt hier lesen und herunterladen oder nach dem Gottesdienst als Ausdruck mit nach Hause nehmen. Die Ausdrucke liegen außerdem weiterhin im Vorraum des Küsterhauses aus.

Gottesdienst am 21.06.2020, 3. Sonntag nach Trinitatis

Die letzten beiden Sonntage habe ich jeweils mit einer Frage begonnen. Hier ist die nächste: Worauf hoffen wir?
Es passt für mich gut in die Reihe der Sonntage, die nach dem Trinitatisfest begonnen haben und ganz schlicht gezählt werden. Denn jeder dieser Sonntage hat ein spezielles Thema. Alle Themen drehen sich um christlichen Glauben und christliches Leben, so auch heute. Und weil nie etwas so einfach ist, wie es scheint, habe ich dazu jeweils eine Leitfrage vorweg gestellt. Heute also: Worauf hoffen wir?
Hoffnung ist etwas ganz Entscheidendes. Nicht nur bei uns als Christen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist so ein geprägter und geflügelter Satz. Jeder Mensch hofft irgendetwas. Was hoffst du? Manchmal sind es kleine Dinge, wie „ich hoffe, dass morgen das Wetter schön ist“. Manchmal sind es nur von außen betrachtet kleine Dinge, wenn jemand hofft, dass er beim Arztbesuch von keiner ernsthaften Diagnose erfährt. Und manchmal sind es auch große Dinge: „Ich hoffe, dass die Coronapandemie abflaut und keine zweite Welle entsteht“ oder „Ich hoffe, dass die Menschheit noch die Kurve kriegt und alle Anstrengungen darauf hin leitet, dass die Klimakrise bezwungen werden kann“. Hoffnung kann eben auch bestehen, obwohl es nicht danach aussieht – wie beim letztgenannten Beispiel.
Was ist also Hoffnung? Ich glaube, so etwas wie der Lebenswille. Wer keine Hoffnung mehr hat, gibt auf. Hoffnung hält uns aufrecht, trotz allem, was uns umgibt. Worauf hoffen wir?
Den Predigttext für heute aus dem Alten Testament stelle ich auch unter das Thema Hoffnung, denn er spricht in eine trostlose Situation hinein. Ich lese die letzten Sätze aus dem Michabuch im 7. Kapitel:
„Herr, wo ist ein Gott wie du? Du vergibst denen, die von deinem Volk übrig geblieben sind, und verzeihst ihnen ihre Schuld. Du bleibst nicht für immer zornig, denn du liebst es, gnädig zu sein! Ja, der Herr wird wieder Erbarmen mit uns haben und unsere Schuld auslöschen. Er wirft alle unsere Sünden ins tiefste Meer. Herr, du wirst uns, den Nachkommen von Abraham und Jakob, deine Treue und Gnade erweisen, wie du es einst unseren Vorfahren geschworen hast.“
Erst einmal ein Blick darauf, wo hinein diese Sätze gesprochen wurden. Den Propheten Micha bezeichnen wir eigentlich als Gerichtspropheten, der dem Volk Unheil angesagt hat, weil es sich nicht an Gottes Regeln gehalten hat. Nun ist das Michabuch nicht in einem Guss entstanden, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Schluss des Buches, also die Sätze, die wir eben gehört haben, ist so etwas wie ein Kommentar zu dem Vorhergehenden. Inzwischen ist das eingetreten, was Micha vorhergesagt hat, die Menschen leben in einem verwüsteten Land. Der Prophet glaubt aber nicht an einen düsteren Schicksalsgott, dem nach der Verhängung des Urteils alles egal wäre. Und so spricht er Gott, seine Landsleute und die Leser des Buches gleichzeitig an und wirbt für den Gott, der Gnade walten lässt, weil er seinem Volk die Treue geschworen hat.
Worum geht es nun in unserem Abschnitt? Wichtige Stichworte sind Vergebung und Gnade. Gott ist nicht ein Gott des Zorns, sondern der Gnade, so formuliert es der Prophet. Gott verzeiht die Schuld, und er bleibt treu und erweist Gnade. Erst einmal ist das sehr nahe an dem, was wir vorhin im Evangelium gehört haben. Das so bekannte Gleichnis vom Vater und den beiden Söhnen. Auch dort sieht der Vater nicht auf das, was der jüngere falsch gemacht hat, sondern bleibt ihm als Vater treu und nimmt ihn wieder auf. Der Vater, das wisst ihr alle, steht im Gleichnis für Gott, unseren Vater. Wenn wir aber genauer hinschauen, handelt Gott dort trotzdem ganz anders, als er uns in den Sätzen des Micha entgegenkommt. Während im Evangelium Gott als der geduldig Wartende und sanftmütige Vater erscheint, der sogar den Zorn des Älteren aushält und ihn auf seine Liebe zu beiden Söhnen hinweist, ist der Gott, den Micha beschreibt, äußerst leidenschaftlich. Wir können das durchaus als Zornesausbruch ansehen, wenn Gott wie ein Wilder auf der Schuld herumtrampelt, wie es im Original heißt, und die Sünden nimmt und bis in die äußerste Tiefe des Meeres schleudert. Da ist Druck hinter.
Aber es ist eben kein Zorn gegen die Menschen, sondern gegen das, was seine Menschen von ihm trennt. Gott streitet für und um seine Menschen.
Und noch etwas fällt mir bei diesen Zeilen im Vergleich zum neutestamentlichen Gleichnis auf. Während Jesus dort eine Aussage über Gott macht: So ist Gott zu euch, nämlich wie ein liebender Vater – sind für mich die Zeilen des Micha eher eine Beschwörung: Du bleibst nicht immer zornig! – Du wirst wieder Erbarmen mit uns haben! – du wirst uns deine Treue und Gnade erweisen! Das sind Dinge, die die Leute im Umfeld Michas gerade nicht erlebten. Wie gesagt, es ging ihnen ziemlich schlecht. Und Micha wohl auch. Und so hält er sich an das, was er aus den Schriften herausliest, und was er von Gott erfahren hat. Er erinnert geradezu Gott an das, was der seinem Volk zugesagt hat. Gott, wie war das mit den Zusagen gegenüber Abraham und Jakob? Also sei bitte auch so! Was hinter diesen Zeilen damit aufscheint, ist Hoffnung. Eben diese Hoffnung, die bestehen bleibt, obwohl die Wirklichkeit gar nicht danach aussieht. Micha hält sich an der Hoffnung auf einen gnädigen und vergebenden Gott fest. Gott wird so sein, auch wenn wir unsere Zeit gerade anders erleben, so scheint er zu sagen. Das heißt, Micha wünscht sich auch seinen Gott als einen, der leidenschaftlich für seine Menschen streitet.
Ich nehme noch eine andere Bibelstelle mit hinein, nämlich den Wochenspruch. „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Ich habe ihn am Anfang des Gottesdienstes schon genannt. Auch das Wort Verloren klingt den Gottesdienst über mit. Das Gleichnis aus dem Evangelium wird gern mit „Der verlorene Sohn“ überschrieben. Hier klingen also Menschen an, die sich verloren haben. Die den Bezug zum Vater verloren haben und sich in Beziehungen hineingeben, die nicht gut für sie sind, ob nun freiwillig oder gezwungenermaßen. Verlorene können Einzelne sein, aber auch ganze Menschengruppen. Verloren sind zum Beispiel die, die unter Kriegszuständen leben müssen. Verloren sind die, die keine Hoffnung mehr haben. Verloren sind auch die, die keine Stimme haben, die nicht gehört werden. Verloren sind also schließlich ebenfalls die, die die Worte des Micha gehört haben, an die diese Worte gerichtet waren.
Das bringt mich zur Frage, wie wir mit den Sätzen umgehen. Dürfen wir uns Verlorene nennen, sind wir gemeint, wenn gegen den Augenschein gehofft und angepredigt wird? Uns geht es durchschnittlich gesehen gut. Aber wie ist das mit der immer noch aktuellen Situation? Die meisten von uns sind nicht unmittelbar betroffen, doch die Pandemie stellt trotzdem für alle eine Bedrohung dar. Und eine noch viel größere Bedrohung ist der fortschreitende Klimawandel, auch wenn wir den manchmal gar nicht auf dem Schirm haben. Auch würde ich bei dem Stichwort Verloren nicht nur von den verlorenen Menschen sprechen wollen, sondern auch von dem Verlorenen in uns. Von dem, was uns runter zieht, was uns beschwert, was uns fertig macht. Von dem, was uns von Gott trennt, weil wir uns von vielen Sachen nicht trennen können, auch von schlechten Eigenschaften nicht. Von dem, wo wir Aussetzer haben, wo wir nicht mehr nachdenken.
Auch wir brauchen den, der das Verlorene sucht. Auch wir brauchen den, der unsere schwarzen Anteile niedertrampelt und wegwirft. Auch wir brauchen den, an dem wir uns festhalten können, weil er uns und unseren Vorfahren seine Treue und Gnade zugesagt hat. Auch wir brauchen den, auf den wir vertrauen können, obwohl alles um uns herum gar nicht nach Hoffnung, sondern nach Verzweiflung aussieht.
Worauf hoffen wir? Ich würde sagen: Darauf, dass Gott letztlich alles zum Guten führen wird. Dass er mich nicht fallen lässt, sondern in meinem Leben an meiner Seite bleibt. Darauf, dass er meine verlorenen Anteile aufspürt und sich darum kümmert, dass ich ohne sie leben kann. Dass er uns alle, seine ganze Schöpfung in seinen Händen hält. Und so dürfen wir uns an ihn wenden und ihn darauf festnageln, wie Micha es getan hat: „Herr, du wirst uns deine Treue und Gnade erweisen, wie du es einst unseren Vorfahren geschworen hast.“
Amen.

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Predigt von Sonntag, den 21.06.2020

Aktuell finden wieder Gottesdienste – wenn auch in verkürzter Form – in unserer Kirche statt. Für die Menschen, die nicht anwesend sein konnten oder wollten, gibt es heute nicht nur die Predigt, sondern den gesamten Gottesdienst als Audiodatei.
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Gottesdienst am 21.06.2020, 2. Sonntag nach Trinitatis

Wohin gehen wir? Schon am letzten Sonntag habe ich mit einer Frage begonnen, nämlich: Wie leben wir? Heute also: Wohin gehen wir? Angelehnt an den Spruch: Wer weiß, wo das alles noch hinführt… Die Frage können wir in der aktuellen Situation schon stellen. Auch wenn bei uns das Virus zur Zeit zurückgeht – an anderen Orten der Welt geht es heftig weiter. Und auch bei uns ist ja eine zweite Welle nicht ausgeschlossen. Wohin führt das alles? Was steht uns noch bevor? Die Frage können wir genauso auf die Entwicklung des Klimas beziehen. Der Wandel hat längst begonnen, die Warnzeichen werden immer deutlicher, und doch tun die meisten Staaten immer noch so, als ob sie das alles nichts angehe. Wohin gehen wir?
Die Frage können wir auch allgemein stellen: Wohin gehen wir, wohin gehst du, wohin gehe ich? Was ist dir wichtig? Was hast du für ein Ziel? Worauf gehst du zu? Das betrifft jeden, glaube ich. Diese Frage gehört sicherlich zum Menschsein dazu. Meist beschreiben wir das Leben als einen Weg, das Wort Lebensweg ist überaus gebräuchlich. Das heißt, in unserem Leben sind wir unterwegs. Aber wohin?
Der heutige Sonntag spricht eine Einladung aus: Kommt her zu mir, spricht Jesus. Im Evangelium haben wir gehört, wie Jesus davon erzählt, dass jemand zu einem Festessen einlädt, aber die Geladenen sich alle entschuldigen. Da lädt er andere ein, und die ursprünglich Eingeladenen müssen draußen bleiben. Jesus benutzt dies als ein Bild für Gott. Der uns alle einlädt, aber nicht alle kommen. Wir sind eingeladen, aber die Entscheidung liegt bei uns. Wohin gehen wir?
Der Wochenspruch formuliert ebenfalls eine Einladung – wir haben ihn am Anfang schon gehört. „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Jesus lädt ein, zu ihm zu kommen. Dieser Vers stammt aus dem Predigttext für heute. Ich lese den Abschnitt aus Matthäus 11 in einer modernen Fassung:
„Jesus betete: »Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich preise dich, dass du die Wahrheit über dein Reich vor den Klugen und Gebildeten verborgen und sie den Unwissenden enthüllt hast. Ja, Vater, das war dein Wille, so hat es dir gefallen. Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Nur der Vater kennt den Sohn. Und nur der Sohn kennt den Vater und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren will. Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben. Das Joch, das ich euch auflege, ist leicht, und was ich von euch verlange, ist nicht schwer zu erfüllen.«“
Jesus tut hier drei Dinge. Zunächst spricht er Gott direkt an und preist ihn. Dann spricht er von sich im Verhältnis zu seinem Vater, gibt an, mit welcher Vollmacht er spricht. Und schließlich spricht Jesus eine Einladung aus: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.“ Schauen wir uns diesen Vers einmal genauer an.
Kommt her zu mir. Jesus will, dass wir zu ihm kommen. Interessant, wo er doch sonst immer selbst zu den Menschen hingegangen ist. Er lädt also zu sich ein. Und meint damit sicherlich nicht einen Ort, sondern seine Nähe. Hier spricht also deutlich der Auferstandene mit, der gesagt hat: Siehe, ich bin bei euch. Jesus will mit uns Gemeinschaft haben. Aber er will auch, dass wir dies selbst entscheiden, uns also eigenständig zu ihm auf den Weg machen.
Als nächstes folgt das Wort „alle“. Jesus, der im Auftrag Gottes spricht, unterscheidet nicht, er wendet sich allen Menschen zu. Jeder kann zu ihm kommen. Für jeden steht die Tür offen. Die Entscheidung, wer das dann tatsächlich alles ist, trifft nicht Jesus, sondern der angesprochene Mensch selbst. Da sind wir wieder in der Nähe der Geschichte aus der Lesung, wo auch die Menschen entscheiden und nicht Gott. Angesprochen sind sie alle.
Dann spricht er sie als die an, „die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet!“ Die Lutherübersetzung benutzt die bildliche Wendung „die ihr mühselig und beladen seid“. Gemeint waren damals die Lasten, die die religiösen Autoritäten den Menschen auferlegt hatten. Das Halten jeglicher Gesetze, die ständige Überwachung, ob das auch geschieht. Jesus ging es in allem um Gott, darin war er sich mit seinen Gegnern, den Schriftgelehrten und Pharisäern einig. Aber er betrachtete deren Vorgaben als den falschen Weg, näher zu Gott zu kommen.
Die Leute hatten nur die vielen Vorschriften und Regeln vor Augen, nicht mehr den liebenden Vater, von dem Jesus so sehr überzeugt war. Mit religiösen Lasten mühen wir uns heute kaum noch ab. Das heißt aber nicht, dass wir keine hätten. Dazu komme ich gleich noch.
Schließlich sagt uns Jesus in seinem Einladungsruf, was er mit uns vorhat: „Ich werde euch Ruhe geben“. Andere Übersetzungen formulieren hier: Ich nehme euch eure Lasten ab. Jesus will nicht, dass wir uns abmühen wie in einem Hamsterrad. Er bietet uns eine einfacheren Weg zu Gott an. Die Wendung „Ruhe geben“ weckt Sehnsüchte. Raus aus dem Trott. Kein Stress mehr, kein Druck mehr. Nicht mehr tun müssen, sondern höchstens tun wollen. Jesus weiß, dass Gott ihn und uns liebt, und so bietet er Zuflucht. Pause machen.
„Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet!“ Welche Lasten tragen wir? Da fällt euch sicherlich ganz viel ein. Da sind zum einen Ängste. Die Angst vor dem Virus gehört auf jeden Fall dazu – etwas, das sich unbemerkt einschleicht und größte Kreise zieht. Da kann man schon Angst kriegen. Auch die Angst vor dem Klimawandel ist so etwas. Wie leben wir in zehn Jahren? Wie wird es meinen Kindern gehen? Gibt es noch eine Rettung? Ein weitere Last ist der Druck, den wir uns im Alltag machen und auch der, der uns gemacht wird. Anforderungen durch den Arbeitgeber. Gesellschaftliche Anerkennung. Innere Ansprüche an sich selbst. Diese Form der Last hat schon manchen zu Boden gedrückt. Auch aus- oder unausgesprochene Verhaltensregeln können belasten. Da fällt euch hier in Wahrenholz sicherlich einiges ein.
Was bietet Jesus uns nun? Er will uns die Lasten abnehmen, beziehungsweise er will uns Ruhe geben. Macht er dann alles? Den Job, die gesellschaftlichen Verpflichtungen und so weiter? Sicher nicht. Es ist mehr ein Erleichtern, das Jesus uns anbietet. Bei Luther heißt es im nächsten Vers: „Nehmt auf euch mein Joch“. Da war ich doch zunächst verwirrt. Er will uns die Last abnehmen und legt uns ein Joch auf? Als Kind habe ich immer ein Joch vor Augen gehabt, dass zwei Ochsen getragen haben, um den Pflug zu ziehen. Nicht dass ich schon so alt bin oder überhaupt von Landwirtschaft Ahnung gehabt hätte. Das waren Bilder, die sich mir eingeprägt haben, vielleicht aus meiner Kinderbibel. Und dann dachte ich: So ein Joch soll ich jetzt tragen? Das ist ja noch schwerer.
Aber man lernt ja dazu. Ein Joch ist nämlich dazu dagewesen, die Lasten, die es zu tragen galt, besser zu verteilen und so dem Träger zu erleichtern. Jesus sagt also, dass es mit seiner Hilfe leichter ist, unsere Lebenslasten zu tragen. Die, die wir nicht brauchen, nimmt er uns ab, und die anderen trägt er mit.
Apropos Lernen: Jesus fordert uns gleichzeitig auf, von ihm zu lernen. Nämlich seine Art, mit dem Leben umzugehen. Er sagt: „ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab.“ Was also lernen wir? Zum Beispiel seine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Vater, zu unserem Gott. Lernt, Vertrauen zu haben. Schon das erleichtert euch vieles, sagt Jesus. Damit lernen wir gleichzeitig eine Sorglosigkeit für das Alltägliche. Macht euch nicht immer so einen Kopf! Gott sorgt schon für euch. Wir lernen, frei zu werden für andere. Nehmt euch selbst nicht so wichtig, achtet aufeinander, im anderen Menschen begegne ich selbst euch. So sollen wir einen Blick für das Wesentliche bekommen. Der Blick auf das, was Gott mit uns vorhat.
Wohin gehen wir, hatte ich gefragt. Am besten zu Gott und zu Jesus, so müsste hier die Antwort lauten. Denn wir sind unterwegs, ob wir wollen oder nicht. Aber wir können uns aussuchen, ob wir alle Last selber tragen wollen oder ob wir zu jemandem gehen, der uns einen Gutteil davon abnimmt. Ob wir uns selbst mit unseren Zukunftsängsten herumschlagen, oder ob wir sie Gott anvertrauen und in seine Hände legen. Der Weg hin zu Gott gibt uns das Ziel vor, wir müssen nicht ziellos umherirren. Und wenn die Wegstrecke zu anstrengend wird, biegen wir ab und folgen der Einladung Jesu: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.“
Amen.

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Predigt für Sonntag, den 14.06.2020

Aktuell finden wieder Gottesdienste – wenn auch in verkürzter Form – in unserer Kirche statt. Für die Menschen, die nicht anwesend sein konnten oder wollten, gibt es heute nicht nur die Predigt, sondern den gesamten Gottesdienst als Audiodatei.
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Gottesdienst am 14.06.2020, 1. Sonntag nach Trinitatis

Wie leben wir? – Warum diese Frage? Leben tun wir doch ohnehin, das ergibt sich schon irgendwie. Ich stelle sie trotzdem: Wie leben wir? Das ist nämlich nicht zwangsläufig oder egal. Die Corona-Krise hat das ans Tageslicht gebracht. Die vielen Selbstverständlichkeiten, die wir vorher einfach mitgenommen haben, waren auf einmal nicht mehr möglich. Ungezwungenes Shoppen, Café-Besuch, Partys. Das stellte uns plötzlich vor die Frage, was wir denn jetzt mit der uns gegebenen Zeit anfangen? Und wo wir die Prioritäten setzen.
Und ich glaube, es geht hier nicht nur um Vorlieben und konkrete Dinge. Es geht um eine generelle Lebenshaltung – auch das hat Corona gezeigt: Leben wir nur auf uns bezogen, sind die Menschen um uns herum nur unausweichliches und manchmal ärgerliches Beiwerk auf unserem Weg der Selbstverwirklichung? Oder leben wir bewusst miteinander, stellen wir uns auch mal zurück, weil es für unsere Mitmenschen wichtig ist? Ich nenne nur Mindestabstand und Mundschutzpflicht…
Jetzt die Frage noch einmal spezieller gestellt: Wie leben wir als Christen? Gibt es Unterschiede zu anderen Menschen? Wenn ja, warum? Und wenn nicht, was zeichnet uns dann als Christen aus? Eine Sache kann ich schon mal vorwegstellen: Wie wir leben und wie wir uns verhalten, sollte immer in Gottes Wort gegründet sein. Die zehn Gebote, die Worte Jesu und vieles mehr. Doch wie lebt es sich damit konkret? Lebt der Mönch genauso wie der christliche Manager? Was ist christliches Leben? Reicht es, sich mit einer Bibel in der Hand vor eine katholische Kirche zu stellen, während hunderte von Leuten extra dafür mit Tränengas und Knüppeln vertrieben werden? Oder ist da noch mehr?
Schon die Epistel für heute, die wir vorhin gehört haben, hat deutliche Worte gefunden: „Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner.“ Der Predigttext für heute wird noch deutlicher. Er liefert ein sehr konkretes Beispiel dafür, wie Christen miteinander leben können. Ich lese einen Abschnitt aus der Apostelgeschichte im 4. Kapitel:
„Alle, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete sein Eigentum als privaten Besitz, sondern alles gehörte ihnen gemeinsam. Mit großer Überzeugungskraft berichteten die Apostel von der Auferstehung des Herrn Jesus, und alle erlebten Gottes Güte. Keiner der Gläubigen musste Not leiden. Denn wenn es an irgendetwas fehlte, war jeder gerne bereit, Häuser oder Äcker zu verkaufen und das Geld den Aposteln zu übergeben. Die verteilten es an die Bedürftigen. Josef, ein Levit aus Zypern, gehörte auch zu denen, die ihr Hab und Gut zur Verfügung stellten. Die Apostel nannten ihn Barnabas, das heißt übersetzt: »der anderen Mut macht«. Er verkaufte seinen Acker und überreichte das Geld den Aposteln.“
„Alle, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele.“ Wow! Sehen wir uns eine normale Kirchengemeinde an, stellen wir fest, dass das alles andere als selbstverständlich ist. Aber schauen wir einmal genauer hin. Es geht um die Anfänge der christlichen Gemeinde. Lukas beschreibt speziell die christliche Gemeinschaft in Jerusalem. Und zwar in der allerersten Zeit. Da gehört die Begeisterung des Anfangs zweifelsohne dazu. Sie alle waren Teil von etwas ganz Neuem, sie waren erfüllt von Gottes Wort und dem, was wir den Heiligen Geist nennen. Und noch standen die großen Konflikte mit der jüdischen Gemeinschaft bevor, sie konnten relativ unbehindert ihr neues Leben gestalten.
Was war das für ein Leben? Sie lebten gemeinsam, aber nicht etwa zusammen. Von einer Art Kommune kann also nicht die Rede sein. Weiterhin lebten sie jeweils in ihren eigenen Häusern. Aber sie trafen sich regelmäßig, um zu beten und miteinander Abendmahl zu feiern – davon wird im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte berichtet. Wir sprechen also nicht von einer Hausgemeinschaft, wohl aber von einer Gütergemeinschaft. „Alles gehörte ihnen gemeinsam“. Wie sah das konkret aus? Ich glaube nicht, dass sie alle Dinge und Besitztümer durchgetauscht haben. Oder es eine Enteignung gab und alles an einer zentralen Stelle gelagert wurde. Eher so, dass, wenn jemand ein bestimmtes Haushaltsgerät brauchte und ein anderer dieses besaß, dieses ihm zur Verfügung gestellt wurde. Du musst nach Gifhorn, hast aber gerade kein Auto zur Verfügung. Also gebe ich dir mein Auto, weil ich es im Moment nicht brauche. Ein flexibler Umgang mit den Dingen, die vorhanden waren. Das war das eine.
Das andere war der Umgang mit Geld und größerem Besitz. Schon die erste Gemeinde in Jerusalem war eine bunte Mischung von Menschen aus allen Schichten. Da gab es Menschen, die irgendwie zusehen mussten, wie sie den nächsten Tag überleben, als auch Leute, denen es wirtschaftlich außerordentlich gut ging. Der entscheidende Unterschied zu allen anderen Bewohnern Jerusalems war nun, dass sie nicht darauf achteten, was sie selber hatten. Sondern dass sie besonders darauf schauten, was jeder aus ihrer Gemeinschaft zum Leben benötigte. Also wurde, wenn jemand unterstützt werden musste, auch mal ein Grundstück verkauft, oder von denen, die mehrere Häuser besaßen auch solch ein Gebäude veräußert. Alles zum Wohl der Gemeinschaft.
Entscheidend war bei dieser Gütergemeinschaft, dass alles freiwillig geschah. Keiner, der etwas besaß, musste das abgeben. Keiner, der mehrere Häuser hatte, musste diese verkaufen. Getragen waren sie alle von der Nächstenliebe, die Jesus gepredigt hatte. Von seinem kritischen Blick auf den Besitz. Von der Erkenntnis, dass sie im Glauben an den Herrn zusammengehörten. Damit wurde Privatbesitz zweitrangig, das Wohl der Gemeinschaft stand im Vordergrund.
Ein Blick auf den Anfang des Christentums. Und heute? Wer lebt noch so? Geht das überhaupt noch? Ja, es geht tatsächlich. In den Klöstern schaut man auf eine lange Tradition gemeinsamen Besitzes zurück. Und auch in den evangelischen Kirchen gibt es Lebensgemeinschaften, die bewusst ihren Besitz teilen. Es gibt Kommunitäten, die ähnlich wie ein Kloster funktionieren. Und es gibt auch außerhalb von Kirche immer wieder Projekte gemeinsamen Lebens. Seien es die Kommunen, zum Beispiel im Wendland. Oder Formen solidarischer Landwirtschaft, wo ein bäuerlicher Betrieb von einer Gemeinschaft von Haushalten getragen wird, die einen regelmäßigen Jahresbeitrag zahlen und dafür dieses Jahr lang mit Lebensmitteln versorgt werden. Also nicht nach dem Motto: Soviel ich kann, sondern: soviel du brauchst.
Aber das sind Einzelne. In den „normalen“ Kirchengemeinden sind wir davon weit entfernt. Dieser Bibeltext und auch viele andere fordern uns heraus. Sie stellen uns immer wieder die Frage: Wie leben wir? Wie sollen wir als Christen leben, und wie können wir leben? Gerade in der heutigen Zeit, die so sehr vom Kapitalismus durchzogen ist wie noch keine andere. Wo es zum Standard gehört, mindestens ein Auto vor der Tür stehen zu haben, und möglichst vom hiesigen Arbeitgeber der gesamten Region.
Wie leben wir? Die Leitschnur für uns Christen ist und bleibt das Evangelium. Die Worte Jesu, der gesagt hat: Ihr sollte keine Schätze auf der Erde sammeln. Ihr könnt nicht gleichzeitig Gott dienen und euch dem Besitz hingeben. Oder nehmen wir die Geschichte von den Arbeitern im Weinberg, die Jesus erzählt hat. Wo der Weinbergbesitzer die Arbeiter nicht nach ihrer Leistung bezahlt hat sondern nach dem, was sie brauchen. Dass also nicht der Vergleich und das Nebeneinander zählen, sondern das Miteinander. Jedem das, was er braucht. Und schließlich ist da das Gebot, dass ich gefühlt jeden Sonntag wiederhole: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben mit all deiner Kraft. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Wenn wir das ernst nehmen, wird unser Leben anders aussehen.
Nein, vermutlich können wir in unserer Kirchengemeinde nicht alle wie in einer großen Lebensgemeinschaft leben. Aber wir können damit anfangen, zuerst auf das Miteinander zu achten. Was brauchst du gerade? Wir können anfangen, solidarisch zu sein. Und wenn es gelingt, ist dies ein eigenes Lebensprinzip. Dann huldigen wir nicht mehr dem Kapitalismus. Dann ist das Anhäufen von eigenem Besitz nicht mehr wichtig. Übrigens hört das Miteinander leben, das Aufeinander achten, nicht bei den Menschen auf.
Auch Tiere sind kein Besitz, sondern gehören in die Gemeinschaft mit hinein. Auch die Natur ist nicht dafür da, dass wir sie auslaugen, sondern sie gehört sich selbst. Wir dürfen sie höchstens nutzen.
Vorschreiben kann und will ich nichts. Deshalb ende ich mit der Anfangsfrage und bitte euch, diese mitzunehmen: Wie leben wir?
Amen.

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Gottesdienst, vom Sonntag, den 07.06.2020

Aktuell finden wieder Gottesdienste – wenn auch in verkürzter Form – in unserer Kirche statt. Für die Menschen, die nicht anwesend sein konnten oder wollten, gibt es heute nicht nur die Predigt, sondern den gesamten Gottesdienst als Audiodatei.
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Gottesdienst am 07.06.2020, Sonntag Trinitatis

Predigt über 4. Mose 6, 22-27, Samuel Trebesius
„Segen – Weihnachten für mich persönlich“

Der Predigttext von heute ist ein altbekanntes Wort aus der Bibel. Vielleicht ist es der Bibeltext, den wir als zweitmeistes hören, nach dem Vaterunser. Am Ende jedes Gottesdienstes hören wir diese Worte, mit denen die Person in schwarz uns von vorn den Segen Gottes zuspricht.
Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
Hier im Alten Testament geht es um Anweisungen für den Dienst im Tempel. Die Priester werden instruiert, wie Oper und andere rituelle Handlungen ablaufen sollen. Und zuletzt wird ihnen hier gesagt, mit welchen Worten sie das Volk Israel segnen sollen.
Wenn wir diese Worte von Jesus Christus her hören, insbesondere an diesem Fest Trinitatis, dann können wir einen Bezug zur Dreieinigkeit Gottes herstellen. Die 3 Dimensionen Gottes und die 3 Segensworte gehören zusammen. Der Herr segne dich und behüte dich – da wird von Gott dem Vater gesprochen, der uns beschützt. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig – das ist Gott, der Sohn. Jesus, der uns das Angesicht Gottes zeigt und durch dessen Tod wir Gnade erfahren. Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden – das ist der Heilige Geist, der uns ganz nah kommt und uns mit Frieden erfüllt.

Eine wichtige Beobachtung gleich am Anfang: Diese Segensworte sind keine Feststellung (der Herr segnet dich), auch keine Bitte (Herr, segne uns), sondern ein Zuspruch (Der Herr segne dich). Der Handelnde bleibt Gott – so heißt es auch am Ende des Textes: „dass ich sie segne.“ Gott handelt, aber er tut es auf unsere Worte hin.
Diese alten Worte entfalten eine starke Wirkung, wenn wir sie hören oder lesen. Deswegen möchte ich sie auch gar nicht weiter analysieren oder zerpflücken. Sondern ich möchte fragen: Was bedeutet uns der Segen? Was machen diese Worte mit uns? Viele von uns haben Erfahrungen mit Segensworten. Der Segen wird uns an vielen wichtigen Stationen im Leben zugesprochen: Taufe, Konfirmation, Trauung und auch am Ende des Lebens gibt es die Aussegnung. Jedes Mal wird uns der Segen Gottes zugesprochen. Sicher haben viele von Euch damit Erfahrungen gemacht und es wäre spannend, einige Geschichten zu hören.
Für mich bedeutet Segen vor allem: Gott wendet sich uns zu. Oder: Weihnachten für mich ganz persönlich. Was an Weihnachten allgemein und global geschieht – Gott wird Mensch und kommt uns nah – das passiert im Segen für mich und für dich ganz persönlich. Gott kommt zu dir, in dein Leben. Segen, das ist Weihnachten für uns ganz persönlich.

Zwei Gedanken dazu:
Ein erster Gedanke: Gott kennt uns durch und durch. Ein gern zitierter Bibeltext zu dieser Aussage ist Psalm 139:
HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, dass du, HERR, nicht alles wüsstest.
Dass Gott uns so durch und durch kennt, das ist zum einen schön, kann aber auch bedrängend sein – diesem Gott können wir nicht ausweichen. Er kennt uns bis ins Letzte, auch unsere Schattenseiten. Er kennt unsere Charakterschwächen – und das sind nicht immer nur liebenswürdige Macken. Sie können schwerwiegend und belastend sein. Er kennt unsere Verletzungen. Verletzungen, die uns zugefügt wurden, aber auch die, die wir anderen zugefügt haben. Er kennt unsere Schuld, vielleicht auch Schuld, die wir uns selbst nicht vergeben können.
Gott kennt uns brutto, mit allem. Gott gegenüber können wir nichts beschönigen. Wir können nicht so tun als ob. Als ob wir frommer oder heiliger sind. Das bringt bei Gott nichts. Das Befreiende ist: das brauchen wir auch nicht. Wir können so zu Gott kommen, wie wir sind. Gott weiß es doch sowieso. Gott kennt uns doch sowieso. Gott wartet nicht auch besonders heilige Menschen – er wartet auf uns, auf mich, auf Dich.
Segen, das ist Weihnachten für uns ganz persönlich – Gott kennt uns durch und durch.
Ein zweiter Gedanke: Gott kommt uns ganz nah. Trotz unserer dunklen Seiten möchte Gott Gemeinschaft mit uns. Gott macht uns Geschenke im Segen: Bewahrung, Gnade, Frieden. Aber das eigentliche Geschenk ist immer Gott selbst. Seine Nähe, seine Gemeinschaft, Begegnung mit ihm. Sich selbst schenkt er uns im Segen vor allem anderen. Weihnachten für uns persönlich.

Wenn Gott uns nahekommt, schenkt er uns Gesundheit, oder aber er gibt uns die Kraft, auch mit einer Krankheit zu leben. Wenn Gott uns nahekommt, löst er unsere Probleme, oder er gibt uns inneren Frieden, dass wir auch mit manchen Problemen besser umgehen können. Er löst nicht alles, aber er schenkt einen gelösten Umgang. Er schenkt uns kein sorgenfreies Leben, aber ein erfülltes Leben.
Segen – das ist Weihnachten für uns ganz persönlich.
Gott kennt uns durch und durch.
Gott kommt uns ganz nah.
Lassen wir uns das im Segen immer wieder zusprechen.
AMEN

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Gottesdienst vom 31.05.2020, Pfingstsonntag

Aktuell finden wieder Gottesdienste – wenn auch in verkürzter Form – in unserer Kirche statt. Für die Menschen, die nicht anwesend sein konnten oder wollten, gibt es heute nicht nur die Predigt, sondern den gesamten Gottesdienst als Audiodatei.
Wie gewohnt können Sie zusätzlich die Predigt hier lesen und herunterladen oder an den bekannten Stellen als Ausdruck mit nach Hause nehmen.

Gottesdienst am 31.05.2020, Pfingstsonntag

Teil 1

Teil 2 (Predigt)

Teil 3

Pfingsten 2020. Die Kirchen denken heute an das, was vor ungefähr 2000 Jahren geschehen ist. Daran, dass der Heilige Geist zu den Jüngern kam und dass daraus die Kirche entstanden ist. Wir feiern also Geburtstag, auch in diesem Jahr, wenn auch umstandsbedingt deutlich weniger festlich.
Da darf der bekannteste Text zu Pfingsten nicht fehlen, denn er beschreibt genau das, was sich vor dieser langen Zeit zugetragen haben soll. Ich lese aus der Apostelgeschichte im 2. Kapitel:
„Zum Beginn des jüdischen Pfingstfestes waren alle, die zu Jesus gehörten, wieder beieinander. Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich versammelt hatten. Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf jedem Einzelnen von ihnen niederließ. So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in fremden Sprachen zu reden, jeder so, wie der Geist es ihm eingab. In Jerusalem hatten sich viele fromme Juden aus aller Welt niedergelassen. Als sie das Brausen hörten, liefen sie von allen Seiten herbei. Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden. »Wie ist das möglich?«, riefen sie außer sich. »Alle diese Leute sind doch aus Galiläa, und nun hören wir sie in unserer Muttersprache reden; ganz gleich ob wir Parther, Meder oder Elamiter sind. Andere von uns kommen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, aus Phrygien, Pamphylien und aus Ägypten, aus der Gegend von Kyrene in Libyen und selbst aus Rom. Wir sind Juden oder Anhänger des jüdischen Glaubens, Kreter und Araber. Doch jeder von uns hört diese Menschen in seiner eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden!« Erstaunt und ratlos fragte einer den anderen: »Was soll das bedeuten?« Einige aber spotteten: »Die haben doch nur zu viel getrunken!« Da erhob sich Petrus mit den anderen elf Aposteln und rief der Menge zu: »Hört her, ihr Leute aus Judäa und ihr Einwohner von Jerusalem! Ich will euch erklären, was hier geschieht. Diese Männer sind nicht betrunken, wie einige von euch meinen. Es ist ja erst neun Uhr morgens. Nein, hier erfüllt sich, was Gott durch den Propheten Joel vorausgesagt hat. Bei ihm heißt es: ›In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer bedeutungsvolle Träume. Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich in jenen Tagen meinen Geist geben, und sie werden in meinem Auftrag prophetisch reden. Am Himmel und auf der Erde werdet ihr Wunderzeichen sehen: Blut, Feuer und dichten Rauch. Die Sonne wird sich verfinstern und der Mond blutrot scheinen, bevor der große und schreckliche Tag kommt, an dem ich Gericht halte. Wer dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.‹“
Hier schließt sich jetzt die eigentliche Predigt des Petrus an, in der er das Geschehene deutet und auf den Glauben an Jesus Christus verweist. – In dem, was wir eben gehört haben, wird deutlich, dass da etwas Außerordentliches passiert ist. Klassisch umschrieben mit der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der ist der Urheber von allem, was dort berichtet wird. Selbst ist er nicht zu greifen, unverfügbar, und doch gibt es bestimmte Kennzeichen, an denen man ihn erkennen kann. Unter diesem Gesichtspunkt will ich noch einmal auf den Text schauen.
Als erstes wird der Heilige Geist an seiner Wirkung erkannt. Die von ihm erreichten Menschen verhalten sich auffallend anders als sonst. Und sie erreichen dadurch viele andere. Am Ende des zweiten Kapitels schreibt Lukas, dass sich etwa dreitausend Menschen taufen ließen. Das zweite Kennzeichen ist, dass der Geist vollkommen unerwartet eintrifft. Die Jünger waren darauf überhaupt nicht vorbereitet, als sie zusammenkamen. Es kam einfach über sie. Drittens wird durch den Heiligen Geist ein Verständnis in der Art möglich, dass Außenstehende die Botschaft nicht nur von den Worten her verstehen, sondern innerlich davon getroffen werden. Gut zu erkennen an den erschreckten Reaktionen der Zuhörer. Viertens können wir sagen, dass der Heilige Geist Gemeinschaft schafft. Er führt Menschen zusammen, die vorher nichts miteinander zu tun hatten, er schafft zwischen ihnen eine innere Verbindung. Das nächste und wohl wichtigste Kriterium ist, dass Gott und Jesus Christus im Zentrum stehen. Die Jünger sprechen das Lob Gottes aus, Petrus führt die Geschehnisse ausschließlich auf Gott zurück. Damit hängt sechstens zusammen, dass beim Erscheinen des göttlichen Geistes keinerlei menschliche Interessen eine Rolle spielen. Und schließlich lässt uns das Auftreten des Geistes erahnen, wie es einmal sein wird, wenn das Reich Gottes vollendet ist.
Pfingsten gestern und heute – wie sieht es damit aus? Passt das, was wir vom ursprünglichen Pfingstereignis erfahren haben, mit unserer Wirklichkeit zusammen? Damals markierte dieses Geschehen einen echten Neustart, nachdem die Jünger durch Ostern und Himmelfahrt erst ziemlich verunsichert worden waren. Es war überwältigend für alle, und die kleine Schar der Christusanhänger bekam ab diesem Punkt einen unerhörten Zulauf. Heute dagegen lockt Pfingsten kaum noch jemanden vor die Tür. Statt einem Beginn sehen wir eher das schleichende Ende der Kirche, zumindest in Europa, statt Überwältigung herrscht überwiegend gähnende Langeweile, und die Menschen strömen nicht mehr zur Kirche hin, sondern von ihr weg.
Das gilt allerdings nicht für die weltweite Kirche, aufs Ganze gesehen wächst sie nämlich immer noch. Es sind die Pfingstkirchen, die hohen Zulauf haben. Schon in Europa können sie sich über mangelndes Interesse nicht beklagen, aber besonders in Afrika, Südamerika und Asien wachsen diese Kirchen rasant. Pfingstkirchen nennen sie sich, weil für sie der Heilige Geist besonders wichtig ist. Die Gottesdienste sind sehr emotional, die Botschaften einfach, Geistheilungen gehören dazu und auch ekstatische Phänomene.
Was machen wir nun damit? Wie steht es um den Heiligen Geist? Mit Blick auf die Bibel und die heutige Situation sind mehrere Schlussfolgerungen möglich.
Die erste ist eine historische. Unter der Voraussetzung, dass das überhaupt stimmt, was in der Bibel berichtet wird, hat es den Heiligen Geist vielleicht früher gegeben, heute aber sicher nicht mehr. Die Wirksamkeit der Kirche ist vorbei. Hier könnte ich einiges dagegen einwenden, nur so viel an dieser Stelle: Die Christenheit wächst ja immer noch, und ohne das Wirken des Heiligen Geistes hätte sie auch in Europa nicht 2000 Jahre überlebt.
Die zweite Schlussfolgerung stellt das explizite Wirken des Geistes in den Mittelpunkt. Und stellt fest, dass sich der Geist von uns, den herkömmlichen Kirchen und Europa abgewendet hat – ein Zeichen dafür, dass wir nicht richtig glauben? Das wäre fatal. Aber wenn wir uns die Pfingstkirchen unter den in der Apostelgeschichte aufgestellten Kennzeichen ansehen, treffen längst nicht alle zu: Es ist nämlich nichts Unerwartetes, was da in den Versammlungen und Mega-Gottesdiensten passiert, sondern Ekstase und Zungenreden gehören zum Programm. Das ist etwas sehr Menschliches. Auch können wir nicht davon sprechen, dass menschliche Interessen hier keine Rolle spielen. Besonders in den sogenannten neuen Pfingstkirchen wird die Botschaft verbreitet, dass Menschen, die richtig glauben, zu irdischem Wohlstand kommen, und deren Gründer und Leiter sind oft die besten Beispiele dafür – was für ein Wunder… Ich will mich hier nicht über andere setzen, aber wir sehen daran, dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt.
So bleibt mir nur eine dritte Schlussfolgerung: Der Heilige Geist lässt sich nicht in eine Form pressen, er passt sich nicht unseren Bedürfnissen und Vorstellungen an. Er wirkt weiterhin – aber oft ganz anders, als wir es erwarten würden. Wenn ihr mal einen inneren Rückblick haltet, werdet ihr sicherlich Erfahrungen entdecken, die mit dem Wirken des Geistes zusammenpassen. Zum Beispiel die Erfahrung, dass mir plötzlich ein Licht aufgeht, dass mir etwas in Bezug auf meinen Glauben auf einmal völlig klar erscheint. Oder dass wir im Gottesdienst oder bei anderen Zusammenkünften eine innere Verbindung spüren, die wir so nicht erwartet hatten. Mir ging es besonders mit dem ersten Gottesdienst so, den wir nach der Coronaschließung feiern durften. Da habe ich gemerkt: wir gehören zusammen, und wir sind nicht allein. Es kann auch ein Gefühl von Überwältigung sein, wenn ich in der Natur unterwegs bin oder etwas besonders Schönes erlebe. Meist eben völlig unerwartet. Oder durch etwas, was ich mache oder sage, bringe ich etwas ins Rollen, kommen andere ins Nachdenken und finden zur christlichen Gemeinde. Euch fällt bestimmt noch viel mehr ein. Ich glaube fest daran, dass der Heilige Geist auch heute weiterhin wirkt.
Nur eben nicht auf Bestellung. Und damit sind wir beim heutigen Pfingstsonntag hier in Wahrenholz. Was kann Pfingsten für uns sein? Zunächst tatsächlich ein Erinnerungs- und Jubiläumsfest. Der Blick zurück auf die Geschichte unserer Kirche. Und das Wachhalten der Erinnerung an den geistgewirkten Anfang. Das lehrt uns als zweites Demut. Denn wir Menschen können den Geist nicht machen, den bewirkt Gott allein. Das Pfingstfest lehrt uns also volles Vertrauen in Gott zu haben, dass er uns zur richtigen Zeit den Geist schenkt. Diese Einsicht bewahrt uns davor, dem Machbarkeitswahn zu erliegen. Dass wir mit den richtigen Mitteln viel mehr Leute erreichen würden, dass wir moderner werden müssen, dass wir noch ein und noch ein Projekt starten müssen…
Das Vertrauen in das Wirken des Geistes führt uns wiederum dazu, offen zu bleiben. Offen im Gebet zu Gott und offen in der Begegnung mit anderen. Nicht zuzumachen, weil ich selbst sowieso schon alles besser weiß. Und schließlich sagt uns Pfingsten auch deutlich: Wenn nicht, dann nicht – der Geist weht, wo er will. Daran müssen wir nicht verzweifeln, sondern können Gelassenheit üben. Wir können den Geist nicht erzeugen oder zwingen. Aber wir können Landebahnen schaffen.
Paulus hat das, worum es geht, sehr schön in einem Satz zusammengefasst, und den möchte ich an den Schluss stellen: „Seid fröhlich als Menschen der Hoffnung, bleibt standhaft in aller Bedrängnis, lasst nicht nach im Gebet.“
Amen.

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